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Bernd Stelter
"Die Holländer sind viel cooler als wir"

Viersen. Am Donnerstag, 14. Dezember, 20 Uhr, tritt Bernd Stelter in der Werner-Jaeger-Halle in Lobberich auf. Mit der Rheinischen Post sprach er vorab über die Ehe, die Niederlande, Politik, das Campen und seine Pläne für das nächste Jahr

Herr Stelter, Sie werden als Karnevalist, Kabarettist, Comedian, Tänzer, Sänger, Entertainer, Moderator, Autor beschrieben. Was sagen Sie?

Stelter Also als Tänzer sicher nicht. Und auch nicht als Entertainer, denn ein Entertainer muss tanzen können. Ein Comedian ist für mich einer, der nichts anderes tut, als irgendwelchen Whatsapp-Mist vorzulesen, den er bekommen hat. Ich sehe mich selber als Kabarettist. Keiner, der tagespolitisch ist, sondern einer, der eine politische Haltung hat, der in seinen Programmen ein Statement abgibt. Ich bin ein hochpolitischer Mensch.

Sie haben Volkswirtschaftslehre studiert. Wie konnte es dazu kommen?

Stelter Ich wusste nicht, was ich studieren sollte. Erst war es der Bergbau, doch nach einem Praktikum merkte ich, dass die Flöze verdammt niedrig sind, wenn man 100 Kilogramm wiegt. Dann kam ich zur Bundeswehr, und ein Offizier meinte: Mensch, du musst Betriebswirtschaft studieren. Später stellte ich fest, dass man in Bonn nur Volkswirtschaft machen konnte. Sie sehen, ich hatte keine besondere Neigung. Anfangs lief es auch recht gut, aber gegen Ende des Studiums, ich war schon fest im Karneval verankert, stand ich vor der Entscheidung: entweder Studium oder Bühne. Ich stellte mir vor, wie ich mit 44 in einem gutklimatisierten Bankraum saß, und die Entscheidung war gefallen. Mein Vater hätte mich beinah erschossen. Als ich dann tatsächlich 44 war, saß ich in einer schlecht gelüfteten Garderobe und dachte: Ich habe so viel Glück gehabt. Ich habe so viele Chancen gehabt und sie genutzt. Dass ich heute bundesweit Säle fülle, ist ein Geschenk.

Ihr aktuelles Programm trägt den Titel "Wer heiratet, teilt sich die Sorge, die er vorher nicht hatte". Wie ist das Geheimnis der geglückten Ehe?

Stelter Ich habe Blacky Fuchsberger kennengelernt, der fasste das Geheimnis einer guten Ehe mit den vier Vs zusammen: Verstehen, Vertrauen, Verzeihen, Verzichten. Das kann ich voll und ganz unterzeichnen. Zwei Sätze weiter sagte Fuchsberger, dass man immer zusammen, nie getrennt sein müsse. Bei uns ist es das Gegenteil: Wenn ich auf Tournee bin, hat meine Frau auch mal Ruhe. Nach drei Tagen aber reicht mir das Handy als Kontakt nicht mehr, da will ich sie in den Arm nehmen. Wichtig ist es vor allem, aufeinander neugierig zu bleiben.

Sie waren von 1996 bis 2005 Teil der Show "7 Tage 7 Köpfe". Eine lange Zeit. Wie erinnern Sie die?

Stelter Das war großartig. Manchmal werde ich gefragt, ob ich es nicht wieder aufleben lassen möchte. Nein, diese Zeit kann man nicht wiederholen. Wir sind alle älter geworden. Wir haben die Nächte durchgearbeitet. Und Rudi Carrell ist tot - diese Sendung kann es nicht mehr geben. Ich bin dankbar, dass ich dabei war. Was ich mitgenommen habe, ist das perfekte Timing. Entweder sitzt eine Pointe, oder sie sitzt nicht. Dann kann man einpacken.

Rudi Carrell war Ihr Mentor. Was haben Sie von ihm gelernt?

Stelter Alles. Es gibt einen Satz von ihm, den ich mir zu Herzen genommen habe: "Wenn du den Leuten einen schönen Abend machen willst, bring sie zum Lachen, und wenn du ihnen einen tollen Abend machen willst, bring sie zum Lachen und zum Weinen!"

Sie sind - wie viele aus NRW - Fan der Niederlande. Was reizt Sie daran, und wie kam es zu Ihren Krimis - ist das Campen dort so gefährlich?

Stelter Die Holländer sind viel cooler als wir. Sie sind etwa überhaupt nicht auf Besitz fixiert, was man ja schon daran sieht, dass sie keinen Keller haben. Und nein, auf unserem Campingplatz ist noch niemand umgebracht worden. Aber auf jedem Tisch vor jedem Wohnwagen liegt ein Buch, und das ist zu 90 Prozent ein Krimi. Da musste ich doch einen Krimi schreiben. Ich schreibe nachmittags bei einer Tasse Kaffee, abends bei einem Glas Rotwein, und am anderen Morgen fahre ich auf dem Fiets herum und überprüfe, ob das, was ich geschrieben habe, auch so stimmt. Nach einer Flasche Rotwein kam mir eines Abends die Idee zu meinem ersten Krimi.

Wie sehen Ihre Pläne aus?

Stelter In Nettetal spiele ich das aktuelle Programm zum viertletzten Mal. Manchmal frage ich mich, ob ich so was Tolles noch mal hinkriege. 2018 mache ich ein Liederprogramm. Gemeinsam mit zwei tollen Musikern singe ich 30 Lieder, der Titel wird "Wer Lieder singt, braucht keinen Therapeuten" heißen. Für mich sind Lieder wie ein Tagebuch, ich schreibe mir was von der Seele. Dann habe ich ein Jahr Zeit für das nächste Kabarettprogramm, der Arbeitstitel steht schon: "Hurra, ab Montag ist wieder Wochenende." Mich regt es auf, wenn ich montags im Radio höre, wie gut es ist, dass bald wieder Wochenende ist. Dann denke ich: Hör doch auf, Radiomoderator zu sein, wenn Du schon montags ans Wochenende denkst.

SIGRID BLOMEN-RADERMACHER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
 
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