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Viersen
Drei Menschen aus Tiefgarage gerettet

Viersen: Drei Menschen aus Tiefgarage gerettet
Feuerwehrübung: In der Tiefgarage am Rathausmarkt ist ein Pkw in Brand geraten, die Brandmeldeanlage hat ausgelöst. Drei Menschen werden vermisst. Später tritt bei einem Feuerwehrmann noch ein Atemschutz-Notfall auf. FOTO: Ahlen
Viersen. Die Löschgruppen der Feuerwehr Viersen stellen bei einer Großübung am Rathausmarkt ihr Können unter Beweis. Von Heike Ahlen

Ein Tiefgaragenbrand kann sich zu einem schrecklichen Szenario entwickeln. Dunkel, eng, mit Einsturzgefahr verbunden - es wird schwer für Feuerwehrleute, sich zu orientieren und in dem völlig verrauchten Raum den Brandherd zu finden.

Die Einheiten der Viersener Feuerwehr trainieren jede Woche den Ernstfall. Einmal im Jahr kommen alle Löschgruppen zusammen, um gemeinsam eine große Schadenslage anzugehen. Am Wochenende war es wieder so weit: In der Tiefgarage am Rathausmarkt ist ein Pkw in Brand geraten, die Brandmeldeanlage hat ausgelöst. Drei Menschen werden vermisst. Später tritt bei einem Feuerwehrmann noch ein Atemschutz-Notfall auf. Dieses Szenario haben sich Michael Nöllner und das Team vom Ausbildungsbüro der Viersener Feuerwehr für diesen Tag ausgedacht.

Als erste treffen die Berufs-Feuerwehrleute von der Viersener Hauptwache ein. Einsatzleiter ist Rainer Höckels. Der erste Trupp rüstet sich aus, um den Brandherd ausfindig zu machen. Wenn es in der Tiefgarage brennt, dann schließen sich automatisch Tore, die verschiedene Abschnitte voneinander trennen. So wird die Ausbreitung des Feuers begrenzt. Neben den geschlossenen Toren befinden sich Fluchttüren, damit Menschen, die bei Ausbruch des Feuers im betroffenen Abschnitt sind, zu Fuß herauskönnen. Die grün leuchtenden Notausgang-Schilder sind batteriebetrieben beleuchtet, damit sie nicht ausgehen, wenn der Strom ausfällt. Einige Meter weit kann man sie auch tatsächlich im völlig verqualmten Dunkel noch erkennen.

Weitere Löschzüge und -gruppen rücken an. Die Begutachtung der Pläne hat gezeigt, dass es neben der Rampe an der Goetersstraße zwei weitere Eingänge gibt, die über Treppen Zugang in den betroffenen Abschnitt haben. Der Löschzug Süchteln rückt deshalb vom Dorfer Weg aus vor, Dülken und Boisheim vom Busbahnhof her.

Als die ersten Atemschutztrupps abgelöst werden, blicken die vielen Schaulustigen in verschwitzte Gesichter. Unten ist es stickig und heiß, die Suche nach Brandherd und Verletzten ist Schwerstarbeit - auch bei einer Übung. Nach kurzer Zeit sind etwa 65 Kräfte im Einsatz. Alles läuft reibungslos. Der brennende Wagen etwa in der Mitte der Parkfläche ist gefunden, die drei Verletzten auch. Die Wehrleute müssen deutlich machen, dass sie jede einzelne Parkbucht abgesucht und keinen Verletzten übersehen haben.

Um 20.25 Uhr kommt dann ein Funkspruch im Einsatz-Leitwagen an, den im wahren Einsatz niemals ein Feuerwehrmann hören möchte. "Wir haben eine Mayday-Lage, Verletzter im Angriffstrupp." Ein Atemschutz-Notfall. "Bei Einsätzen muss immer ein voll ausgerüsteter Sicherheitstrupp bereitstehen, um in Not geratenen Kameraden zur Hilfe zu kommen", erklärt der stellvertretende Wehrführer Hans-Jürgen Thevessen. "Bei einer solchen Einsatzstelle bedeutet das, dass an jedem Zugang ein solcher Trupp steht." In diesem Fall wird aber sogar ein schwerer Sicherheitstrupp benötigt, ausgerüstet mit zusätzlichen Atem-Flaschen, mit einer Spezialtrage, die man auch wie einen Schlitten hinter sich herziehen kann.

Bei der nächsten Besprechung der Führungskräfte gegen 21 Uhr kann Einsatzleiter Höckels aber berichten, dass alles optimal gelaufen ist: "Der Trupp in Abschnitt 2 hat den Verletzten in Abschnitt 1 gefunden, noch bevor der Sicherheitstrupp eintraf." Das Feuer ist gelöscht, jetzt folgen noch die Lüftungsarbeiten, um die Garage wieder vom Rauch zu befreien. Damit es echt wirkt, sind gleich drei Nebelmaschinen zum Einsatz gekommen, die tatsächlich dafür gesorgt haben, dass es unmöglich war, anders als tastend vorwärts zu kommen, die Sichtweite war gleich Null.

Während sich an der Tiefgaragenrampe die Schaulustigen langsam zerstreuen, wartet auf die Wehrleute noch einige Arbeit. Sie müssen all ihr Arbeitsmaterial zurückbauen, dann folgt die Abschlussbesprechung. Und in den jeweiligen Gerätehäusern müssen danach noch alle Materialien vom Schlauch bis zum Atemschutzgerät wieder einsatzbereit gemacht werden, falls es in der Nacht zu einem realen Einsatz kommt.

Quelle: RP
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