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Dures Kückemanns
Dringende Geschäfte

Dures Kückemanns: Dringende Geschäfte
FOTO: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen)
Viersen. Es hat geklappt, Freunde. Die Ungewissheit hat ein Ende. Sechs Tage war der Kreis Viersen kopflos. Peter Ottmann hatte sich aus dem Forum verabschiedet und war mit einem geschenkten Schuh und dem Auftrag, noch einen dazu zu finden, endgültig nach Hause gegangen.

Danach herrschte Anarchie. Dr. Andreas Coenen war zwar gewählt und hat auch schon mal den Kreisausschuss geleitet (Anm. von Dures: Das Wort sollte man nicht wörtlich nehmen. Da sind ganz anständige Leute bei), aber den Amtseid hatte er noch nicht abgelegt. Nun hat er es gemacht und den Eid gesprochen. Ohne Eid hätte er tun und lassen können, was er wollte. Er hatte ja noch nichts versprochen. So Sachen wie das Grundgesetz wahren und Gerechtigkeit gegen Jedermann zu üben (!). Selbst die "Strafbarkeit gegen das Haushaltsrecht bei der Bewirtschaftung öffentlicher Mittel", über die er seine Doktorarbeit geschrieben hat, wäre uneidlich weniger schwerwiegend gewesen wie jetzt. Jetzt muss er die Euros und Cents in der Kreiskasse, über die - nomen est omen - Thomas Heil wacht, brav zusammenhalten. Sonst kommt der Heyes Josef aus Willich und ist nicht mehr sein väterlicher Freund, sondern ein zutiefst enttäuschter Bürgermeister.

Der Bürgermeister in Tönisvorst ist bestimmt auch enttäuscht. Thomas Goßen gehört nicht mehr so richtig dazu. (Anm. der Red.: Heißt der nicht Ludger Gooßens? Antwort Dures: Ihr verwechselt was. Der gehört nicht mehr nicht nur zum Kreis Viersen, sondern auch nicht mehr zum Geschäftsführenden Vorstand des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Aber das ist ein anderes Schlachtfest, ääh, -feld.) Wenn der Tönisvorster CDU-Mann Goßen im Mai 2017 Landesmutter Hannelore Kraft von der SPD nicht wiederwählt, wählt er sie in Krefeld nicht wieder. Die Samt- und Seidenstadt setzt sich gerade kleiner, einwohnermäßig, meine ich. Und jetzt reichen die Wahlberechtigten vorne und hinten nicht. Darum holen sich die Krefelder, was sie nicht haben, auf dem Lande. Hüls haben sie sich vor 40 Jahren einverleibt, die Griffel hatten sie auch schon auf St. Hubert und auf Tönisvorst gelegt. Krefelder sind manchmal wie Verkäuferinnen beim Wiegen an der Fleischtheke. Sie legen noch eine Scheibe Wurst drauf und fragen scheinheilig: "Darf's ein bisschen mehr sein?" Auf St. Hubert haben sie in der SPD-Landesparteizentrale wegen Udo Schiefner und dessen Heimatstadt Kempen verzichtet, aber dafür Tönisvorst erhalten. Das freut Sozialdemokraten, denn so stärken sie ihre großstädtischen Hochburgen.

In die Haare gekriegt haben sich prompt Politiker aller Couleur im Kreistag. Populismus, Schauantrag und Schaumschlägerei warfen Sozis und Grüne der FDP vor, die der Tagesordnung kurzfristig eine Resolution einge-brockes-t hatte. Die CDU sprang der FDP bei und legte den Antrag als Signal für die Kampfbereitschaft des großes Landkreises Viersen für alle seine Wahlberechtigten aus. Als es zur Abstimmung kam, enthielten sich die Grünen, die SPD lehnte ab. Ausgerechnet Joachim Kremser und Ralf Hussag mussten da dringend aufs Klo. So entgingen die beiden Sozis der ernsten Prüfung, die Freiheit ihres Mandats auszuüben und sich womöglich für Schaumschlägerei und den Populismus zu entscheiden.

Politik, Freunde, ist manchmal so schlicht wie das Vereinsleben. Wie sagt mein Freund immer im Konfliktfall: "Enne Verein ohne Schtriet es Driet."

Bis zum nächsten Mal

Quelle: RP
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