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Brüggen
Ein Telefonat führt in seelische Abgründe

Brüggen. In einer Welturaufführung inszenierte das Niederrheintheater in Schloss Dilborn das Schauspiel "Der Anruf". Verena Bill und Michael Koenen bieten in dem Zwei-Personen-Stück Spannung pur. Von Angela Wilms-Adrians

Der Titel von Stephan Eckels Schauspiel "Der Anruf" kommt geradezu provokant schlicht daher und ist doch die pragmatisch korrekte Überschrift für ein Stück mit überraschenden Wendungen. Das Zwei-Personenstück ist die dramatische Umsetzung eines Anrufs, der harmlos beginnt, dann aber den Blick in Abgründe frei gibt.

Verena Bill mimte Eva Liebermann, die Beraterin einer Computer-Hotline, und Michael Koenen den geheimnisvollen Anrufer Mark. Im locker charmanten Plauderton gab der vor, Probleme mit dem Laptop zu haben, doch zu Evas Erschrecken entwickelt der Anrufer über perfide Methoden das Profil eines Stalkers. Der hat sich offensichtlich in Evas Wohnung eingenistet, um sie mit Details aus ihrem Privatleben zu quälen. Bald aber ahnt der Besucher, dass Eva nicht nur Opfer ist, sondern eine schwere Schuld trägt und dass der Anruf damit zu tun hat.

Unter Verena Bills Regie schienen die Rollen über äußere Vorgaben zunächst eindeutig klassifiziert zu sein. Da ist Eva, die im Licht vor den weißen Wänden einer schlichten Büro-Kulisse gut sichtbar agiert und vom unerwarteten Verlauf des Anrufs überrumpelt wird, während ihr Gegenpart in schwarzer Kleidung vor dunklem Vorhang aus dem Schatten wirkt.

Doch Evas Reaktionen lassen irgendwann ahnen, dass sich hinter der vorgeblichen Schwarz-Weiß-Malerei ein dunkles Geheimnis verbirgt.

Die Darsteller loteten in konstanter Steigerung der Emotionen die überraschenden Wendungen des Stücks aus, das den Darstellern im expressiven Spiel einiges abverlangt - insbesondere der weiblichen Rolle. Bill setzte facettenreich die sich in Schrecken, Panik, Hysterie und Schuld spiegelnden Emotionen um. In Koenen fand sie einen guten Partner, der seine Stimme charmant, fast mit flirtendem Unterton, betont kalt, aber auch furios bis diabolisch abwandelte, während sein Bewegungsradius im Wesentlichen auf Stuhl und Lesepult beschränkt war.

Dem Anfang des Schauspiels hätte es gutgetan, wenn er komprimiert worden wäre, um den Spannungsbogen in der Textfülle der Dialoge zu halten. Andererseits hatte der Besucher so reichlich Gelegenheit, sich zu fragen, welche Ziele der Anrufer eigentlich verfolgt. Vor der Pause aber gewann die Aufführung an Tempo, und der zweite Teil war durchweg spannend aufgebaut und dramatisch forciert. Beim Tod bringenden Finale hätte allerdings eine kurze Andeutung genügt.

Der Autor Stephan Eckel habe dieses Stück im Gegensatz zu seinen bekannteren Erfolgswerken nicht verkaufen können. Dann aber sei es Verena Bill in die Hände gefallen, erzählte Michael Koenen nach dem anhaltenden Schlussapplaus. Dramaturgisch entspricht das Werk der aktuellen Konzentration des Niederrheintheaters auf Zwei-Personen-Stücke.

Quelle: RP
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