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Professor Dr. Leo Peters
"Die Beerdigungskultur hat sich elementar verändert"

Viersen. Zwei Eisenkreuze vom ehemaligen Friedhof an der Bahnhofstraße wurden restauriert und werden heute eingesegnet.

Kaldenkirchen Am heutigen Samstag, 12. September, um 17 Uhr wird Pastor Benedikt Schnitzler die Eisenkreuze für Friedrich Wilhelm Peters (1830 bis 1897) und Anna Elisabeth Peters (1929 bis 1883) im Pfarrgarten neben der katholischen Kirche einsegnen. Die Friedhofskultur ist ein Schwerpunkt im Jubiläumsjahr des Bürgervereins Kaldenkirchen.

Der Bürgerverein feiert sein 50-jähriges Bestehen. Ein Schwerpunkt wird die Beschäftigung mit den Friedhöfen sein. Wie stehen Sie dazu?

Peters Ich halte dies für eine sehr unterstützungswerte Aktion. Jeder alte Friedhof ist gleichsam ein Fingerabdruck der jeweiligen Stadtgeschichte. In Kaldenkirchen gab es insgesamt acht Beerdigungsstätten: an und in der Clemenskirche ("Kirchhof"), in der evangelischen Kirche, an der Bahnhofstraße (seit 1841), den evangelischen Friedhof an der Straße "Zur Lärche", zwei jüdische Friedhöfe (an der Jahnstraße und am Akazienweg), den heutigen Friedhof an der Grenzwaldstraße (seit 1918), einen konfessionslosen ehemaligen Friedhof am Akazienweg. Am 26. September biete ich ab 14.00 Uhr einen ausgedehnten Rundgang zu diesen Beerdigungsstätten an.

Der Bürgerverein hat zwei schmiedeeiserne Grabkreuze aus dem späten19. Jahrhundert restaurieren lassen und wird sie nun auch wieder aufstellen. Steckt mehr als eine nostalgische Verliebtheit dahinter?

Peters Unbedingt. Zunächst einmal handelt es sich um vorzügliche Beispiele heimischer Schmiedehandwerkskunst vor vier Generationen. Wichtiger aber ist, dass diese Kreuze daran erinnern, mit wie viel Ernst und Würde unsere Vorfahren ihrer Verstorbenen gedachten. Und natürlich weisen sie darauf hin, dass die Menschen nicht hoffnungs- und trostlos starben, sondern in einem festen Jenseitsglauben.

Wollen Sie damit andeuten, dass heutige Begräbnisbräuche weniger Würde haben als in vergangenen Zeiten ?

Peters Das steht mir natürlich nicht zu. In einer pluralistischen Gesellschaft entscheidet jeder für sich, auf welche Weise und ob er den Angehörigen nach seinem Tod präsent bleiben möchte. Die Beerdigungskultur hat sich elementar verändert, das mag man bedauern oder nicht. Persönlich sehe ich darin einen empfindlichen Verlust.

Würden Sie sich ein Urnengrab wünschen?

Peters Nein.

Zurück zu den Aktivitäten des Bürgervereins: Handelt es sich bei den beiden von ihm wieder errichteten Kreuzen um die ältesten Zeugnisse örtlicher Bestattungskultur?

Peters Es ist sehr zu beklagen, dass beim Abbruch der alten Clemens-Kirche vor 120 Jahren auch alle alten Steinkreuze beseitigt wurden, was beispielsweise in Leuth, Lobberich, Bracht und Born nicht geschah. Aber es gibt großartige Grabplatten im Bereich der evangelischen Kirche und des ehemaligen evangelischen Friedhofes, die bis ins 17. Jahrhundert reichen.

VON HEINZ-WILLI SCHMITZ

Quelle: RP
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