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Brüggen
Durch Gartenarbeit zurück ins Leben

Brüggen: Durch Gartenarbeit zurück ins Leben
Die Vorbereitungen für die Tage der offenen Tür im Garten der Jugendwerkstatt Bracht laufen auf Hochtouren. Betreuerin Vera Böhmer (r.) kümmert sich mit Tommy Kuhlen (l.) und anderen Jugendlichen um die Staudenbeete. FOTO: Busch
Brüggen. Die Jugendwerkstatt Bracht hilft Jugendlichen aus dem Kreis Viersen, ihren Alltag in geordnete Bahnen zu lenken. Acht von ihnen kümmern sich in Bracht leidenschaftlich um ein Gartengelände und lernen, Verantwortung zu tragen Von Markus Plüm

Es herrscht Hochbetrieb im Gartenbereich der Jugendwerkstatt Bracht hinter dem Schulzentrum am Alster Kirchweg. Maik Rascher und Nadine Beiten topfen im Gewächshaus Staudensetzlinge ein, Tommy Kuhlen und Christoph Wolf kümmern sich um die Pflege der weitläufigen Rasenflächen. Derweil beschneiden Gartenbautechnikerin Vera Böhmer und Ehson Murodow das Buschwerk am Zaun.

Die in der Jugendwerkstatt tätigen Jugendlichen arbeiten gemeinsam mit Betreuerin Böhmer unter Hochdruck daran, die 5400 Quadratmeter große Gartenfläche für die Tage der offenen Tür mit Staudenverkauf am 24. und 25. Juni herzurichten - ein wichtiger Termin im Jahreskalender der Jugendlichen.

Denn an diesem Tag können sie zeigen, was sie in den zurückliegenden Monaten gelernt haben. Verkaufsfähigkeiten, gärtnerisches Können, aber vor allem: eigenverantwortliches Handeln und selbstbewusstes Auftreten. Für die Jugendlichen bei Weitem keine alltäglichen Dinge. "Alle, die wir hier betreuen, haben in der Vergangenheit vieles durchgemacht. Wir helfen ihnen, einen ordentlichen Tagesablauf zu organisieren und Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit aufzubauen", berichtet Betreuerin Vera Böhmer.

Die 55-Jährige weiß, wovon sie spricht. Sie ist seit ersten Stunde mit dabei - seit 1985 arbeitet sie mit Jugendlichen im Gartenbereich der Jugendwerkstatt. "Wir bringen den Teilnehmern hier Arbeitsdisziplin bei und arbeiten daran, dass sie Anweisungen umzusetzen." Bei der Werkstatt handelt es sich um eine Jugendhilfeeinrichtung des Kreises Viersen. Die - freiwilligen - Teilnehmer kommen aus dem gesamten Kreisgebiet. Neben den acht Jugendlichen im Gartenbereich gibt es noch ebenso viele, die unter Anleitung von Alexander Klanten im Catering tätig sind und in der Küche grundlegende Verhaltensweisen für das alltägliche Leben vermittelt bekommen. Zusätzlich kümmert sich Sozialpädagogin Lisa Hödel darum, die Jugendlichen bei ihren Lernprozessen zu unterstützen.

Der Tagesablauf in der Jugendwerkstatt ist streng getaktet. Morgens um 7.30 Uhr müssen sich die Gärtner einstempeln, Pünktlichkeit wird belohnt. Einige stehen dafür um 4.30 Uhr auf und machen sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg nach Brüggen. "Aber das funktioniert. Und das zeigt ja auch, dass wir hier vieles richtig machen und die Teilnehmer Spaß haben", sagt Vera Böhmer.

Staudenbeete, ein kleines Feuchtbiotop, Obst und Gemüse - die anfallenden Arbeiten im Garten abwechslungsreich. Die Jugendlichen sind daher mit viel Eifer dabei - und reden offen über ihre Probleme: "Ich habe zuletzt ein Jahr lang nur zu Hause gesessen. Ich bin hier, weil ich mein Selbstbewusstsein stärken und einen geordneten Tagesablauf erlernen möchte", sagt die 20-jährige Nadine Beiten.

Auch Christoph Wolf konnte geholfen werden. "Ich wusste nach dem Fachabi nicht wirklich, was ich machen wollte." Doch nach zwei Jahren in der Jugendwerkstatt ist ein Ende in Sicht: In dieser Woche hat er ein Vorstellungsgespräch bei einem Staudengärtner in Hannover ergattern können. Darauf hofft auch Tommy Kuhlen. Eine Knie-OP verhinderte zuletzt, dass der 19-Jährige eine Ausbildungsstelle zum Gärtner antreten konnte. Das will er nun möglichst bald nachholen.

Mehr Planungssicherheit hat Maik Rascher bereits. "Ich fange im August ein Jahrespraktikum in einem Dachdeckerbetrieb an", berichtet der 19-Jährige. "Mir hat die Zeit hier geholfen, meinen Tagesablauf zu strukturieren" Und auch der 18-jährige Ehson Murodow macht enorme Fortschritte. Der Tadschike ist erst vor drei Monaten mit seiner Familie nach Deutschland gekommen. Durch die Jugendberufshilfe hat er den Weg nach Bracht gefunden. "Er möchte Koch werden und hilft uns hier im Gartenbereich, bis im Catering ein Platz frei wird", berichtet Vera Böhmer.

Sie kann derzeit jede helfende Hand gut gebrauchen. Für die Tage der offenen Tür sind nämlich noch allerhand Vorbereitungen zu treffen. "Wir können hier jedes Jahr rund 500 Gäste begrüßen, wir genießen hier eine hohe Akzeptanz im Ort. Und auch die Familien und Lehrer der Jugendlichen schauen dann hier vorbei. Da soll dann natürlich alles passen. Aber wir schaffen das gemeinsam."

Quelle: RP
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