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Viersen
Ein Klavier-Titan zu Gast in der Festhalle

Viersen. Viel Beifall gab es für Pianist Alexei Volodin und das NFM Philharmonische Orchester Breslau. Von Heide Oehmen

Aus zwei musikalischen Schwergewichten bestand das Programm des 4. Sinfoniekonzertes in der ausverkauften Viersener Festhalle: aus dem fast einstündigen Klavierkonzert Nr. 2 B-Dur von Johannes Brahms und der Sinfonie Nr. 8 G-Dur op. 88 von Antonin Dvorák. Für Ersteres war ein inzwischen in der Musikwelt hoch gehandelter Solist angereist - der 39-jährige gebürtige Leningrader Alexei Volodin. Er studierte am Moskauer Gnessin-Institut und am dortigen Konservatorium, später dann in Italien. Sein Durchbruch gelang ihm 2003 mit dem Gewinn des "Concour Geza Anda" in Zürich.

Volodin ist ein ausgewiesener Vertreter der russischen Schule - kraftvoller Zugriff und atemraubende Virtuosität sind deren hervorstechende Markenzeichen. Das war bei der Wiedergabe des Brahms-Klavierkonzertes auch in den beiden ersten Sätzen, die vornehmlich symphonischen Charakter haben, nur zum Teil die rechte Vorgabe.

Selbstverständlich wurde der Pianist allen technischen Herausforderungen dieser "Symphonie mit obligatem Klavier" - so der bekannte Musikkritiker Eduard Hanslick nach der Uraufführung - in höchstem Maße gerecht - doch die durchaus auch vorhandenen lyrischen Passagen blieben bei dieser weitgehend von Forte-Fortissimo und oft hartem Anschlag bestimmten Interpretation meist auf der Strecke. Schuld daran war nicht etwa das begleitende Orchester, das den Solisten zu keiner Zeit zudeckte.

Ganz anders war der Eindruck beim dritten, mit "Andante" überschriebenen Satz des Brahms-Konzertes, in dem das überirdisch schön gestaltende Solocello den Pianisten zu ebensolcher, zu Herzen gehender Wiedergabe animierte. Auch dem abschließenden "Allegro grazioso" gewann Alexei Volodin überraschend federnde, kapriziöse Farben ab, und der frenetische Applaus überredete den Gast noch zu einer Zugabe.

Ähnlich gefeiert und erst nach einem zusätzlichen Orchesterstück entlassen wurde auch das bereits 1945 gegründete "NFM (Nationale Forum der Musik) Philharmonische Orchester Breslau" unter seinem Gastdirigenten Daniel Raiskin, dem international gefragten Chefdirigenten der Rheinischen Philharmonie Koblenz. Raiskin und sein groß besetzter Klangkörper (alleine 16 Erste Geigen) wusste mit einer rassigen, mitreißenden und trotzdem die Details nicht vernachlässigenden Deutung von Dvoráks 8. Sinfonie, die dieser hörbar im Einklang mit der Natur komponierte, zu begeistern. Raiskin hielt mit deutlicher, zielführender Zeichengebung seine Musiker an einer wohltuend langen Leine und freute sich mit ihnen über brillante Soli bei den edlen Holzbläsern, über satten Blechbläserklang und traumschöne Streicherpassagen. Ein wunderbares Orchester, diese "Breslauer", die hoffentlich wieder einmal in Viersen Station machen.

Quelle: RP
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