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Niederkrüchten
Dorfbewohner fürchten um die Zukunft

Niederkrüchten: Dorfbewohner fürchten um die Zukunft
Kalle Wassong und Illustrator Christoph Illigens sammeln Ideen. FOTO: jos
Niederkrüchten. Rund 80 Einwohner aus Heyen und Laar kamen zum Dorfgespräch mit Bürgermeister Wassong Von Jochen Smets

Zehn Jahre lang hat der Mann in Brempt gelebt. Nicht, dass man sich da nicht wohlgefühlt hätte. Aber die Heimat, die lag ein paar hundert Meter weiter nordwestlich. In Heyen. Dort gab es aber damals kein Baugrundstück für die frisch gebackene Familie. Nach den Jahren im Brempter "Exil" wurde dann die Baulücke frei, und die Familie kehrte zurück.

Heyen und Laar sind selbst für Niederkrüchtener Verhältnisse kleine Dörfer. Jeweils gut 200 Menschen leben in beiden Orten. Und sie leben gerne dort. Wegen der Ruhe. Wegen der Natur. Und wegen des ausgeprägten Miteinanders. "So etwas gibt es nur auf dem Dorf", sagt eine Laarerin. Die Schützenbruderschaften, die auch über die Ortsgrenzen hinaus für ihren Zusammenhalt bekannt sind, bilden den Kitt, der alles zusammenhält.

Rund 80 Bewohner der beiden Orte sind der Einladung von Bürgermeister Kalle Wassong (parteilos) zum "Dorfgespräch" in den Mühlrather Hof gefolgt. Mit dieser Veranstaltungsreihe geht Wassong in die kleinen Orte, um mit den Einheimischen Ideen zu entwickeln, wie sich die Dörfer weiterentwickeln können, was die Menschen jenseits von materiellen Dingen an ihre Kinder und Enkel weitergeben möchten.

Die Diskussion verläuft diesmal anders als die meisten Dorfgespräche, die Wassong schon in anderen Orten geführt hat. Die Heyener und Laarer halten sich nicht lange damit auf, einander vorzuschwärmen, wie schön ihre Heimat ist. Nicht wenige sehen ihr Dorf in Gefahr. "Vieles bricht weg. Wir gehen schweren Zeiten entgegen", sagt ein alteingesessener Laarer. Die Metzgerei, die Dorfkneipe und manch anderen Treff- und Ankerpunkt gibt es nicht mehr. "Viele junge Leute werden uns verloren gehen", sagt der Mann.

Viele kleine Ideen erwachsen aus dem intensiven Gespräch. Einer schlägt eine gemeinsame Martinsfeier vor, ein anderer ein dörfliches Weihnachtsfest. Wieder andere denken größer: Nachdrücklich fordern mehrere Redner Entwicklungsmöglichkeiten für Heyen und Laar. "Viele junge Leute wollen bauen, können es aber nicht, weil es kein Bauland gibt", mahnt der Mann, den es aus dem gleichen Grund zwischenzeitlich nach Brempt verschlagen hatte.

Das Thema Wohnen steht auf der Agenda, sagt Wassong. Er verweist auf den Niederkrüchten Kompass 2035, über den der Rat noch vor Weihnachten entscheidet und der Leitplanken für die Entwicklung der Gemeinde in den nächsten 18 Jahren setzen soll. Größere Baugebiete in Dorflagen werde die Landesplanung nicht genehmigen, erklärt Wassong. Aber er sieht angesichts vieler Leerstände und Baulücken Entwicklungspotenzial.

Ein weiteres großes Thema in der Diskussion ist ein Versammlungsraum, den beide Dörfer gemeinsam nutzen könnten. Das wäre ein neuer Ankerpunkt. Einer bringt dafür das seit einiger Zeit leer stehende "Landhaus" an der Heyener Kreuzung ins Gespräch.

Quelle: RP
 
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