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Viersen
Die Kunst der Langzeitbelichtung lernen

Viersen. Sprayen, Drucken, Lichtbilder malen, begehbare Leinwände schaffen oder Profile mit Ton darstellen - bei Art Action Viersen war Kreativität gefragt. Das Angebot für Jugendliche ab zehn Jahren kam bestens an. Von Bianca Treffer

Im Fotostudio von Franz-Heinrich Busch gehen die Rollladen an den Fenstern langsam herunter und sperren das Tageslicht aus. Lediglich die Studiobeleuchtung taucht das komplett ausgeräumte Atelier noch ins Licht. "Wer möchte anfangen?", sagt Busch und blickt in die Runde der Zehn- bis 13-Jährigen. Die Jugendlichen nehmen an einem der Projekte von Art Action Viersen teil.

Hannah fasst sich ein Herz und greift zur Taschenlampe, die Busch in den Händen hält. Johannes übernimmt den Part an der Spiegelreflexkamera, und Gabriel geht an den Lichtschalter. Busch erinnert daran, dass sowohl die Bildstabilisierung wie auch der Autofokus ausgeschaltet sein müssen, nachdem die Kamera auf die Entfernung, in der Hannah vor ihr steht, eingestellt worden ist. Ein Nicken von Johannes. Dann kann es losgehen. Gabriel betätigt den Lichtschalter.

Völlige Dunkelheit umhüllt die vier Menschen im Studio. Mit dem Einsetzen der Dunkelheit hat Hannah die Taschenlampe eingeschaltet. Langsam lässt sie diese durch die Luft kreisen. "Du hast 30 Sekunden. Das ist unsere Belichtungszeit", sagt Busch in Richtung der Lichtquelle. Hannah hat ihre Bewegungen beendet. Kurze Zeit später verrät ein leises Klacken, dass die Kamera die Blende geschlossen hat. Ein Klick auf den Lichtschalter und drei Jugendliche drängen sich mit Busch um das Display der Kamera.

"Cool" lautet der einhellige Kommentar. Inmitten der Dunkelheit ist nämlich das Wort "Love" erschienen. Die Bewegungen der Zwölfjährigen ergaben die einzelnen Buchstaben, wobei die Lichtquelle durch die Langzeitbelichtung festgehalten wurde. Aber nicht nur die Drei experimentieren mit der Lichtmalerei. Im großen Badezimmer des Studios hantieren Johanna, Antonia, Lisa und eine weitere Hannah ebenfalls mit einer digitalen Spiegelreflexkamera. Sie malen den Spiegel und das Waschbecken mit einer Taschenlampe nach. Busch kommt mit einem Blitz dazu und erklärt, wie Porträtaufnahmen mit Mehrfachbelichtungen funktionieren. "Das ist einfach nur toll. Lichtmalen ist klasse", sagt Antonia voller Begeisterung. Aber es kommt noch besser. Die sieben Jugendlichen arbeiten auch mit Wunderkerzen, um so fantastische Bilder in der Dunkelheit entstehen zu lassen.

Auch die Realschule an der Josefskirche ist mit einer Aktion bei der "Art Action Viersen" dabei. Hier geht es besonders bunt zu. "Spray it Loud" ist hier mit dem Graffiti-Künstler Johannes Veit angesagt. Das leise Zischen der Sprühdosen wird von dem regelmäßigen Klackern unterbrochen, wenn die acht Jugendlichen die Dosen schütteln, um den Sprayvorgang fortsetzen zu können. "Wenn du näher ran gehst, wird es feiner und der Verlauf kantiger. Mit Abstand hingegen vernebelt man die Fläche mehr", sagt Veit, greift selber zur Dose und macht es vor. Einfach drauflos sprayen ist nicht angesagt. Die Jugendlichen lernen die verschiedenen Techniken kennen und entwickeln nach eigenen Vorlagen ein persönliches "Piece" auf einer ein Meter mal 70 Zentimeter großen Leinwand. Jonas hat sich für seinen Spitznamen in den unterschiedlichsten Grüntönen entschieden und schafft es, die drei Buchstaben wirklich plastisch wirken zu lassen. Theresa hingegen arbeitet mit weicheren Formen, und Tom hat seinen Namen zusammen mit Smileys auf einem knallorangen Untergrund verewigt. "Das kommt in mein Zimmer", ist er sich jetzt schon sicher.

Insgesamt acht Workshops waren es bei der nunmehr zweiten Auflage von "Art Action Viersen - Unterwegs in Viersener Ateliers", aus denen Jugendliche ab zehn Jahren ihren Kunstfavoriten wählen konnten. Wie bei der ersten Auflage hatte Nicola Nilles vom Kulturamt der Stadt Viersen die Künstler gefragt, wer Lust hätte, ein Angebot für Jugendliche zu unterbreiten, ob nun im eigenen Atelier oder im öffentlichen Raum. Sie stieß auf große Bereitschaft bei den Künstlern, die sich jede Menge einfallen ließen. Gefördert wurde das Projekt wieder vom Kultur Rucksack NRW.

Quelle: RP
 
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