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Niederkrüchten
Durchs Leben tanzen - auch mit Demenz

Niederkrüchten. Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen treffen sich seit Anfang des Jahres beim Tanzcafé. Das neue Angebot kommt sehr gut an. Von Bianca Treffer

Beim Tanzen war alles wie früher, erzählt Marlene Tappeßer. Es war wie in der Zeit, bevor die Krankheit begann. Ihr Mann ist an Demenz erkrankt. Tappeßer ist mit ihm zum Tanzcafé ins evangelische Gemeindehaus in Elmpt gekommen. Dort treffen sich Demenzkranke und ihre Angehörigen, um einmal im Monat zu tanzen, zu lachen, Sorgen zu vergessen. "Wir sind schon im vergangenen Monat zur Premiere gegangen, und es gefiel uns sehr gut. Die zwei Stunden waren ruckzuck um. Es war schön, zu tanzen, mit anderen Menschen zu sprechen und nicht immer nur Elend vor Augen zu haben", erzählt Tappeßer.

15 Uhr soll das zweite Tanzcafé beginnen. Bereits eine Viertelstunde vorher füllen sich die Plätze an den liebevoll gedeckten Tische. Im Hintergrund läuft leise Kaffeehausmusik, es wird begrüßt, gelacht, erzählt. Die Atmosphäre ist heiter und beschwingt. "Bei unserer Premiere hatten wir drei Tisch mit je acht Plätzen, die alle belegt waren. Heute, beim zweiten Mal, haben wir vier Tische vorbereitet. Es sieht so aus, als wenn alle voll würden", sagt Marion Küpper von der Senioren- und Pflegeberatung der Gemeinde Niederkrüchten.

Die Idee zum Tanzcafé entstand in der Schulungsreihe für Angehörige dementiell veränderter Menschen in Niederkrüchten. Laut der kommunalen Pflegeplanung für den Kreis Viersen leben etwa 250 Menschen mit Demenz in der Gemeinde. Bei den Gesprächen fiel auf, dass viele Angebote sich nur an Menschen mit Demenz richten, der Partner aber fehle. So entstand die Idee, Paaren ein Angebot zu machen. "Bewegung hat als therapeutische Maßnahme einen hohen Stellenwert. Beim Tanzen an sich kommt es nicht auf Kommunikation an, die demenziell veränderten Menschen generell schwerfällt. Damit begann das Projekt Tanzcafé zu reifen", erinnert sich Küpper.

Sie setzt das Angebot gemeinsam mit Gudrun Leder von der evangelischen Kirchengemeinde und den Ehrenamtlern Ralf Prinz, Karin Krebs sowie Henny und Karl-Heinz Krause um. "Uns geht es darum, den Betroffenen und Erkrankten die Möglichkeit zu geben, im Leben zu bleiben. Gemeinsam etwas zu unternehmen", sagt Leder von der Kirchengemeinde. Beim Tanzen könne man sich als Paar fühlen, einen stärkenden Moment erleben, ergänzt Küpper.

Maria Diehl hat das erste Tanzcafé genossen. "Wir sind von dem Angebot begeistert. Keiner guckt auf einen demenzkranken Menschen, sondern alles ist normal. Ich habe seit zehn Jahren nicht mehr getanzt, und es war wunderbar, wieder einmal zu tanzen. Und dann bin ich auch noch ein Kuchenfreund", verrät sie mit einem Augenzwinkern - neben ihr ist ein Kuchenbüffet aufgebaut. "Es hat mir beim ersten Tanzcafé so gut gefallen, dass wir wieder hier sind. Man hat Unterhaltung und sitzt nicht daheim vor dem Fernseher. Für uns ist das Tanzcafé ein fester Termin geworden", sagt eine 64-jährige Brüggenerin, die zusammen mit ihrem demenziell erkrankten Mann nach Elmpt gekommen ist.

Mittlerweile haben an allen Tischen Menschen Platz genommen. Der Ehrenamtler Ralf Prinz sitzt vor einem Schallplattenspieler. "Unser DJ Ralf sorgt heute für die Tanzmusik", kündigt Küpper an. Beim ersten Tanzcafé spielte ein Alleinunterhalter. Aus Kostengründen wird aber nicht jedes Mal Livemusik angeboten. "Wir haben zwar eine großzügige Spende erhalten, aber aus dieser finanzieren wir auch Kuchen und Kaffee, um diese Dinge kostenfrei anbieten können. Das aufgestellte Spendenschweinchen ist eine rein freiwillige Sache", sagt Leder.

Auf der Tanzfläche drehen sich die ersten Paare zu Musik von Peter Alexander. Wer dementiell erkrankt ist und wer nicht, ist keinem der Tänzer anzusehen. Vielmehr kommen hier Paare zusammen, denen die Freude an der Bewegung anzusehen ist.

Quelle: RP
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