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Viersen
Ein Grenzgänger in der Kunst

Viersen. Ralf Brög gestaltete die Zugänge zum U-Bahnhof der neuen Wehrhahn-Linie. Jetzt stellt er in der Städtischen Galerie im Park in Viersen aus Von Sigrid Blomen-Radermacher

"Isolationen, Zeigräume & Fugen" heißt die aktuelle Ausstellung in der Städtischen Galerie im Park, die Arbeiten aus den letzten acht Jahren des in Düsseldorf lebenden und arbeitenden Künstlers Ralf Brög präsentiert. Brög wurde 1967 in Stuttgart geboren und studierte an der Kunstakademie Düsseldorf sowie am Goldsmiths College in London. In den vergangenen Wochen tauchte sein Name häufig in der Presse im Zusammenhang mit der künstlerischen Gestaltung von Zugängen zum U-Bahnhof der neuen Wehrhahn-Linie in Düsseldorf auf. Nun können sich Kunstinteressierte in den Räumen der Viersener Galerie einen Überblick über Brögs umfassendes künstlerisches Schaffen machen.

In ihrer überaus informativen Einführungsrede bezeichnete Christiane Leuchtenberg Brög als einen Grenzgänger, als einen Künstler, der Wahrnehmung schärft. Was Brög zeigt, steht im Titel der Ausstellung. Wenn man sieht, was gemeint ist, werden auch die leicht verklausuliert wirkenden Werktitel klar: Die Isolationen sind eine intelligente, reizvolle Auseinandersetzung mit Werken der älteren und jüngeren Kunstgeschichte. Werke von Kerstin, Richter, Liotard, Degas, o'Keeffe erscheinen als C-Print, kaum erkennbar, weil der Bildraum fast vollständig im Dunkeln liegt.

Nur ein Detail, ein Löffel, ein Schädel, rückt spotlightartig angeleuchtet in den Vordergrund des Blicks. Ein isoliertes Detail also, das den Blick schärft für das fast Unsichtbare. Auch in der Gemäldeserie "Fuzzy Logics" geht es um Räume - oder besser: um die Illusion von Räumen. Punkte und Farbflecken schweben auf einer monochromen Bildfläche. Sie scheinen sich vor und zurück bewegen zu können. Die Wahrnehmung begibt sich ständig auf die Suche nach Gewissheiten, wobei der Titel aus der mathematisch-wissenschaftlichen Logik stammt und für die Modellierung eben von Unschärfen und Unsicherheiten entwickelt wurde.

Räume entstehen in Fotografie und Malerei. Räume entstehen natürlich auch in den Skulpturen - offene und geschlossene Räume, begehbare und hörbare.

Zu den Fugen gehört die große Skulptur im oberen Raum der Galerie: "Baldessari sings Lewitt". Ineinander verschachtelte MDF-Platten bilden einen Raum, dessen Eingang man vergebens sucht. Aus ihm schallt ein Gesang. Was verzerrt zu hören ist, sind Sätze zur Konzeptkunst des Künstlers Sol Le Witt, die der Künstlerkollege Baldessari vorträgt und die nun durch Brög weiter verarbeitet wurden. Eine Idee führt zur nächsten, indem sie auf ihr aufbaut. Zeigräume schließlich sind minimale Skulpturen, die im Grunde nur aus wenigen "Linien" bestehen, aber einen eindeutigen Raum definieren.

Ein weiteres Fragment aus Leuchtenbergs Rede lautete, dass die Grundsätze der Kunst durch Kunst verändert würden. Dass es sich bei Brögs Arbeiten um Kunst handelt, ist regelrecht spürbar: Jede Arbeit schwingt mit der anderen mit, in jeder Arbeit steckt eine fundierte, intelligente Überlegung und eine ausgereifte technische Umsetzung. In jeder Arbeit wird nicht neu erfunden, sondern - auf den Schultern zahlreicher Vorgängerkünstler ruhend - neu umgedacht und in neue Zusammenhänge überführt.

Ralf Brögs Ausstellung "Isolationen, Zeigräume & Fugen" ist bis zum 29. Mai in der Städtischen Galerie im Park in Viersen, Rathauspark 1, zu sehen. Geöffnet ist dienstags bis samstags von 15 bis 18 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr.

Quelle: RP
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