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Niederkrüchten
Die Heide wird zur Schafweide

Niederkrüchten: Die Heide wird zur Schafweide
Ökologe Sjraar van Beek (l.) und Biologe Peter Kolshorn verfolgen das Ziel, die Heide zu erhalten. FOTO: Burghardt
Niederkrüchten. Damit im Elmpter Wald die Heide wieder gedeihen kann, sollen Heidschnucken Sprösslinge anderer Gewächse wegknabbern. Bei dem Projekt arbeiten Biologische Station und von Landschapsbeheer De Wassum zusammen. Von Joachim Burghardt

Alles still, nur das Lachen eines Grünspechts ist kurz zu hören. Dann schwillt aus der Ferne ein Blöken an, vereinzelte Rufe, immer mehr, immer lauter, einzelne Schafe tauchen aus dem Gestrüpp auf, schließlich eine ganze Herde. "Prima, da sind sie ja", freut sich Biologe Peter Kolshorn. Die Schafe sind die Stars des Beweidungsprojekts Elmpter Wald der Biologischen Station Krickenbecker Seen: Sie sollen die riesige Fläche im ehemaligen Sandabbau von störendem Bewuchs freihalten, damit sich die ursprüngliche Pflanzenwelt wieder entfalten kann. Erste Erfolge sind schon nach wenigen Tagen zu sehen.

Hinter der Herde taucht der Herr der Schafe in seiner roten Jacke auf - Sjraar van Beek: "Wir haben hier rund 250 Tiere im Einsatz", erklärt der Ökologe, Chef von Landschapsbeheer De Wassum gleich hinter der Grenze. "Wir haben sechs angestellte Schäfer, mehrere Herden sind in der Region im Einsatz, um in Naturschutzgebieten den Bewuchs zu regulieren", sagt van Beek. Mit der Biologischen Station arbeite man schon lange zusammen. Kolshorn nickt, er ist bei der Biologischen Station für die Betreuung des Gebietes zuständig.

Der Elmpter Wald in Niederkrüchten liegt zwischen den Naturschutzgebieten Elmpter Schwalmbruch und Lüsekamp, zögerlich aufkeimende Heideflächen auf großen Brachen im still gelegten Sandabbau inmitten der Waldflächen drohen allmählich zu verbuschen. "Leider wachsen und wuchern hier auch Pflanzen wie die Goldrute, die nicht hierher gehören, so hätte die Heide keine Chance", hat Kolshorn festgestellt.

Die Heide jedoch ist nötig, so der Biologe, um einen offenen Korridor zu schaffen zwischen Schwalmbruch und Lüsekamp: "Wie möchten diese Naturschutzgebiete langfristig miteinander verbinden, der Elmpter Wald soll auch Naturschutzgebiet werden." Würden die Flächen überwuchert, wäre Wildtieren auch der Zugang zur Grünbrücke über die Autobahn 52 erschwert. Durch die einwöchige Beweidung drei Mal im Jahr im Bereich der Sandgruben könne die Heide wieder gedeihen.

Und genau da kommen die Schafe als vierbeinige wollene Landschaftspfleger ins Spiel, die unerwünschte Schösslinge anknabbern und essen. "Unsere Rasse nennt man auf Deutsch Heidschnucken", sagt van Beek. Allerdings sei der Name irreführend, denn die Schafe weideten ja nicht die Heide ab, sondern alles, was da dazwischen wachse. In seiner Herde sind alte und junge Tiere, die Lämmer noch weiß und schlank, die älteren Schafe mit dicker Wolle, einige haben braune Köpfe - van Beek: "Die nennen wir Füchse."

Der Ökologe und der Biologe untersuchen einige kleine Büsche: "Prima, die Schafe haben hier fast alle Blätter abgegrast, die Triebe wachsen so nicht weiter, wir ziehen mal ein Stückchen voran", zeigt sich van Beek zufrieden und ruft seinen Hütehund Sidney.

Der Hund rennt auf die Herde zu und umkreist sie, die rottet sich schnell zusammen, läuft erst zögerlich, dann zügig weiter den Hang hinab ins sandige Tal. Dabei schwillt wieder ein Blöken an, immer mehr, immer lauter: "Mäh!" Den Grund schildert van Beek: "Beim Weiterziehen rufen die Muttertiere ihre Lämmer zu sich, damit sie nicht verloren gern." Als die Schafe alle zusammen im Tal sind, wird alles still. Und wieder ist das Lachen des Grünspechts zu hören.

Quelle: RP
 
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