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Viersen
Ein schönes Mädchen am Abgrund

Viersen. In der neuen Spielzeit ist in der Viersener Festhalle das Schauspiel "Rose Bernd" von Gerhart Hauptmann zu sehen. Insgesamt umfasst das Studio-Abonnement fünf Veranstaltungen, die im kleinen Rahmen gezeigt werden.

Rose ist lebenslustig, jung und schön. Und das ist ihr Verhängnis. Das Mädchen ist dem langweiligen August versprochen, den sie auch heiraten will, dem Vater zuliebe. Doch sie hat eine Liebelei mit einem verheirateten Mann. Als sie von diesem schwanger wird, nimmt die Katastrophe ihren Lauf. Das Trauerspiel schrieb Gerhart Hauptmann, nachdem er selbst als Geschworener an einem Prozess teilgenommen hatte. Eine junge Frau war wegen Kindsmords angeklagt. Hauptmann war berührt von ihrem Schicksal - eine Geschichte, die unter die Haut geht.

In der Viersener Festhalle ist das Schauspiel am Freitag, 4. Dezember, zu sehen. Die Koproduktion der Ruhrfestspiele Recklinghausen, des Théâtre National du Luxembourg und des Saarländischen Staatstheaters Saarbrücken feierte 2013 im Recklinghäuser Festspielhaus Premiere. Inszeniert wurde das Schauspiel von Frank Hoffman, Intendant der Ruhrfestspiele. Er verlegte die Geschichte der Landarbeiterin Rose in eine Heilanstalt des 21. Jahrhunderts. Umjubelt wurde bei der Premiere besonders die Hauptdarstellerin Jacqueline Macaulay. In weiteren Rollen sind die Schauspieler Ulrich Gebauer und Wolfram Koch zu sehen, vielen Fernsehzuschauern aus der Serie "Der Lehrer" bekannt beziehungsweise aus dem "Tatort". Die "Rose Bernd" gehört in der neuen Spielzeit zu insgesamt fünf Produktionen, die in der Abonnement-Reihe "Studio" in Viersen zu sehen sind. Reizvoll an dieser Reihe ist die Intimität der Aufführung, was einen besonders intensiven Blick auf Darsteller und Bühne ermöglicht. Das funktioniert durch den Einsatz mobiler Zuschauertribünen und die vom Förderverein Festhalle gestiftete Abtrennung, so dass die Kulturabteilung der Stadt die Besuchersituation genau für die jeweilige Produktion anpassen kann. Die Zahl der Besucher kann so zwischen 150 und höchstens 400 variieren.

Den Auftakt der Reihe bildet eine Aufführung im kleinen Kreis - maximal 150 Zuschauer können sich "Macbeth für Anfänger" ansehen. Weil die Produktion einen so kleinen Rahmen benötigt, wird die Aufführung zweimal gezeigt, und zwar am Mittwoch, 21. Oktober, und Donnerstag, 22. Oktober. Für Studio-Abonnenten ist die Aufführung am 21. Oktober vorgesehen. Die Kulturabteilung hat erneut Joachim Torbahn und Tristan Vogt vom Figurentheater Thalias Komagnons eingeladen, die im vergangenen Jahr Mozarts "Zauberflöte" auf die Festhallenbühne brachten. Jetzt kehren sie mit einer außergewöhnlichen Macbeth-Inszenierung zurück: Ein von Ehrgeiz besessener Puppenspieler plant die Aufführung von Shakespeares "Macbeth". Doch als seine alten Puppen erfahren, dass sie nicht mitspielen dürfen, kommt es zum Aufstand.

Ein weiteres ungewöhnliches Puppentheater-Stück ist am Sonntag, 10. Januar 2016, zu sehen. Mit "Mathilde. Szenen aus dem Altersheim" präsentiert das Stuffed Puppet Theatre eine nachdenklich machende Geschichte auf amüsante Art. Im Mittelpunkt steht die 120-jährige Mathilde, die müde und zerzaust an einer Garderobenstange hängt. Längst wäre es für sie Zeit zu gehen, doch Mathilde wartet auf ein Zeichen ihres Liebsten aus vergangenen Zeiten, der ihr ein Versprechen gab. Bevor dieses Versprechen nicht eingelöst ist, wird Mathilde nicht gehen. Die Geschichte über das Loslassen und den Tod erzählt Puppenspieler Neville Tranter, den Viersener Zuschauern von "Vampyr" und "Schicklgruber" gut bekannt.

Am Mittwoch, 9. März, ist das Theater Poetenpack Potsdam mit Anton Tschechows Drama "Onkel Wanja" zu Gast. Die "Szenen aus dem Landleben" erzählen von Menschen, die einen Sommer auf einem Landgut verbringen. Liebe, Hass und Leidenschaft brechen sich Bahn. Sieben Schauspieler setzen in dieser Inszenierung von Andreas Hueck die unterschiedlichen Charaktere, die auf dem russischen Gut aufeinandertreffen, in Szene.

Für die Studio-Abonnenten wird regelmäßig eine Veranstaltung des Theaterfestivals "Spielarten" angeboten, in diesem Jahr ist "Der Prozess" von Franz Kafka in einer Produktion des Kom'ma-Theaters Duisburg zu sehen. Normalerweise beginnen die Veranstaltungen um 20 Uhr, da sich diese Aufführung auch an jüngere Zuschauer ab 15 Jahren richtet, beginnt sie schon um 19 Uhr. Ende ist um 20.30 Uhr. Zusatzkarten können bei der Kulturabteilung bestellt werden. Lehrer, die mit Schülern den Stoff vor- oder nachbereiten wollen, erhalten im Netz unter www.kommatheater.de Unterrichtsmaterialien.

(biro)
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