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Serie Zukunft Bauen
Ein Rittersitz voller Kontraste

Serie Zukunft Bauen: Ein Rittersitz voller Kontraste
Hausherr Thomas Räck im Wohnbereich: Seit 2009 bewohnt er den ehemaligen Rittersitz. Zuvor lebte unter anderem Fußballtorwart Kasey Keller in dem Haus. FOTO: Wolfgang Kaiser
Viersen. Haus Donk ist eines von vier noch erhaltenen historischen Herrenhäusern in Tönisvorst. Das Anwesen, dessen Grundmauern auf das elfte Jahrhundert zurückgehen, hat innen wie außen eine eigenwillige Architektur. Von Stephanie Wickerath

Tönisvorst Die Vorster Wasserburg Haus Donk ist ein Hingucker. Das liegt daran, dass hier nichts wirklich zusammenpasst. Haus Donk ist auch kein Haus im eigentlichen Sinn. Vielmehr besteht der ehemalige Rittersitz aus einem zweigeschossigen, eckigen Turm und einer schmalen Burg mit rundem Turm, in den lediglich eine Wendeltreppe passt. Der eckige Turm ist ein historischer Wachturm in Fachwerkbau mit großem Dach und großen Fenstern. Das andere Gebäude erinnert mit seinen Backsteinen und den kleinen Fenstern an eine schmale Burg mit Rapunzelturm. Und obwohl die beiden Gebäude seit mehr als 700 Jahren nur etwa sechs Meter voneinander entfernt stehen, sehen sie bis heute aus, als hätten sie nichts miteinander zu tun. Daran ändert auch die moderne Glasverbindung nichts, die als drittes architektonisches Stilelement das Bild komplettiert.

Thomas Räck, der seit 2009 auf Haus Donk lebt, bestätigt den ersten Eindruck. "Der Fachwerkturm ist in Teilen 1000 Jahre alt", weiß der Burgherr. Der andere Teil des Anwesens stamme hingegen aus dem 13. Jahrhundert. "Und natürlich gab es immer wieder Umbauten und Anbauten, auch Feuer haben hier gewütet", weiß der 47-Jährige. Ein Blick in die Chronik zeigt, dass der runde Turm erst in der Renaissance, also erst im 16. Jahrhundert, errichtet wurde. Das dazugehörende Haus ist nur ein Teil des ursprünglich dreimal so großen Herrenhauses. Welche Ausmaße dieses Herrenhaus einst hatte, lässt der Wassergraben erahnen, der das Grundstück noch heute umgibt. "Früher gab es auch eine Zugbrücke", weiß der aktuelle Bewohner. Archäologen hätten entsprechende Rest gefunden und dokumentiert. Heute muss aber niemand mehr warten, bis der Burgherr eine Brücke herunterlässt. Der Graben ist auf der Seite der Zufahrt zugeschüttet worden.Ursprünglich galt die Wasserburg als Grenzbefestigung des kurkölnischen Amtes Kempen gegen die Herzogtümer Jülich und Geldern. Im 19. Jahrhundert wurde die Burg zerstört und erst vor 40 Jahren unter Mitarbeit der Landesregierung wieder aufgebaut. Seit 1984 steht das Anwesen unter Denkmalschutz. "Ende der 90er-Jahre gab es dann eine umfangreiche Renovierung", weiß der Burgherr. Seitdem ist Haus Donk auch im Inneren ein Mix aus historischem Gemäuer und moderner Wohnkultur. Dabei stehen die modernen Möbel in starkem Kontrast zu den rustikalen Räumen.

Thomas Räck fragt sich manchmal, was die alten Steine wohl alles erlebt haben und wer in den vielen Jahrhunderten durch die Burg gewandelt ist. "Das Wohnzimmer war früher der Rittersaal", weiß Räck. Ein Wappen auf dem steinernen Kamin erinnert daran. Einige Bewohner von Haus Donk sind bekannt. So kann man in der Vorster Pfarrkirche St. Godehard das Grabdenkmal der Eheleute van Asselt besichtigen, die im 15. Jahrhundert im Herrenhaus lebten. Aus dem 16. Jahrhundert gibt es Aufzeichnungen der Familie Wyenhorst über Kosten für Festgelage auf der Donk. Aus neuerer Zeit ist ein Bewohner verbrieft: Von 2004 bis 2007 mietete der Fußballclub Borussia Mönchengladbach das Anwesen für den amerikanischen Torwart Kasey Keller. Zu dieser Zeit lebte Thomas Räck noch in Ratingen und war selber in der Immobilienbranche tätig. "Wir haben nach einem besonderen Objekt gesucht, wir wollten etwas mit Geschichte, keine geraden Wände und sterilen Räume", erzählt der 47-Jährige. Als das Ehepaar Räck zum ersten Mal durch die Vorster Burg ging, war das Paar begeistert: 500 Quadratmeter Wohnfläche, ein großzügiger Außenbereich und im Gewölbekeller Pool und Dampfsauna. Mit einer Spa-Managerin baute Thomas Räck den Keller zum Wellness-Bereich aus. Heute können bis zu sechs Personen den Bereich nutzen. Neben Pool und Sauna gibt es Kosmetikbehandlungen und Massagen. Auch eine Übernachtung im Haus ist möglich. Obwohl Thomas Räck viel Geld in das alte Herrenhaus gesteckt hat, würde er es jederzeit wieder beziehen. "Das Haus ist ein sehr schönes und wirklich besonderes Objekt", sagt der 47-Jährige, "das gibt es so kein zweites Mal."

Quelle: RP
 
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