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Viersen
Ein Urlaubstag für die glückliche Siegerin

Viersen: Ein Urlaubstag für die glückliche Siegerin
FOTO: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen)
Viersen. Am 21. Oktober übernimmt Sabine Anemüller (SPD) offiziell das Amt von Bürgermeister Thönnessen. Bis dahin will die 52-Jährige ihren Schreibtisch in Duisburg aufräumen, erste Gespräche führen und sich ein paar Tage Auszeit gönnen. Von Sabine Janssen

An Tag eins nach der Stichwahl nahm sich Viersens neue Bürgermeisterin Sabine Anemüller frei. "Ich hatte mit meinem Chef abgesprochen, dass ich einen Urlaubstag brauche, wenn ich die Wahl gewinne. Ansonsten wäre ich arbeiten gegangen", erzählt Anemüller. Auch zwei Tage nach der Bürgermeister-Stichwahl kann die 52-Jährige ihre überwältigende Mehrheit noch nicht fassen. "Ich hatte erwartet, dass es knapp wird - in die eine oder andere Richtung."

Nach der Wahlparty am Sonntag hat sie für sich selbst eine erste kurze Wahlanalyse erstellt: "Das Ergebnis ist ein schöner Rückhalt. Ich denke, die Menschen sehen in mir jemanden, der ein Ohr für sie hat. Ich bin ihnen auf Augenhöhe begegnet, und sie nehmen mir meine Ehrlichkeit auch ab. Bürgernähe klingt oft abgegriffen, aber ich glaube, das ist es, was die Menschen suchen." Das Wahlergebnis sei auch ein Votum gegen Parteiklüngel gewesen, so Anemüllers Interpretation.

Stundenlang beantwortete die künftige Bürgermeisterin an den ersten Tagen Glückwunsch-Mails, Facebook-Einträge und Nachrichten auf dem Smartphone. "Ich habe viel Zuspruch von vielen Seiten bekommen. Viele Bürger, aber auch Institutionen signalisieren mir: Wir sind auf Ihrer Seite." Die 52-Jährige weiß, dass sie nicht allen Hoffnungen und Wünschen gerecht werden kann. "Das wäre utopisch, aber ich möchte ehrlich sein und transparente Abläufe schaffen."

Bis zu ihrer Amtseinführung am 21. Oktober wird bei Anemüller keine Langeweile aufkommen. Bereits gestern arbeitete die Diplom-Ökonomin mit Schwerpunkt Controlling wieder in der Duisburger Stadtverwaltung und muss dort zunächst einmal mit ihren Vorgesetzten ihre eigene berufliche Zukunft klären. Den eigenen Schreibtisch auszuräumen, steht noch nicht oben auf der To-Do-Liste. "Ich bin froh, dass es diese gut drei Wochen Übergangszeit gibt", sagt Anemüller.

Einige Arbeitsvorgänge möchte die Leiterin der Stabsstelle im Amt für Schulische Bildung noch vorantreiben. "Ich habe dort schließlich mehr als ein paar Tage verbracht, ich möchte das zu einem guten Abschluss bringen."

In Viersen möchte sie demnächst erste Gespräche führen. Ganz oben auf der Agenda: die Flüchtlingsarbeit. "Mir ist wichtig, dass wir die ehrenamtlichen Hilfen bündeln, sie müssen wir fördern und stärken."

Anemüller will auch weiterhin, für alle Bürger direkt ansprechbar sein. "Das, was ich als Kandidatin mit den Bürgerdialogen begonnen habe, möchte ich gern fortsetzen. Es soll Bürgersprechstunden in den Stadtteilengeben." Für viele Menschen sei die Hemmschwelle ins Rathaus zu gehen nach wie vor hoch. Deshalb will die 52-Jährige ihre Sprechstunden in Cafés oder zentralen Einrichtungen anbieten. "Für die Jugend kann ich mir auch Sprechstunden in den Schulen vorstellen."

Wie die Übergabe mit Günter Thönnessen aussehen wird, weiß Anemüller noch nicht konkret. Erste Gesprächstermine sind schon gemacht. Die Zusammenarbeit mit ihrem bisherigen Konkurrenten, dem Ersten Beigeordneten Dr. Paul Schrömbges (CDU), kann sich gut vorstellen. "Er ist sehr kompetent. Wir haben uns im Wahlkampf menschlich gut verstanden. Es war an manchen Stellen sogar schwierig, uns inhaltlich auseinander zu dividieren. Ich denke, bei der Arbeit werden wir gut miteinander klar kommen."

Und dann sollte bis zum 21. Oktober noch Zeit bleiben für ein paar Urlaubstage. "Wir hatten keine richtigen Sommerferien. Ein paar Tage Tapetenwechsel - vielleicht an die Nordsee - habe ich geplant", sagt Anemüller. Aber vorher wird sie noch mal mit ihrer Familie in kleiner Runde bei einem Essen feiern. "Sie haben das alles mitgetragen, waren hautnah dabei, und sie sind jetzt mega-stolz auf mich."

Quelle: RP
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