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Viersen
Ein Buch über Bücher

Viersen: Ein Buch über Bücher
Hans Brög vor der Sammlung seiner Arbeiten - links das dicke New-York-Buch, vorn ein Kochbuch mit Bauschaum-Plastik auf dem Einband. FOTO: Busch
Viersen. Unter dem Titel "Copy Books und Anderes" hat Hans Brög in einem Band die Bücher versammelt, die im Laufe seines Kunstschaffens entstanden sind. Ein Ausdruck großer Experimentierfreude Von Sigrid Blomen-Radermacher

Hin und wieder lassen Künstler ja ihr künstlerisches Werk Revue passieren - in einer Retrospektive. Da kann man dann im Museum oder in einer Galerie an der künstlerischen Entwicklung vorbeidefilieren. Bei Hans Brög ist das anders. Der Kunstinteressierte kann die Retrospektive in die Hand nehmen. Retrospektive? "Nur, was die Bücher betrifft", schränkt Brög ein.

Soeben ist sein Buch "Copy Books und Anderes - 1958 - 2015" erschienen. Hierin versammelt Brög die Bücher, die im Laufe seines Kunstschaffens entstanden sind. Wenn Blätter zwischen zwei Buchdeckeln stecken, dann habe er das Gefühl, "als könnte ich das Thema erstmal verlassen". Eine schöne Vorstellung: Was zwischen zwei Buchdeckeln zusammengehalten wird, enthält einen abgeschlossenen Gedanken.

Der erste abgeschlossene Gedanke in dem Buch über Bücher taucht als eine Arbeit auf, die Brög als Student im vierten Semester obligatorisch abzuliefern hatte, 1959 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart war das. Das damals entstandene Künstlerbuch enthält Fotos von Schattenspielfiguren, von einem Torso aus Muschelkalk, den der Student Brög herstellte, beschriebene Seiten auch. Mit diesem Erstling wurde Brögs Interesse geweckt, "Bücher unter verschiedensten Aspekten herzustellen". Das letzte Buch, das in "Copy Books und Anderes" Erwähnung findet, lautet "Rattle/Pressler", ist von 2015 und zeigt auf zehn Blättern Fotos in Form von Copygraphien (die künstlerische Fotokopie) von einem Silvesterkonzert, in dem Brög bewusst wurde, wie der Pianist Pressler mimisch seinem Dirigenten Simon Rattle folgt.

Im Titel verweist Brög auf das, was ihm das Wichtigste ist: die Copy Books. Sie enthalten, was der Titel verspricht: Kopien. Der Kopierer, vor allem der Kopierer aus den Anfangszeiten, faszinierte Brög. Auf den Straßen von Soho in New York standen sie herum, als er in den 1980er-Jahren die Stadt besuchte. Man konnte kopieren, wie und was man wollte. Man konnte die Blätter verzerren, verdunkeln, den Fehler zum Programm machen.

Heutzutage, sagt der Künstler, seien die Geräte "exakt aufs Kopieren eingestellt". Aber es entstehen immer noch Copygraphien. In ihnen sammelt Brög Eindrücke von Reisen, Ausstellungen, Festen und Begegnungen im Freundes- und Familienkreis.

Quelle: RP
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