| 21.36 Uhr

Kreis Viersen
Die Meister der Tarnung

Kreis Viersen: Die Meister der Tarnung
Beim Kiebitz - hier ein Nest - sind bereits die Eier gut getarnt, um sie vor Fressfeinden zu schützen. FOTO: Rasbak
Kreis Viersen. Tricksen, täuschen, verstecken - wie sich die Tiere unserer Region gegen ihre Feinde schützen Von Maike Holle

Nicht nur der Osterhase ist ein Meister des Versteckens. Auch viele seiner tierischen Kollegen schaffen es, sich in der Natur nahezu unsichtbar zu machen. So sind zum Beispiel Eisbären oder Schneehasen aufgrund ihres weißen Fells in der eingeschneiten Umgebung am Nordpol kaum sichtbar. Aber auch hier in der Region gibt es einige Tiere, deren Färbung oder besonderer Unterschlupf es ihnen ermöglicht, sich vor Feinden zu schützen.

Auch vor und nach Ostern sind Hasen gut darin, sich zu verstecken. Sie sind zwar während der Paarungszeit häufig tagsüber auf Feldern zu sehen, aber eigentlich sind sie dämmerungs- und nachtaktive Tiere. Am Tag ruhen sie in flachen Mulden, sogenannten Sassen. "Bei Gefahr drücken sie sich platt runter, so dass Feinde sie nicht mehr sehen können", erklärt Ansgar Reichmann, Leiter der Biologischen Station Krickenbecker Seen. Kein Wunder also, dass auch den Osterhasen niemand zu Gesicht bekommt.

Ihre Jungtiere legt die Häsin in mehreren Sassen an verschiedenen Stellen ab, so dass Fressfeinde nicht direkt alle Junge auf einmal erwischen. In den ersten Wochen haben sie außerdem keinen Eigengeruch. So können Feinde, wie zum Beispiel Füchse, sie nicht erschnüffeln, sagt Reichmann.

Auch die Larven des Buchsbaumzünslers sind Meister des Versteckens und gerade das hat manch einen schon zum Verzweifeln gebracht, wenn er seine Pflanzen nach den hartnäckigen Raupen durchsucht. "Die Blätter des Buchsbaumes sind auf der Oberseite etwas dunkler als von unten. Diese beiden Grüntöne spiegeln sich auch in der Färbung des Zünslers wider", erzählt Reichmann. Die angefressenen Blätter sterben ab und verfärben sich gelb. Auch diese Farbe findet sich in der Raupe wieder. Hinzu kommt, dass der Zünsler im Inneren des Busches mit dem Fressen beginnt und dort kaum zu sehen ist.

Solange der Rote Ordensband, ein Nachtfalter, im Ruhezustand auf einem Baumstamm sitzt, verschmilzt die grau-braune Farbe seiner Flügel optisch mit der Rinde und er ist kaum zu sehen. Viele Tiere nutzen eine braune Tarnung, da diese Farbe oft in der Natur vorkommt. Spannt der Falter aber seine Flügel auf, kommt eine leuchtend rote Farbe zum Vorschein. Dadurch ist er im Ruhezustand nicht nur perfekt getarnt, sondern die rote Warnfarbe schockt auch seine Feinde, wodurch er Zeit gewinnt, um zu fliehen.

Während sich manche Tiere tarnen, machen andere genau Gegenteiliges: Sie wollen möglichst auffällig sein. So zum Beispiel auch die Wespe. Durch ihre schwarz-gelbe Warnfärbung signalisiert sie Gefahr. Dies machen sich andere Tiere zu Nutze. So zum Beispiel die Schwebfliege. Man könnte sagen, sie versteckt sich hinter dem Aussehen einer Wespe, denn die beiden Insekten sehen sich zum Verwechseln ähnlich.

Während die völlig harmlose Schwebfliege schutzlos ihren Feinden ausgeliefert ist, können sich Wespen durch ihren giftigen Stachel verteidigen. "Die Schwebfliegen haben sich der Wespe angepasst, sie sind aber vollkommen ungefährlich. Diese Nachahmung nennt man Mimikry", erklärt Reichmann. Durch diese Ähnlichkeit täuscht die Schwebfliege Fressfeinden vor, gefährlich zu sein, um sich zu schützen.

"Viele Tiere sind in einem Zwiespalt: Einerseits wollen sie auf sich aufmerksam machen, um ihr Revier abzugrenzen und Partner anzulocken. Andererseits wollen sie von Feinden unerkannt bleiben. Das ist immer eine Gratwanderung", erläutert Reichmann. So ergeht es auch den beiden Vogelarten Nachtigall und Grasmücke. Gelegentlich hört man ihren Gesang, mit dem sie potenzielle Partner anlocken wollen. Doch zu Gesicht bekommt man sie nur selten. Beide Vogelarten haben ein grau-braunes Gefieder, durch das sie in der Natur gut getarnt sind. Außerdem sitzen sie meist im Inneren eines dichten Gebüschs, wodurch sie gut versteckt sind.

Bei der Stockente ist es wie bei vielen Vögeln so, dass die Weibchen anders aussehen als die Männchen. Während die Männchen mit ihrem grünen Kopf recht auffällig sind, ist das braune Gefieder der Weibchen eher unscheinbar. So ist das Weibchen, während sie beim Brüten flach auf ihrem Nest sitzt, gut getarnt.

Um den Nachwuchs zu schützen, sind bei einigen Vogelarten, wie dem Kiebitz, bereits die Eier gut getarnt. Kiebitze legen ihre dunkelbraun gesprenkelten Eier in eine Mulde auf dem Boden. Dort können sie von Fressfeinden leicht entdeckt werden. Ihre unauffällige Färbung soll sie vor Gefahren schützen.

Im Gegensatz dazu sind die Eier der Eulen weiß und damit eigentlich nicht gut getarnt. "Eulen legen ihre Eier in Höhlen. Dort sind sie vor Feinden so gut geschützt, dass sie keine Tarnfarbe brauchen. Sie können es sich also leisten, diese weiße Färbung haben", berichtet Reichmann. Ähnlich ist es bei der Elster. Ihre Nester besitzen eine Art Dach, das die Eier vor Feinden schützt.

"Eigentlich sind fast alle Fische gut getarnt", sagte Reichmann. Sie sind von unten hell und von oben dunkel gefärbt. Wenn ein anderer Fisch von unten hoch schaut, sieht er einen hellen Bauch vor hellem Hintergrund, also dem Licht, das von oben kommt. Wenn allerdings von oben ein Feind, zum Beispiel ein Vogel, ins Wasser hinunter schaut, sieht er einen dunklen Rücken vor dunklem Hintergrund, also dem düsteren Gewässerboden. So ist der Fisch sowohl von oben als auch von unten nur schwer erkennbar.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kreis Viersen: Die Meister der Tarnung


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.