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Schwalmtal
Die Suche nach den Farben von St. Anton

Schwalmtal: Die Suche nach den Farben von St. Anton
So sieht die Amerner Kirche St. Anton derzeit aus. Als nächste Arbeit folgt der Austausch des Bodens. Die dunklen Steinplatten werden entnommen, sie sollen für Reparaturarbeiten in anderen Kirchen beiseite gelegt werden. FOTO: F.-H. Busch
Schwalmtal. Der vordere Bereich der Amerner Kirche St. Anton ist über 500 Jahre alt. Bevor sie bald Grabeskirche wird, hat sich gestern eine Restauratorin des LVR-Amts für Denkmalpflege auf die Suche nach Farbspuren gemacht Von Heike Ahlen

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würde Sigrun Heinen vom LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland mit dem scharfen Skalpell nur an den Pfeilern im Innenraum der Kirche St. Anton herumkratzen oder versuchen, die Pfeiler anzubohren. Doch nach nur wenigen Minuten hat sie mehrere Farbschichten zutage gefördert.

Der Grauton, auf den in einer Eierschal-Farbe Fugen aufgemalt sind, um es so aussehen zu lassen, als seien die Pfeiler der Kirche aus mächtigen Steinblöcken erbaut, ist Ende der 1980er-Jahre bei der letzten Renovierung aufgetragen worden. Darunter liegen Weiß, eine Farbe zwischen Oliv und Braun, die man heute vielleicht am ehesten als "Schlamm" bezeichnen würde, und Rot. Insgesamt, so überschlägt die Diplom-Restauratorin, hat sie in wenigen Minuten mindestens sieben Farbschichten gefunden, wahrscheinlich sogar zehn. So genau kann man das nicht sagen.

An verschiedenen Stellen in der Kirche öffnet sie so die Farbschichten. An einem Kapitell findet sie bei genauem Hinsehen sogar silbrigen Glanz. "Das muss aus dem Ende des 19. Jahrhunderts stammen - genau wie die grün-braune Farbe am Pfeiler", sagt sie. In dieser Zeit habe man sehr ausschmückend gearbeitet, alles andere als schlicht.

Restauratorin Sigrun Heinen zeigt Hans-Georg Rohbeck vom Kirchenvorstand, wie viele Farbschichten an den Pfeilern übereinanderliegen. FOTO: Ahlen

Heinens Aufgabe ist es, die verschiedenen Anstriche im Inneren von St. Anton zu dokumentieren. Wenn das noch möglich ist, soll sie über die Farbkonzepte der Kirche im Wandel der Jahrhunderte berichten können. "Man muss schauen, ob da ein Konzept bei ist, dass man schlüssig auf alle Oberflächen übertragen kann", sagt sie - aber schon nach den ersten untersuchten Stellen kommen ihr Zweifel, ob das möglich sein wird. Die vielen Schichten an den Pfeilern im vorderen Kirchenbereich sprechen dafür, dass man wirklich bis ins Baujahr 1491 zurückschauen kann. An den Kapitellen sieht es schon ganz anders aus: Ein weißer, eher grobkörniger Kalkputz mit wenigen Schichten deutet darauf hin, dass der Bereich deutlich später noch einmal mit neuem Putz überzogen wurde.

Ältere Amerner können sich noch erinnern, dass die Kirche bis Ende der 1980er-Jahre sehr hell weiß war. Heinz Dömges vom Kirchenvorstand hat auch noch ein Detail parat: Die Wandschilde, die wie zugemauerte Fensterhöhlen aussehen, seien früher mit Gemälden verziert gewesen, erinnert er sich.

Heinen legt mit geübter Hand an verschiedenen Stellen die ältere Farbe frei. Sie findet Violett und Schwarz. Das spreche dafür, dass es hier einmal etwas gegeben habe - ob das ein Gemälde oder doch eher einzelne Ornamente gewesen seien, ließe sich in einem so schnellen Verfahren nicht herausfinden. Allerdings sei, was immer da war, mit Tiefengrund behandelt worden und nicht ohne weiteres freizulegen. Das ist auch nicht geplant. Um es aber weiter zu erhalten, wird Heinen in ihrem Bericht anmerken, dass die wenigen oberflächlichen Risse im Putz in diesem Bereich nicht handwerklich durch Abklopfen, sondern eher durch ein darübergelegtes Gewebe zu beseitigen seien.

Der Architekt hat bereits ein Farbkonzept für die Grabeskirche erstellt. Ob es zum Tragen kommt, ist noch offen. "Es sind beide Ansätze denkbar", sagt Guido Pohl vom Bistum Aachen. "Das Wiederaufnehmen eines alten Farbkonzepts oder eine völlig neue Farbgebung im Stil der Gegenwart." Das hänge davon ab, ob sich durchgängig ein historisches Konzept nachweisen lasse, das man aufleben lassen könne. Als nächste Arbeit steht in der Kirche der Austausch des Bodens an. Die dunklen Steinplatten werden vorsichtig entnommen. Sie können in anderen Schwalmtaler Kirchen bei Reparaturen eingesetzt werden.

Quelle: RP
 
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