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Viersen
Dohlennest führt fast zur Katastrophe

Fotos: Familie wird mit Rettungshubschraubern ins Krankenhaus gebracht
Fotos: Familie wird mit Rettungshubschraubern ins Krankenhaus gebracht FOTO: Günter Jungmann
Viersen. Bewohner eines Hauses in Oedt wären beinahe durch eine Kohlenmonoxid-Vergiftung ums Leben gekommen. Sie konnten am Samstag in letzter Minute gerettet werden. Schuld war ein Vogelnest im Kamin des Eigenheims Von Andreas Reiners

Glück im Unglück hatten die Bewohner eines Hauses an der Drosselstraße in Oedt. Sie wären fast an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung ums Leben gekommen, wenn nicht die zwölfjährige Tochter der Familie am Samstag gegen 9.40 Uhr ihre Angehörigen bewusstlos in der Wohnung des Einfamilienhauses in dem ruhigen Wohngebiet im Südosten von Oedt entdeckt und den Rettungsdienst alarmiert hätte. Die Kreisleistelle in Viersen koordinierte darauf hin einen Spezialeinsatz, der allen fünf Familienmitgliedern das Leben rettete. Sie wurden mit mehreren Hubschraubern ins Universitätsklinikum Aachen geflogen und waren am Samstagabend außer Lebengefahr. Gestern konnte sie nach einer speziellen Sauerstoffbehandlung in einer Druckkammer des Klinikums wieder auf eine Normalstation verlegt werden.

Nach Angaben der Polizei hatten die Hausbewohner bereits am Freitagabend über Unwohlsein und Kopfschmerzen geklagt, waren aber ohne Bedenken zu Bett gegangen. Auch ein Sohn der Familie, der Samstagmorgen noch zum Unterricht in einer Krefelder Schule fuhr, hatte zunächst nicht bemerkt, dass sich im Haus hoch giftes Kohlenmonoxid aus der Gasheizung ausgebreitet hatte. Nach Informationen der Rheinischen Post klagte der Junge erst während des Unterrichts über Übelkeit und Kopfschmerzen, wurde daraufhin mit dem Rettungswagen ins Helios-Klinikum Krefeld gebracht und von dort ebenfalls mit einem Rettungshubschrauber nach Aachen geflogen.

Ihren 31 Jahre alten Vater und die 72-jährige Großmutter fand die Zwölfjährige bewusstlos in der Wohnung auf, während sie selbst über starke Schmerzen und Schwindelgefühle klagte. Eine 41-jährige Mitbewohnerin erlitt nur leichte Verletzungen durch die giftigen Gase.

Rettungskräfte der Feuerwehr fanden durch Messungen schnell heraus, dass im Haus eine sehr hohe Konzentration von Kohlenmonoxid herrschte. Mehrere Notärzte aus Kempen und Viersen kümmerten sich um die Verletzten. Als fest stand, weshalb sie bewusstlos geworden waren, erhielten die Verletzten entsprechende Medikamente und wurden für den Transport ins Uniklinikum Aachen vorbereitet. Die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule verfügt über eine so genannte Druckkammer, in der Vergiftete einer speziellen Sauerstofftherapie unterzogen werden können. Eine solche Druckkammer gibt es auch in der Universitätsklinik in Düsseldorf. Während Feuerwehrleute die Bewohner unter Atemschutz aus dem Wohnhaus holten, kümmerten sich Notärzte und Sanitäter um die Verletzten.

Die Ursache für die Beinahe-Katastrophe war bald gefunden. Der Rauchabzug des Heizungskamins war verstopft. Ein Schornsteinfeger, der alarmiert worden war, fand im Laufe des Samstags ein Vogelnest in dem gemauerten Schornstein. Das hatte ein Dohlenpaar wohl in den vergangenen Wochen mit Astwerk gebaut und damit den Rauchabzug lahm gelegt. Seit Jahren warnen Schornsteinfeger immer wieder vor solchen Situationen. Denn Dohlen legen ihre Eier gerne in warmen Höhlen ab. Nicht selten suchen sie sich Kamine als Nistplatz aus. Die sollten deshalb mit speziellen Gittern gesichert werden, raten Schornsteinfeger. Die Nester sind von außen nicht zu erkennen, da die Dohlen sich häufig mehrere Meter tief im Kamin einnisten. Dohlen, die laut Naturschutzbund in Deutschland zu den bedrohten Vogelarten zählen, brüten zumeist in den Monaten März und April. An dem Kamin des Wohnhauses an der Drosselstraße fehlte ein Schutzgitter.

Quelle: RP
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