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Viersen
Die Sucht nach dem Glück im Spiel

Viersen: Die Sucht nach dem Glück im Spiel
Das Internet hat den Einstieg ins Glücksspiel erleichtert. Immer mehr Jugendliche spielen um Geld. FOTO: ostermann
Viersen. Das Internet hat das Glücksspiel leichter zugänglich gemacht. Schon Jugendliche geraten in Spiele um Geld. Die Suchtberatung informierte am Berufskolleg Dülken über die Gefahren Von Manfred Baum

Die Zahlen regen zum Nachdenken an: Knapp 600.000 Menschen in Deutschland sind abhängig vom Glücksspiel - und auch etwa jeder zehnte Jugendliche zwischen 14 bis 18 Jahren spielt mehrfach im Monat um einen finanziellen Einsatz. Die Folgen können verheerend sein: "Die Spielsüchtigen verlieren nicht nur Geld, sondern auch ihre Selbstkontrolle", sagte Anne Geerlings. Zum bundesweiten Aktionstag zur Glücksspielsucht legte die Sozialpädagogin von der Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe im Berufskolleg in Dülken jene Zahlen vor und warnte die Schüler in den Pausen an einem Informationsstand vor den Gefahren.

"Vielfach ist den jungen Menschen kaum bewusst, dass diese Glücksspiele auch ein erhebliches Suchtpotenzial in sich bergen", sagte Geerlings. In den vergangenen Jahren sei der Einstieg in das Glücksspiel leichter geworden, die Betroffenen würden immer jünger. Der Grund: "Durch das Internet beginnt die Sucht immer früher", erklärte Geerlings. Spielhallen, virtuelle Casinos, Pokerspiele oder Sportwetten würden boomen. Hinzu komme, dass die Online-Spielsucht "nur ganz schwer zu kontrollieren ist", so Geerlings. Glücksspiele können demnach spannende und auch entspannte Unterhaltungsmöglichkeiten sein, aber viele würden dem Spiel um Geld verfallen und abhängig werden. "Hinzu kommt, dass nicht nur die Spieler selbst betroffen sind, sondern auch Partner, Kinder und Freunde", erklärte die Sozialpädagogin. Fakt sei ebenso, dass eine Glücksspielsucht die Betroffenen und ihr Umfeld genauso schädigt wie etwa eine Drogen- oder Alkoholsucht.

Folgen seien häufig Vereinsamung, Depression, Scham und Geldnot. Da aus eigener Kraft wieder herauszukommen, sei schwer, sagt die Expertin, denn die Betroffenen würden eben immer wieder versuchen, ihr verlorenes Geld zurückzugewinnen. Dadurch führe die "suchthafte Suche nach dem vermeintlichen Glück im Spiel ins Unglück".

Am Stand der Suchtberatung erfuhren die Berufsschüler zudem, dass Jugendliche und junge Erwachsene wie sie für die Glücksspielbranche eine besonders interessante und sehr umworbene Zielgruppe darstellen. Sozialpädagogin Yella Lennartz vom Bereich Prävention bei der Suchtberatung erläuterte: "Viele verdienen gerade ihr erstes eigenes Geld und beginnen sich für öffentliche und private Spiele mit Geldeinsätzen zu interessieren. Für einige ist das der Beginn einer oft jahrzehntelangen Karriere als pathologische Glücksspieler." Denn sie locke nicht nur der Gewinn, sondern auch die Anerkennung in Form von Punkten und Belohnungen am Spielautomat, beim Online-Poker oder bei den Sportwetten. Werbung dazu gibt es überall, etwa täglich bei der Übertragung von Fußballspielen auf dem Bezahlsender Sky.

Das Suchtpotenzial werde zudem noch erhöht, wenn beispielsweise Jackpots winken, der Spieler schnelle Gewinn-und Verlustentscheidungen treffen muss oder das Gefühl hat, er könne den Spielverlauf steuern, indem er am Geldspielautomaten die Tasten drückt, oder beim Pokern blufft", sagte Lennartz. Wenn mit Punkten oder Chips gespielt werde, merke der Spieler oft erst später, wie viel Geld er gerade tatsächlich verloren hat.

Es sei aber möglich, präventiv zu arbeiten oder auch einen Ausweg zu finden, sagte Geerlings. "Die Jugendlichen sollen wissen, dass es uns gibt - auch für den Fall, dass Angehörige spielsüchtig sind." In der Suchtberatung in Dülken sowie den Außenstellen in Willich, Nettetal und Kempen können sie sich kostenlos und anonym informieren und das eigene Glücksspielverhalten diagnostisch abklären lassen. Lennartz: "Wir bieten auch eine professionelle Begleitung zum Ausstieg aus der Sucht an."

Quelle: RP
 
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