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Niederkrüchten
Die "Lernbegleiterin" geht

Niederkrüchten: Die "Lernbegleiterin" geht
Geduldig und freundlich – so kennen Elmpter Grundschulkinder ihre Lehrerin Maria Blasel. Nach vierzig Jahren wird sie sich am kommenden Freitag verabschieden. FOTO: RPO
Niederkrüchten. Sie unterrichtet Kinder, deren Eltern sie schon das Einmaleins beibrachte. Seit 1971 arbeitet Maria Blasel an der Grundschule Elmpt. Sie ist Lieblingslehrerin vieler Schülergenerationen. Nun geht sie in Ruhestand. Von Jochen Smets

Maria Blasel nicht sympathisch zu finden, ist unmöglich. Sie strahlt eine ruhige, warme Freundlichkeit aus – daran haben über 40 Jahre in einem anspruchsvollen, bisweilen anstrengenden Beruf kein Jota geändert. Der Grund ihrer Beliebtheit? Die 63-Jährige lächelt. "Ich habe ein Motto: Was ich von anderen erwarte, das gebe ich selbst: Respekt, Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit." Sie ist nicht autoritär, nicht streng und nicht laut. Genauso wenig wie einen flüsternden Marktschreier kann man sich eine brüllende Frau Blasel vorstellen. "Ich glaube, ich war nicht streng genug", sagt sie, halb verschmitzt, halb zerknirscht. "Aber ich wollte die Kinder nicht mit Härte kaputtmachen. Das hat sich im Großen und Ganzen bezahlt gemacht." Was nicht heißt, dass es keine schweren Schultage gab. Und es gab auch schwierige Klassen, "da bin ich auf dem Zahnfleisch gegangen. Aber ich bin nie in die Schule gekommen mit dem Gefühl: Ich habe keine Lust."

Als die 23-jährige Maria Blasel nach der Referendarzeit in Aachen 1971 nach Elmpt kam, pflegten Schüler noch "Frau Lehrerin" oder "Fräulein" zu sagen. Das gehört zu den vielen Dingen, die sich geändert haben. Aber eins ist geblieben: "Kinder sind anhänglich, fröhlich, offen und wissbegierig." Maria Blasel gehört nicht zur Früher-war-alles-besser-Fraktion, im Gegenteil: "Der Unterricht ist heute kindgerechter, schöner. Die Lehrer sind nicht mehr Alleinunterhalter, sondern Lernbegleiter." Wer in den 70er Jahren die Elmpter Grundschule besucht hat, erinnert sich an weiße Wände, Sitzreihen und eine Tafel. Sonst nichts. Heute ist der Klassenraum bunter, fröhlicher, die Kinder lernen in Gruppen. Zu dieser Entwicklung hat Maria Blasel – nicht nur nette Lehrerin, sondern auch fortschrittliche Pädagogin – wesentlich beigetragen. Ende der 70er Jahre, als man sich in der Grundschul-Pädagogik verstärkt über individuelle Förderung Gedanken machte, führte sie eine Musterklasse ein. Um den unterschiedlichen Lerntypen und -tempos in einer Klasse gerecht zu werden, entwickelte sie unzählige verschiedene Übungsblätter, zugeschnitten auf den jeweiligen Lernbedarf. Sie sprach Einmaleins-Übungen in unterschiedlichen Schwierigkeits- und Schnelligkeitsgraden auf einen Kassettenrekorder. Im Klassenraum richtete sie eine Arbeitsecke, eine Leseecke und Spielecke ein. Ein Sofa und ein Teppich sorgten für ein bisschen Wohlfühl-Ambiente. Man kann sich vorstellen, dass das in einer ländlichen Gemeinde auf Skepsis stieß. Der Schulträger (Achtung Amtsschimmel!) bedeutete ihr, die Putzfrauen hätten keinen Saugauftrag für den Teppich. "Da habe ich selber gesaugt", schmunzelt sie.

Nun geht Maria Blasel in Ruhestand. Nach 40 Jahren an der Grundschule Elmpt. Am 28. Januar werden ihr Kinder und Kollegen einen großen Abschied bereiten. "Ich mag so etwas nicht besonders", sagt sie. "Aber ich kann mich nicht verdünnisieren. Ich bin ja lebendes Inventar hier."

Quelle: RP
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