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Niederkrüchten
Ein Mann des Gesetzes

Niederkrüchten: Ein Mann des Gesetzes
80 Mal stand Helmut Heinen in den vergangenen Jahren vor Gericht – als Schöffe. Gemeinsam mit den Richtern entschied er über Urteil und Strafmaß. FOTO: Busch
Niederkrüchten. Bundesweit werden derzeit wieder Schöffen und Jugendschöffen für die Amtszeit von 2014 bis 2018 gesucht. Helmut Heinen ist seit über acht Jahren Schöffe. Es ist ein Ehrenamt, das Verantwortung verlangt, aber auch Erfüllung bringt. Von Jochen Smets

Helmut Heinen war in den vergangenen acht Jahren gut und gerne 80 Mal vor Gericht. Und das nicht, weil er mit dem Ge-setz in Konflikt geraten wäre: Heinen ist ein ehrenamtlicher Richter, ein Schöffe, wie es im Amtsdeutsch heißt. Er hat bei zig Prozessen am Richtertisch gesessen. Mal ging es um Lappalien wie den Widerspruch eines uneinsichtigen Knöllchen-Empfängers, mal um kapitale Verbrechen wie Vergewaltigung, schweren Raub oder Menschenhandel. Ende 2013 läuft die aktuelle Schöffen-Wahlperiode ab. Darum haben die Landgerichte Städte und Gemeinden aufgefordert, Vorschläge für neue Schöffen zu machen.

Das Schöffenamt hat in Deutschland eine lange Tradition. Im Zuge der politischen Aufklärung im 19. Jahrhundert sollten die ehrenamtlichen Richter den Einfluss der Obrigkeit im Gerichtsverfahren verringern. Im Kern gilt das noch heute: Schöffen sind vom juristischen Denken unabhängig und bringen eine stärker in der Lebenswirklichkeit verwurzelte Komponente in die Urteilsfindung ein. Was ein Schöffe braucht: "Lebenserfahrung, gesunden Menschenverstand und eine gute Portion Menschenkenntnis", sagt Heinen.

Ehrenamt ist nicht gleich Ehrenamt. Ein Schöffe hat eine ganz andere Verantwortung als ein Beisitzer im Gesangverein. Er hat das gleiche Stimmrecht und -gewicht wie ein hauptamtlicher Richter. Dem Gericht gehören stets zwei Schöffen und einer oder mehrere Berufsrichter an. Für jede Verurteilung und jedes Strafmaß ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Gericht erforderlich.

Das heißt: Gegen beide Schöffen kann niemand verurteilt werden. Theoretisch ist es sogar denkbar, dass zwei Schöffen einen Berufsrichter bei der Urteilsfindung überstimmen. Heinen hat so etwas allerdings noch nicht erlebt. Dennoch wird über das Strafmaß intensiv und manchmal auch kontrovers diskutiert. Die hauptamtlichen Richter sind dabei oft empfänglich und dankbar für den ein oder anderen Impuls aus nicht-juristischer Perspektive. Klar ist: Jedes Urteil – egal, ob mehrjährige Freiheitsstrafe, Versagung von Bewährung oder Freispruch wegen mangelnder Beweislage – haben die Schöffen mit zu verantworten. "Das ist kein 'Ehrenamt light'", sagt Hermann-Josef Bonus von der Niederkrüchtener Gemeindeverwaltung, der gerade geeignete Kandidaten für diese Aufgabe sucht. Bis zu zwölf Prozesse begleitet Heinen jedes Jahr als Schöffe. Die Termine bekommt er zu Jahresbeginn vom Gericht mitgeteilt. Danach richtet sich auch die Urlaubsplanung. Reich wird man als Schöffe nicht. Heinen erhält als Pensionär fünf Euro pro Stunde als Aufwandsentschädigung. Berufstätige bekommen eine Entschädigung für den Verdienstausfall, die jedoch auf 20 Euro pro Stunde begrenzt ist.

Heinen möchte seine Schöffen-Jahre aber nicht missen. "Für Menschen, die sich der Allgemeinheit verbunden fühlen, ist das eine sehr interessante Aufgabe. Persönlich habe ich es als Bereicherung empfunden."

(RP/ac)
 
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