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Viersen
Ein Jahr Frühstück für Flüchtlingsfrauen

Viersen. Alle zwei Wochen bietet der Zonta-Club eine Auszeit vom Alltag — und nebenbei auch Deutsch-Unterricht

Was machen Frauen, wenn sie sich morgens zum gemeinsamen Frühstück treffen am liebsten? Natürlich ein oder mehrere Schwätzchen halten, Kaffee trinken und Brötchen essen. Dass das auch funktioniert, wenn man unterschiedliche Sprachen spricht und aus fernen Ländern kommt, beweist eine Initiative der Viersener Zonta-Frauen. Im Rahmen der von ihnen ins Leben gerufenen Aktion "Zonta-Frauen für Flüchtlingsfrauen" wird jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat gemeinsam gefrühstückt.

Global denken, lokal handeln - getreu diesem Motto gründeten engagierte Frauen 1979 den ZontaClub Viersen als Teil der internationalen Organisation: ein Zusammenschluss berufstätiger Frauen, die sich zum Dienst am Menschen verpflichtet haben. Vorrang hat er das Ziel, die Stellung der Frau zu verbessern, aber auch allgemeines gesellschaftliches Engagement ist gefragt.

"Seit einem Jahr bieten wir ein für die Flüchtlingsfrauen unverbindliches Frühstück im Pfarrheim St. Marien an", erläutert Claudia Holthausen, eine der 34 Zonta-Frauen. "Das Projekt wird komplett durch Spenden finanziert und jedes Mal ist mindestens die Hälfte von uns mit Eifer dabei und bereitet alles vor", ergänzt Ute Zimmermann. Die Ärztin nimmt sich an diesen Tagen vormittags frei, um mit den Frauen im Dialog zu bleiben. "Wir sind von Tür zu Tür gegangen und haben für unsere Idee geworben", erinnern sich die Zonta-Frauen. Anfangs noch zögerlich, waren die Flüchtlingsfrauen letztlich aber doch froh, aus den beengten Wohnunterkünften für ein, zwei Stunden dem Alltag zu entfliehen, zu reden - und zwar ganz ohne Mann! "Heute wollte ein Herr seine Frau begleiten. Wir haben ihn freundlich aber bestimmt hinauskomplimentiert und ihm gesagt, er könne in zwei Stunden wiederkommen", erzählt Holthausen mit einem Augenzwinkern.

Mahnaz aus Iran ist jedes Mal dabei - und begeistert. Sie konvertierte zum Christentum, wurde deswegen in ihrer Heimat verfolgt. "Sehr schön hier", sagt sie strahlend und in Deutsch. Sweta aus Russland hat sich mit Makfire aus Albanien angefreundet. Beide sind ebenfalls regelmäßig beim Frühstück dabei, das am Ende eine kleine "Unterrichtsrunde" in deutscher Sprache beinhaltet. Heute stehen Zahlen und die Uhrzeit auf dem Programm.

Sieglinde Staar, zuständig für den Flüchtlingssozialdienst im SKM (Katholischer Verein für soziale Dienste in der Region Kempen-Viersen) begleitet das Frühstücksprojekt von Beginn an. "Es ist ein fester Stamm, der regelmäßig teilnimmt", erklärt sie. Manchmal kämen Frauen auch nur einmal, weil sie zum Beispiel zurück in ihre Heimatländer müssen. "Wir wissen oft nicht, ob wir uns alle beim nächsten Mal wieder sehen. Da hier schon Freundschaftsbande geknüpft wurden und man sich näher kommt, ist das schwer, Abschied nehmen zu müssen", ergänzt sie.

Aber heute gibt es Grund zur Freude und keinen Abschied. Eine der Frauen kommt mit ihrem neugeborenen Baby, und alle tummeln sich entzückt um den Kinderwagen. Ein berührendes Bild, das die Frauen aller Couleur in enger Verbundenheit zeigt. "Wir alle sind Frauen, Mütter, Töchter, die sich verstehen und unterstützen, auch ohne die gleichen Worte zu benutzen, ohne derselben Konfession anzugehören und vor allem, ohne sich von Fremdheit abschrecken zu lassen", fasst es eine der Zonta-Frauen zusammen.

(paka)
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