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Viersen
Ein kriminell guter Stadtrundgang

Viersen: Ein kriminell guter Stadtrundgang
Geschichten von Krimiautorin Jutta Chrisanth und Erklärungen der Kunsthistorikerin Angela Klein-Kohlhaas machten den Rundgang spannend. FOTO: Busch
Viersen. Kunsthistorikerin Angela Klein-Kohlhaas machte bei einer Führung auf das alte Polizeigebäude, die Galgheide und die einstige Friedhofskultur aufmerksam, Krimiautorin Jutta Chrisanth las dazu vor. Von Ingrid Flocken

"Wenn ich an so einem verfallenen Haus wie hier am Domhof stehe, dann überlege ich unwillkürlich, was hier wohl passiert sein könnte." Und dann liest Jutta Chrisanth eine Geschichte vor, die auf einem Kindervers basiert und in einem Mord endet. Die 55-Jährige hat 1992 auf Anraten ihres Mannes angefangen, ihre spontanen Gedanken aufzuschreiben, die sie im Anblick einer einsamen Frau auf dem Friedhof hatte oder eines alten, kleinen Häuschens. Ihre Großeltern lebten in Dülken, und so kam eine Reihe von Geschichten heraus, die sie unter dem Titel "Mörder, Schurken und Schlawiner" zusammenfasste.

Zum zweiten Mal hatte die Kunsthistorikerin Angela Klein-Kohlhaas im Rahmen von Dülken Kulturbunt zu einem literarischen Stadtrundgang eingeladen, diesmal mit der Krimiautorin Jutta Chrisanth. Angela Klein-Kohlhaas führte die 25 interessierten Dülkener zunächst zum Neumarkt, erzählte hier über das ehemalige Polizeigebäude, das auf den Fundamenten des durch Bomben zerstörte Hitlerjugendheim aufgebaut wurde, 42 junge Menschen kamen damals ums Leben.

Dazu fiel Jutta Chrisanth ein, wie stark doch die Frauen waren, wenn sie sich schützen mussten, während die Männer im Feld waren. Sie erzählte von Bille Bockmann, die einem Mann, der ihr die Handtasche entreißen wollte, mit einem Beil die Hand abschlug und für ihre bemerkenswerte Courage letztlich ein mildes Urteil bekam. Dann hörten die Teilnehmer vom Bürgermeister-Boten und den Flurschützen, die tagsüber die Bürger schützten.

Nachts war dafür der Nachtwächter zuständig, und Dülkens Nachtwächter André Schmitz hörte dabei interessiert zu. Vier Gefängnisse gab es damals in Dülken und die "Galgheide" am heutigen Kampweg. Die letzte Hinrichtung erfolgte dort 1798. Weiter ging der Weg zum Marienpark, dessen frisch restaurierter Portikus den Blick auf den alten Friedhof öffnete. Hier erzählte Angela Klein-Kohlhaas über die Friedhofskultur in vergangenen Jahrhunderten. Jutta Chrisanth hatte dazu die Vision von einer Frau, die einsam am Grab ihres Mannes steht, der sie verprügelt und die Kinder grob behandelt hatte, den Hund und seine Kaninchen mehr liebte als seine Familie. Sie bereute nicht, ihn vergiftet zu haben.

Den Abschluss bildete ein Halt in der Lange Straße, wo im Haus Nr.42 im 19. Jahrhundert die Post-Expedition untergebracht war. Hier erzählte Jutta Chrisanth die Geschichte von dem Ehepaar Lisbeth und Josef, dem ein "guter Geist" im Traum einen Schatz gezeigt hatte, den er im Park im Gebüsch suchte. Doch Lisbeth zeterte: "Du bist doch allergisch. Keine Gartenarbeit, aber im Gebüsch rumkriechen." Da wurde Josef böse: "Ich entdecke einen Schatz und du sprichst nur von Krankheit." Er griff nach einem Dolch und stach zu.

Mit herzlichem Beifall dankten die Teilnehmer ihren beiden engagierten Führerinnen und stellten fest, dass sie viel über Dülken und seine Bürger dazugelernt hatten.

Quelle: RP
 
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