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Brüggen
Ein Gesicht im Wasser

Brüggen: Ein Gesicht im Wasser
Johannes Veits Gemälde, hier der "Baumstumpf", gaukeln Gesichter vor, wo offenkundig keine sein können. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Brüggen. Sie heißen "Wellenschnitt", "Baumstumpf" oder "Wasserbrücke", sie sind grün, ocker, braun, weiß, gelb und blau, sie erinnern an das berühmte Wellenbild des japanischen Künstlers Hokusai oder an virtuelle Welten, wie sie in manch einem Computerspiel erscheinen und zeigen immer wieder eines: Wasser. Von Sigrid Blomen-Radermacher

Unter dem Titel "Letitflo" stellt der Maler Johannes Veit derzeit im Kultursaal der Brüggener Burg aus. Die Bilder sind erstaunlich vielschichtig, wirken distanziert und kühl. Möglicherweise ungreifbar wie das Wasser selbst.

Veit wurde 1973 in Trakt in der ehemaligen Sowjetunion geboren. Anfang der 2000er-Jahre studierte Veit an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Mittlerweile lebt und arbeitet er in Mönchengladbach. Wasser, dieses unfassbare Element mit seinen Spiegelungen und seiner Transparenz auf der Leinwand oder dem Papier festzuhalten, das war zu allen Zeiten für Maler eine herausfordernde Aufgabe und eine faszinierende dazu. Auch Veit widmet sich diesem Thema seit einigen Jahren. Doch geht es ihm weniger um eine realistische Darstellung als um die Idee von Wasser, die er auf die Leinwand bringt, um der Fantasie des Betrachters eine Fülle an Möglichkeiten der Assoziation zu geben.

Beeindruckend ist die Vielschichtigkeit und Tiefe seiner Darstellung: Da sprudeln die Wassertropfen über einer ölig-glatten Oberfläche und lösen sich über dem Horizont auf, da liegen Flächen wie Eisschollen über einem blauen Untergrund, da türmt sich eine Wasserhose vor gelbem Licht auf und ist in ihrer Mitte durchscheinend, da rasen immer kleiner werdende Quader von vorne nach hinten durch das Bild, kippen und kehren als Würfel zurück.

Steht man einen Moment vor dem Gemälde, entstehen Vexierbilder, die nicht nur tiefe Räume, sondern auch - und tatsächlich in jedem Bild - Gesichter vorgaukeln, wo doch offenkundig gar keine sein können. Dass es sich um Ölmalerei handelt, sagt der Blick auf die Bilderliste, doch könnte es sich bei manch einem Bild auch um auf die Leinwand gebrachtes Graffiti handeln. Was kein Wunder ist, da Veit in dieser Szene zu Hause war.

Info Die Ausstellung ist bis zum 6. August in der Burg Brüggen, Burgwall 4, zu sehen. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr, der Eintritt ist frei.

Quelle: RP
 
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