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Serie Mein Jahr In China
Ein bisschen Bildung für die Slumkinder

Serie Mein Jahr In China: Ein bisschen Bildung für die Slumkinder
Lernen für ein besseres Leben: Die 38 Mädchen und Jungen der "Summerschool" kommen aus kinderreichen Familien. Sie gehen nicht regelmäßig zur Schule. In dem Projekt werden die "Slumkids" von chinesischen Studenten und Freiwilligen unterrichtet. FOTO: Leon Zehner
Viersen. Leon Zehner ist seit Herbst vergangenen Jahres in der Provinz Yunnan. Er arbeitet dort als freiwilliger Helfer in der Entwicklungshilfe. Der Abiturient aus Amern berichtet diesmal von der Sommerschule für Kinder aus großen Familien. Von Leon Zehner

schwalmtal/ Lanping Po Yi Heng hat uns keine andere Wahl gelassen. Der Elfjährige störte wiederholt im Englischunterricht. Die vorher mit ihm vereinbarte Strafe musste deshalb geltend gemacht werden: Einzelunterricht.

Jetzt sitzt er also vor dem Lehrerzimmer bei Fiona, einer Freiwilligen aus Deutschland und ist viel konzentrierter als noch während des Unterrichts mit seinen Freunden. Auch der Unterricht in der großen Klasse funktioniert deutlich besser ohne ihn. Diese Maßnahme ist eine von vielen Entscheidungen, die wir Freiwilligen bei der "Summerschool" treffen müssen.

Angefangen hat die Sommerschule vor drei Jahren, als einer Freiwilligen auffiel, dass viele Kinder in der Umgebung nicht zur Schule gehen können. Der Grund dafür ist die Ein-Kind-Politik, die 1982 in China eingeführt wurde, um das starke Wachstum des Landes einzudämmen. Obwohl es für die Minderheiten in unserer Region gesetzliche Ausnahmen gibt, haben die meisten Familien deutlich mehr Kinder als erlaubt. Das hat zur Folge, dass viele Kinder nicht registriert sind, und deshalb dürfen sie nicht zur Schule gehen.

Nachdem die lokale Regierung auf das Problem aufmerksam gemacht wurde, gelang es, einige nicht-registrierte Kinder einzuschulen. Für die Familien sind die Kinder aber von klein auf wichtige Mitverdiener, denn sie sammeln Pfandflaschen im Dorf. Somit musste erst viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Die Schulkosten, die sich für ein Jahr auf etwa 80 Euro belaufen, werden durch Paten aus Deutschland getragen. Bis heute wird so 38 Kindern zumindest ein bisschen Bildung in der Schule ermöglicht. Die sogenannten "Slumkids" werden einmal pro Woche zu Hause besucht, um ihre Entwicklung zu beobachten. Dafür muss man meist in die umliegenden Berge Liukus fahren, in denen nur die Minderheitensprachen gesprochen werden. Folglich kommen die Kinder in der Schule zum ersten Mal in Kontakt mit der chinesischen Sprache.

Die "Summerschool" ist ein Projekt, das von unserer Organisation "Baumhaus" seit 2012 organisiert wird. In vier Wochen geht es darum, die Kinder zu unterrichten und ihnen Sozialkompetenzen mitzugeben. Wir Freiwilligen werden dabei von chinesischen Studenten unterstützt, die die chinesischsprachigen Unterrichtsfächer übernehmen. Zudem organisieren sie Erste-Hilfe-Kurse oder Berufsvorstellungen.

Der Schultag startet um 7.40 Uhr mit Hände-Waschen, Zähne-Putzen und gemeinsamem Frühstück. Nach der ersten Unterrichtsstunde folgen 20 Minuten Morgensport. Nach einer weiteren Unterrichtsstunde gehen wir Freiwilligen mit den Kindern in ein naheliegendes Restaurant, in dem sie lernen, wie man sich dort verhält. Mit dem Personal ist abgesprochen, dass die Wünsche der Kinder nur erfüllt werden, wenn sie "Bitte" und "Danke" sagen. Nach einer Mittagspause gibt es zwei Unterrichtseinheiten bis 4.30 Uhr. Nach der Schule kehren die Kinder in ihr Dorf zurück.

Bei der "Summerschool" geht es um Kinder wie Po Yi Heng, der nie eine Chance auf Bildung hatte. Es ist nicht das oberste Ziel aus den Kindern Ärzte und Anwälte zu machen, auch wenn einige die Voraussetzungen für eine akademische Laufbahn mitbringen. Sie sollen aufs Leben vorbereitet werden und die Regeln des sozialen Miteinanders erfahren, um am Ende - hoffentlich - ihren eigenen Weg aus der Armut zu gehen.

Bis zum nächsten Mal - zàijiàn!

Quelle: RP
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