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Viersen
Eier mit Speck - und jede Menge Rock

Das war das "Eier mit Speck"-Festival 2015 in Viersen
Das war das "Eier mit Speck"-Festival 2015 in Viersen FOTO: Andreas Döring
Viersen. Unwetter konnten die Stimmung nicht trüben: Eier mit Speck präsentierten erneut ein buntes, mitreißendes Programm zwischen Rock, Pop und Electro. Von Dieter Mai

Traditionell eröffneten mit Gorilla Taxi die aktuellen "Young Talents"-Gewinner das Festival. Sie wurden von den Fans gebührend gefeiert. Mit Adam Angst brach sich am frühen Freitagabend die Stimme der Straße wortgewaltig Bahn, bevor die Rakede zum gepflegten Abspacen bei Reggae-Grooves und Party-Beats einlud.

Fans flüchten vor Sturm bei "Eier mit Speck" FOTO: Sebastian Fuhrmann

Dann betrat mit Max Cavalera eine Metal-Legende die Bühne. Mit seinem aktuellen Bandprojekt Soulfly bot der einstige Sepultura-Frontmann eine beeindruckende Performance. Wuchtig, kraftvoll und mit atemberaubender Präsenz verteilte die Band vibrierende Energiestöße, begierig aufgenommen von einem begeisterten Publikum. Mit Kadebostany zauberten die Festival-Macher einmal mehr eine wunderbare Überraschung aus dem Hut. Da trafen Balkan-Bläser auf David Bowie, 80er-Synthie-Drums auf Trip-Hop à la Massive Attack. Feiner, zeitloser Ethnopop-Crossover. Zum Freitagsfinale versprühten die britischen Indie-Rocker The Subways gute Laune und überzeugten nicht nur mit ihrem Hit "Rock & Roll Queen".

Am sturmgepeitschten Samstag waren es am Ende ganze vier Bands von ursprünglich geplanten zehn, die nach Stunden des bangen Wartens ab 19 Uhr das dezimierte Line-Up bildeten. Zum Leidwesen von Veranstaltern und Fans mussten zu allem Übel auch noch die Headliner Donots ihren Auftritt absagen, weil der schwere Sturm die Anreise aus Münster unmöglich machte.

H-Blockx beendeten Eier mit Speck mit einem phänomenalen Auftritt. FOTO: Busch

Was dann aber folgte, war keineswegs ein Notprogramm. Intersphere wussten mit melodischem Progressive Rock und einer Prise Indie zu überzeugen. Dann pusteten die britischen Schwermetaller Godsized die Gehörgange der Besucher ordentlich durch, bevor es mit den niederländischen Senkrechtstartern Kensington wieder deutlich poppiger wurde. Deren radiotauglicher Mainstream-Rock mit Indie-Touch kam schon fast eine Spur zu gefällig daher. Hier eine Prise Britpop, da ein paar Electro-Beats, dazu ein Häppchen U2, das wirkte bisweilen arg kalkuliert, wurde vom Publikum dennoch höflich abgefeiert. Am Ende gab es ein entspanntes Finale mit dem deutschsprachigen Dancehall-Reggae des Berliner Sängers Nosliw. Der ließ mit karibischen Klängen die empfindlich kühlen Temperaturen vergessen.

Der sonnige Sonntagmittag begann mit dem Rapper Jay Jay und seiner mitreißenden Dancehall-Raggamuffin-Show mit köstlichem Düsseldorfer Lokalkolorit. Tausend Löwen unter Feinden kombinierten hörenswert Hardcore mit gesellschaftskritischen Texten, derweil der Platz sich langsam füllte. Mit ihren partytauglichen Ska-Rhythmen rannten die Londoner Buster Shuffle beim Viersener Publikum offene Scheunentore ein, es kam zu ersten Polonaise-Exzessen am Hohen Busch. Die harten Gitarrenriffs des Punk-Quartetts Red City Radio aus Oklahoma atmeten einen Hauch von American Folk. Rau und doch poetisch klangen die Songs: Hymnencharakter - wie gemacht fürs EmS. Mitreißend und begeistert gefeiert auch die Performance der Londoner Folk-Combo Skinny Lister, ebenso wie der Auftritt von Itchy Poopzkid und die furiose Balkan-Raggamuffin-Show des Berliner Musiker-Kollektivs Rotfront. Beim großen Finale mit den H-Blockx erwies sich EmS einmal mehr als Jungbrunnen für verdiente 90er-Jahre-Crossover-Helden: die Münsteraner um Frontmann Henning Wehland lieferten, sichtlich angetan von der herzlichen Aufnahme in Viersen, einen phänomenalen Auftritt ab.

Godsized: Die englische Rockband hat es bei "Eier mit Speck" ganz schön krachen lassen. FOTO: Busch
Quelle: RP
 
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