| 17.15 Uhr

Viersen
Die Schäuble-Show im Bürgerhaus

Viersen. Knapp eine Woche vor der Landtagswahl machte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble einen Abstecher nach Dülken Von Emily Senf

Atina Koraka strahlt über das ganze Gesicht. Ihr ist ein Selfie mit einer Bekanntheit gelungen. Wolfgang Schäuble ist kein Popstar, kein Filmsternchen, aber die 37-jährige Dülkenerin ist überglücklich, den Bundesfinanzminister persönlich getroffen zu haben. "Er ist sehr höflich", sagt sie nach der Begegnung. Eigentlich hatte sie ihm eine Frage zu Griechenland, ihrer Heimat, stellen wollen oder was er von Ministerpräsident Alexis Tsipras hält. "Ich habe mich dann aber doch nicht getraut", sagt Koraka. Dann war der Moment vorbei und Schäuble schon auf dem Weg zum nächsten Termin.

Der 74-jährige Christdemokrat ist gestern am späten Nachmittag ins Bürgerhaus Dülken gekommen, um die CDU-Anhänger auf die NRW-Landtagswahl in knapp einer Woche einzustimmen. Es gibt Brezeln und Kekse, Äpfel und Gummibärchen und Chips, auf deren Tüten die Worte "Tschüss Rot-Grün" aufgedruckt war. Schäuble gibt sich siegessicher. Die Stimmung in dem Saal in Dülken sei gut, nach der Wahl werde sie noch besser sein, sagt er vor den fast 300 Besuchern. Als er angekommen war, hatten sich die Menschen klatschend erhoben. Eine Blaskapelle spielte Musik. Schäuble feuerte die Besucher mit Handzeichen an, freute sich über den Applaus - die Schäuble-Show im Bürgerhaus.

Der Bundesfinanzminister genießt Sympathien. "Das ist ein Mann, zu dem man hochschauen kann", meint Bernd Michulitz (68). "Es müsste mehr Politiker wie ihn geben", sagt seine Lebensgefährtin Ulrike Linden (62). Die Dülkener stehen im Saal in der letzten Reihe und wollen einfach mal gucken, was Schäuble zu sagen hat. "Auch, wenn ich ihn nicht wählen werde", sagt Linden.

Sicherheitskräfte in schwarzen Anzügen sind an den Eingängen und an einigen Fenstern postiert. Rechts und links neben Schäuble sitzen die CDU-Landtagsabgeordneten Marcus Optendrenk und Stefan Berger, daneben der Bundestagsabgeordnete Uwe Schummer. Als Optendrenks Mikrofon nicht angeht, reicht Schäuble ihm seins. Am Tag zuvor hat er noch in Südafrika gesprochen. Optendrenk dankt ihm für sein Kommen, der Finanzminister winkt ab.

Eine Dreiviertelstunde spricht Schäuble von der CDU, Deutschland und Europa. Immer wieder betont er die Wichtigkeit der Europäischen Union. "Wir leben nicht auf einer Insel der Glückseligen" und "Nur ein starkes Europa kann die Probleme in der Welt bewältigen, wir alleine können's nicht", sagt er. Auch die Asylbewerber spricht er an: "Wenn sie mit uns leben wollen, helfen wir ihnen auch." Applaus brandet auf. Die Frage aus dem Publikum, wie der Zustrom nach "Merkels fatalem Fehler vor zwei Jahren" finanziell noch zu stemmen sei, lässt ihn nach Worten suchen. Er wolle das nicht unwidersprochen lassen, sagt er. "Was hätte sie denn machen sollen?" Aber er beruhigt auch: Im Haushalt seien genügend Reserven vorhanden.

Optendrenk, finanzpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, ist "stolz und froh" über den Besuch. "Das gibt Motivation für die Wahl." Nach anderthalb Stunden ist die Show vorbei. Schäuble verlässt den Saal. Er wird an diesem Abend noch im Bergischen erwartet.

Quelle: RP
 
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