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Viersen
"Ein Baum reicht nicht zur Erleichterung"

Viersen: "Ein Baum reicht nicht zur Erleichterung"
Busfahrerin Wald hat zu wenig Zeit, um während der Schicht ein WC aufzusuchen. Zudem fehlt es nach ihrer Einschätzung an öffentlichen Sanitäranlagen, die die Busfahrer gut erreichen können. Sie hofft auf die "Pipi-Petition" von 170 Busfahrern im Kreis Viersen. RP-Foto: busch FOTO: Brigitte
Viersen. Busfahrerin Brigitte Wald kämpft seit mehr als 18 Jahren dafür, mehr Zeit zu haben und hygienische WCs nutzen können. Sie hofft auf die "Pipi-Petition" von 170 Busfahrern in Kreis Viersen. Ihre Erfahrung: "Öffentliche Toiletten genügen nicht" Von Daniela Buschkamp

Brigitte Wald ist Busfahrerin. Sie liebt ihren Job, hat ein Faible für große Fahrzeuge. Was sie aber überhaupt nicht liebt: Dass ihr die Zeit und die Möglichkeit fehlen, während der Arbeit ein WC aufzusuchen. "Wenn ich mehrere hundert Meter zur nächsten Toilette laufen muss, dann gerät der gesamte Fahrplan aus den Fugen", schildert die 51-Jährige. "Ein Straßenbaum reicht nicht zur Erleichterung." Seit 18 Jahren setzt sich Brigitte Wald dafür ein - bisher ohne Erfolg. Jetzt hofft sie auf die "Pipi-Petition" an die Bürgermeister im Kreis Viersen.

Diese Petition haben 170 Busfahrer im Kreis Viersen auf den Weg gebracht. Sie wollen sich ein dringenderes Bedürfnis nicht mehr verkneifen müssen oder dafür einen Plastikeimer nutzen. Ihre Forderung an die Bürgermeister im Kreis Viersen, insbesondere an Viersens Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD): "Ausreichende Möglichkeiten für den Toilettengang schaffen".

Brigitte Wald ist seit 15 Jahren in einem der größten privaten Busunternehmen in der Region beschäftigt. Ihr Eindruck: "Im Sinne der Kostenverringerung werden die Fahrpläne zum Nachteil der Fahrer optimiert." Wegen des demografischen Wandels steige die Zahl der Rentner, unter den 150 Beschäftigten sind fünf Frauen.

Für den notwendigen Weg zum WC fehle, so die Erfahrung von Brigitte Wald, während der Schicht oft die Zeit und eine Örtlichkeit. "Öffentliche Toiletten sind keine Lösung", ist ihre Erfahrung. "Der Linienbetrieb der Busse erstreckt sich von 4 bis 24 Uhr von Montag bis Sonntag. Die öffentlichen Toiletten sind oft nur montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr geöffnet." Sie würden also nur einen Bruchteil der Arbeitszeit abdecken.

Das größte Problem für die Busfahrerin sind die langen Schichten. Die Frühschicht etwa beginnt um 4 Uhr, oft ist Brigitte Wald dann zehn Stunden unterwegs. "Eine Toilettenanlage abseits des Linienwegs ist nicht zu gebrauchen", sagt die 51-Jährige. "Ich habe Fahrzeiten von vier Stunden ohne Pause." Während dieser Zeit würden sich fast durchgängig Fahrgäste im Bus befinden. Einfach aus den Bus auszusteigen, sei für Brigitte Wald nicht möglich. "Ich muss das Kassensystem zum Schutz vor Diebstahl aus dem Bus mitnehmen, den Bus abschließen. Allein das kostet schon Zeit", sagt die Busfahrerin. Zudem würde kein Busfahrer sein Fahrzeug gern allein lassen - und sei es nur für den kurzen Gang zur Toilette. An Endhaltestellen in Kaldenkirchen oder Breyell habe sie zwar eine Stunde Zeit, aber kein WC.

Brigitte Wald hat in den vergangenen Jahren immer wieder Unterstützer gesucht, etwa beim Verkehrsmeister der NEW oder beim Amt für Arbeitsschutz. Geholfen hat ihr bisher niemand. Sie will nicht nur für sich eine Verbesserung, sondern auch für die Kollegen: "Viele Aushilfsbusfahrer sind Rentner, der Älteste ist 83 Jahre. Und bei 35 Grad trinkt man ja auch etwas mehr." Was die Busfahrerin jetzt fürchtet: "Dass die Diskussion wieder in die falsche Richtung abdriftet. Mein Arbeitgeber sieht seinen Arbeitgeber in der Pflicht, das zuständige Amt für Arbeitsschutz beantwortet seit Monaten meine Eingabe nicht."

Dabei will Brigitte Wald doch nur ein wenig Zeit haben - für ein menschliches Bedürfnis. Auch als Busfahrerin.

Quelle: RP
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