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Brüggen
"Ein Glanz werden" und sich selbst ablegen

Brüggen. In Brüggen lernen zehn Mädchen Grundlagen des Theaterspiels. Die Aufführung ist am Freitag.

Sie stehen Rücken an Rücken, mit den Füßen fest auf dem Boden, und versuchen, sich gegenseitig wegzudrücken. Das ist Training für das Kreuzbein, für den ganzen Körper, für die Wahrnehmung. Wer zur Sommerschauspielschule geht, der kommt nicht zu einem Superstar-Casting. Das wissen die Stipendiatinnen. Gemeinde und Brüggener Geschäftsleute sponsern den Kursus des Brüggener Niederrheintheaters, so dass er für die Teilnehmer - in diesem Jahr nur Mädchen - kostenlos ist.

"Ich hätte nicht gedacht, dass das so anstrengend ist", sagt Cara (17), aber die Übungen haben alle einen Sinn. Nadja (18) kannte aus einem Theaterprojekt in der Schule "verrückte Übungen", aber sie hält sie hier für wesentlich wirkungsvoller. "Denn hier wollen alle, das ist ein Unterschied." Emma, mit 14 Jahren die Jüngste, nickt dazu. Sie hat schon einmal in der Schule in einem Musical gespielt. "Aber dass uns hier Profis unterrichten, merkt man."

Verena Bill und Michael Koenen vom Niederrheintheater leiten zum sechsten Mal eine Sommerschauspielschule. Eindringliche Worte an die Schülerinnen gehören dazu. "Ihr könnt nicht Schauspielerinnen werden, wenn ihr euch selbst nicht ablegen könnt", sagt Michael Koenen. "Ihr müsst euch selbst vergessen." - "Und ihr müsst euch gegenseitig vertrauen", fügt Verena Bill hinzu. "Ein Ensemble ist wie ineinander greifende Zahnräder: Geht eins kaputt, funktioniert nichts."

Nach einer Woche in der Sommerschauspielschule funktioniert schon etliches sehr gut. Wenn die Mädchen gemeinsam auf der Bühne stehen, eine Bogenschieß-Übung absolvieren oder alle gleichzeitig konzentriert ihre Texte sprechen, ist die Spannung im Raum greifbar. Wortfetzen klingen herüber. "Ich werde ein Glanz" zum Beispiel. Das "kunstseidene Mädchen", die Doris aus dem Roman von Irmgard Keun, ist auch in diesem Jahr wieder dabei, wenn die Schülerinnen am kommenden Freitag, 10. Juli, ab 20 Uhr Monologe und Dialoge der Weltliteratur auf die Bühne von Schloss Dilborn bringen. Anton Tschechow ist dabei, Molière, Gerhart Hauptmann, Carlo Goldoni oder Alan Ayckbourn.

Mit Carlo Goldoni setzt sich in diesem Jahr Christin auseinander. Sie hat im vergangenen Jahr schon die Sommerschauspielschule besucht. Für sie ist vieles anders. "Letztes Jahr habe ich von einem Mann geschwärmt, dieses Jahr rege ich mich auf, weil er mich nicht toll findet - ich glaube, es ist schwerer dieses Jahr", meint Christin.

Die Mädchen und auch Verena Bill und Michael Koenen hoffen nun auf viele Zuschauer am Freitag. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei.

(hah)
 
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