| 00.00 Uhr

Viersen
Ein Dülkener fährt mit dem Rad um die Welt

Ein Dülkener fährt mit dem Rad um die Welt
Ein Dülkener fährt mit dem Rad um die Welt FOTO: W. Leppers
Viersen. Walter Leppers kennt nur einen Platz, wo die Freiheit grenzenlos ist: auf seinem Rad. In fünf Jahren hat er mehr als 94.000 Kilometer zurückgelegt. Jetzt ist er wieder in Dülken. Obwohl Walter Leppers alle Kontinente gesehen hat, ist seine Neugier ungebremst. Der Traum von der Freiheit ist für den 68-Jährigen längst nicht zu Ende. Von Daniela Buschkamp

Walter Leppers ist wieder da. Nach fünf Jahren auf Weltreise hat der 68-Jährige Dülkener sich und seinem Tourenrad eine Pause in der Heimat gegönnt. Der Anhänger ist abgestellt - und Walter Leppers hat so viele Erfahrungen gesammelt, dass sie vermutlich für mehrere Leben reichen.

Auf seinem Blog "Radtraum" ist der mehr als 94.000 Radkilometer lange Weg durch Europa, Asien, Australien, Afrika, Nord- und Südamerika zu verfolgen. "Ich habe im Ruhestand das getan, wovon viele nur träumen", erzählt der frühere Aufmaßtechniker. Diesen Traum habe er sich mit seiner Frau erfüllen wollen, doch sie erlitt bereits vor Jahren während einer Radtour einen tödlichen Gehirnschlag. Und obwohl ihn sein Sohn und auch seine Schwester etappenweise begleitet haben, war es meist ein einsamer Weg. "An manchen Tagen habe ich in neun Stunden 190 Kilometer geschafft, an anderen nur 23 Kilometer", erzählt er. "So lange unterwegs zu sein, das schafft man nur mit starkem Willen."

Die große Freiheit erleben - das macht für Walter Leppers den Reiz seiner Radwelttour aus. "Man fährt morgens los, und weiß nicht, wo man landet", sagt er. An Orten, die ihm gefallen haben, ist er länger geblieben, an anderen nur kurz. In seinem Anhänger befanden sich Zelt, Kocher und Proviant. "Mir gefällt es, autark zu sein", sagt der sportliche Radler. Den Stress, immer eine Unterkunft suchen zu müssen, habe er sich nicht antun wollen. In Australien habe er im Busch gecampt, in Afrika nach Rücksprache mit dem Dorfältesten sein Zelt aufgeschlagen. Regelmäßig habe er für seinen Blog geschrieben, sei über Skype mit Familie und Freunden in Kontakt geblieben.

Gefährliche Situationen mit wilden Tieren oder Menschen habe er nicht erlebt: "Es kommt darauf an, wie man auftritt: Wer sich mit festem Schritt bewegt, muss nicht fürchten, auf eine Schlange zu treffen", schildert er seine Erfahrungen in Australien. Glück war auch dabei: Bei einem Malaria-Anfall in Afrika sei er gerade Gast eines Arztes gewesen, ein Sturz in Bolivien sei glimpflich verlaufen. In Kurdistan sei er knapp einem Überfall entkommen: Er habe sich mit lauter Stimme Respekt verschafft und sei schnell weggeradelt. Und doch sagt er: "Die Menschen sind überall viel freundlicher als man meint." Ob Abby in Botswana oder Reza im Iran: Oft hätten ihm Wildfremde geholfen, bewirtet und nach Hause eingeladen.

Wer ebenfalls in den Sattel steigen und in die Ferne aufzubrechen will, dem rät Walter Leppers: "Einfach losfahren." Allerdings sollte man sich zuvor ausführlich informieren: "Aber nicht schon vorher die Fährzeiten festzulegen." Man müsse gut haushalten können - er selbst sei mit Rente und Rücklagen ausgekommen. Pro Jahr sei mit rund 10.000 Euro an Kosten zu rechnen.

Die größte Herausforderung erlebt der Weltenbummler in Dülken: "Nach so viel Freiheit nach Hause zu kommen, das ist schwierig." Auch nach 94.000 Kilometern im Sattel hat er noch Traumziele: "Indien, die UdSSR, Ostblock, Philippinen." Und ganz leise hört Walter Leppers wieder den Ruf der Freiheit.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Viersen: Ein Dülkener fährt mit dem Rad um die Welt


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.