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Viersen
Ein Blick hinter die Verhüllung

Viersen. Die Galerie Klimczak zeigt Arbeiten von Verpackungskünstler Christo

Der 1935 geborene Christo ist einer der Künstler, die in Menschen Gedanken auslösen wie: Ach wäre ich nur 1984 nach Paris auf die verhüllte Pont Neuf, 1995 zur Reichstagsverhüllung nach Berlin, 2003 zu den Roten Toren in den Central Park oder 2016 zum Steg über den Iseosee gefahren.

Für alle, für die diese Reisen ein Traum bleiben müssen, gibt es Trost: die wunderbaren Projektzeichnungen von Christo, die Collagen, in denen er seinen Ideen erste Gestalt verleiht, die Fotografien der Verhüllungen und manchmal auch ein Stück des Materials, das eine Brücke, einen Reichstag, einen Park oder einen See in eine zauberhafte Gestalt verwandelt hat. Zeichnungen, Collagen und Fotografien sind zurzeit in die Galerie von Rainer Klimczak in Viersen zu genießen. Er zeigt Editionen von Christo auf zwei Etagen und noch viel mehr.

Nämlich Christos Anfänge zu dem, was ihn heute zum - plakativ genannt - Verpackungskünstler gemacht hat. Da ist die New York Times vom 13. Juni 1985, die Christo fest in durchscheinende Folie verpackt und vielfach mit Kordel umschnürt hat. Da ist die Plastikrose von 1968, fast so, wie man sie auf Jahrmärkten kaufen kann. Da ist das eingepackte Telefon, das aus seiner Verpackung halb herausschaut. Da ist aber auch ein fest verschnürtes, mit Kordeln umschnürtes viereckiges Paket, das keinerlei Rückschluss auf den Inhalt zulässt. Sicherheitshalber hat Christo einen mit "Important" beschriebenen Zettel beigelegt, der davor warnt, das Paket auszupacken.

Eine solche Arbeit bereitete den Weg zu den Verhüllungen, in denen es darum ging, ein größeres oder kleineres Objekt so zu verpacken, dass der Inhalt verborgen, verrätselt wurde. Das ist dann fast wie Kindergeburtstag: Die Form verrät einiges, doch bleiben Fragen offen und die Spannung steigt. Christos Verpackungen sind immer hochästhetisch: die kunstvoll verschlungenen Kordeln, das grobe Papier, die Folie - sie machen einen großen Teil des Reizes dieser Werke aus. In der Ausstellung bei Klimczak können die Gäste auch die Arbeiten bewundern, in denen Christo Zeichnung oder Lithografie und Collage miteinander verbindet. In "Wrapped Display Monitor" (1985) sieht man das Bild eines Monitors, dazu die Form eines aus Papier ausgeschnittenen und in Folie eingepackten Monitors.

Ausstellung "Christo" ist zusehen bis Samstag, 15. Oktober, dienstags bis freitags von 12 bis 18 Uhr und samstags von 11 bis 14 Uhr in der Galerie Klimczak, Oberstraße 2 in Viersen.

(b-r)
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