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Kreis Viersen
Die Stromautobahn kommt — heute informiert Amprion

Kreis Viersen: Die Stromautobahn kommt — heute informiert Amprion
Viersens östliche Stadtteile - von Hagen über Hamm bis Helenabrunn - gehören zum "Untersuchungsraum" für die Stromautobahn. Rot gekennzeichnet sind die Bereiche, in denen das Erdkabel nicht verlegt werden kann. FOTO: Amprion
Kreis Viersen. Dass die Erdkabeltrasse auch über Viersener Gebiet führt, ist unwahrscheinlich, aber dennoch möglich Von Martin Röse und Willi Schöfer

Windenergie statt Kernkraft - so soll Deutschland auch nach dem Abschalten der letzten Atomkraftwerke im Jahr 2025 keine Probleme mit der Stromversorgung bekommen. Damit der Strom von der Nordsee in den Rest der Republik kommt, werden vier Stromautobahnen gebaut - Hochspannungsleitungen, die Gleichstrom transportieren.

Die westlichste Stromautobahn soll rund 300 Kilometer weit von Emden nach Philippsburg in Baden-Württemberg führen, sie soll über diese Strecke 2000 Megawatt elektrische Leistung transportieren. Im Rhein-Kreis Neuss soll ein Konverter aus dem Gleichstrom Wechselstrom für NRW machen. Ein Standort für den Konverter steht derzeit noch nicht fest. Auch der genaue Trassenverlauf der Stromautobahn wird noch gesucht. Lediglich ein ein Kilometer breiter "Korridor" für die Erdkabelverbindung wurde bisher ermittelt. Er führt über Willich, Tönisvorst und Kempen.

Viersener Stadtgebiet ist nicht betroffen, könnte es aber werden. Sollte das weitere Verfahren ergeben, dass sich die Trasse nicht innerhalb des gewählten Korridors verlegen lässt, könnte auch die Kreisstadt in den Fokus rücken. "Zum jetzigen Zeitpunkt schließen wir das aber aus", erklärte Amprion-Sprecher Jonas Knoop. Hintergrund: Die Viersener Stadtteile Hagen, Sittard, Hamm, Ummer, Helenabrunn sowie Teile Unterbeberichs gehören zum sogenannten "Untersuchungsraum" für die geplante Stromautobahn.

Amprion hat diese Gebiete als weniger geeignet eingestuft und einen weiter östlich gelegenen Korridor vorgeschlagen. Aber das Unternehmen trifft nicht die Entscheidung über den Trassenverlauf. Das tut die Bundesnetzagentur - nachdem im Rahmen der Planfeststellung sich Betroffene beteiligen können. Möglich ist, dass sich der Trassenverlauf während des Verfahrens noch einmal ändert.

Amprion informiert über die geplante Stromautobahn im gesamten Untersuchungsraum, am heutigen Mittwoch ab 13 Uhr ist Viersen dran. Das Unternehmen baut einen Stand in der Fußgängerzone auf, Hauptstraße 87-89. Am Montagabend war Amprion im Kolpinghaus zu Gast. Neugierige waren auch aus den Nachbarorten gekommen. Sicherlich dürften darunter auch Flächeneigentümer gewesen sein, die womöglich später einmal für diesen Zweck Land abgeben werden. Wie viel Euro dann dafür an die bisherigen Eigentümer gezahlt wird, steht noch nicht fest.

Einen Einwand hatte bereits Kreislandwirt Paul-Christian Küskens: "Eine einmalige Entschädigung lehnen wir ab, dies sind nur Peanuts, wir fordern eine jährlich wiederkehrende Entschädigung, solange dort durch die neuen Erdkabel der Strom geführt wird". Sowohl Küskens als auch der Geschäftsführer der Kreisbauernschaft, Sebastian Gores, bemängelten, dass dies alles viel zu vage sei und dass man in Anbetracht der vielen Varianten noch gar nicht wisse, welche Eigentümer davon betroffen sein könnten. Küskens: "Man macht doch jetzt nur unnötig die Leute verrückt." Amprion verweist hingegen auf ein transparentes Verfahren, das mögliche Betroffene zu einem frühestmöglichen Zeitpunkt mit ins Boot holt.

Der Kreislandwirt kam ferner auf einen eingeplanten 24 Meter breiten Schutzstreifen zu sprechen und sagte: "Was heißt das denn genau? Darf nicht gebaut oder gepflanzt werden? Betrifft dies Apfelbäume, Weihnachtsbaum-Kulturen oder auch das Bepflanzen von Erdbeeren unter einer Folie?" Küskens sprach ferner die mögliche Verdichtung und die Wärme an, die dann über den Kabelsträngen entstünde und fragte provokativ: "Kann man dann darauf nur Spargel pflanzen, weil dieser warme Böden braucht?"

Infostand Heute ist Amprion in der Viersener Fußgängerzone, Hauptstraße 87-89, vor Ort. Los geht's um 13 Uhr.

Quelle: RP
 
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