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Brüggen
Ein warmes Plätzchen im Stall

Brüggen: Ein warmes Plätzchen im Stall
Kameldame Charlotta und Nachwuchs Chloe verbringen die Nächte gemeinsam mit Watussi-Kühen und Zwerg-Eseln im Stall. FOTO: Knappe Jörg
Brüggen. An Heiligabend halten es die Bewohner des Brüggener Tierparks wie Maria und Josef in der Weihnachtsgeschichte: Sie verbringen die Nacht in einem trockenen Unterschlupf Von Nadine Fischer

Regen nieselt auf die matschigen braunen Wege im Natur- und Tierpark Brüggen. In ihrem überdachten Außengehege sitzen vier Erdmännchen eng aneinandergekuschelt auf einem Baumstumpf und lassen sich wärmendes Infrarot-Licht auf die Körper scheinen. Es ist Nachmittag, kurz vor Heiligabend, gleich gibt es bei den Erdmanns Abendessen: für jeden ein hartgekochtes Ei. Danach huschen die vier in ihr beheiztes Häuschen, wo sie sich wieder aneinanderkuscheln. "Sie sind genau wie wir. Wenn es kalt ist, sind sie auch lieber drinnen im Warmen", sagt Helga Kerren. Ihr Mann Stephan und sie leiten den Tierpark seit zehn Jahren. Jetzt ist Winterpause, die Rollläden am Kassenhaus sind geschlossen, die Parkbewohner beinahe unter sich. Nicht nur die Erdmännchen halten es wie Maria und Josef in der Weihnachtsgeschichte: Wer kein außerordentlich dickes wärmendes Fell hat, sucht Schutz in einem Unterschlupf.

Tagsüber bleiben viele der rund 250 Parktiere in ihren Außengehegen: die Kängurus und Ponys, Alpakas, Antilopen und schwarzen Schwäne, das asiatische Damwild und die Erdmännchen. Die beiden mit dickem, langem Fell bedeckten Jakobschafe Othello und Caruso sind sogar nachts draußen - es sei denn, es regnet. Dann hüpfen sie in ihre kleine Holzhütte und schauen vorne zur Türe raus. Die Totenkopfäffchen hingegen bleiben auch tagsüber lieber in ihrem mindestens 17 Grad warmen Affenhaus und wagen sich nur gelegentlich durch die Katzenklappe nach draußen.

Die Jakobschafe Othello und Caruso stellen sich in ihrer Hütte unter, wenn es regnet. Ihr Fell ist so dick, dass sie auch nachts draußen bleiben können. FOTO: Knappe Jörg

Den größten Stall auf dem Gelände teilen sich zwei Watussi-Kühe, vier Dahome-Kühe, sieben weibliche und zwei männliche Zwerg-Esel, Kamel-Chef Karim, seine Partnerin Charlotta und Nachwuchs Chloe. Genau in dieser Reihenfolge lassen die Tierpfleger sie jeden Tag von ihren Außengehegen hinein. Denn: "Das sind halt alles Gewohnheitstiere, die brauchen ihre Strukturen", sagt Helga Kerren. Die Watussi-Kühe legen ihre Köpfe leicht schief, damit sie mit ihren großen Hörnern, die zur Seite stehen, durch die Tür zu ihrer Box passen. Auf der anderen Seite des Ganges trotten die Dahome-Kühe rein und zupfen an den Strohballen, die Esel folgen und schnappen gleich nach den Möhren, die auf dem Boden verteilt sind. Kamel Karim stolziert hinein und sieht sich erst mal um, nebenan in der Box stecken Charlotta und Chloe die Nasen ins Heu. Wo eben noch Hufe trappeln und geschnauft wird, ist es plötzlich ganz ruhig. Fast schon weihnachtlich besinnlich.

Morgen Früh um 8.30 Uhr öffnen die Tierpfleger Ali und Hans wieder die Türen zu den Außengehegen, die beiden übernehmen in diesem Jahr die Heiligabend-Dienstschicht. "Für die Tiere ist das ein ganz normaler Tag", sagt Helga Kerren. "Aber nach dem Fest ist für sie Weihnachten", ergänzt die 53-Jährige: Dann liefert der Weihnachtsbaum-Händler aus der Nachbarschaft die Tannen, die er nicht verkauft hat. Damit können die Tiere spielen und sie anknabbern. "Von der Brüggener Tafel gibt es außerdem Obst und Gemüse, das vor Weihnachten nicht abgeholt wurde", sagt Stephan Kerren. Das sei dann auch mal Exotischeres als Blumen- oder Rosenkohl. Für die Nasenbären ist im Januar noch eine exklusive Bescherung: Sie dürfen all den Lebkuchen verputzen, den die Belegschaft bis dahin übrig hat.

Die Erdmännchen bleiben gerne dicht zusammen. Unter der Infrarot-Lampe im Außengehege verbringen sie die Tage, nach dem Abendessen zieht es sie in ihre kleine beheizte Hütte — wo sie sich direkt wieder aneinanderschmiegen. FOTO: Jörg Knappe

Wie jedes Jahr möchte Helga Kerren auch morgen mit einem Spaziergang durch den Tierpark in die Feiertage starten. Enya, die irische Wolfshündin der Familie, begleitet sie. Unterwegs genießt Kerren die Stille, die nur ab und zu von einem Blöken, Wiehern, Fiepen oder Schnattern durchbrochen wird. "Da bekommt man direkt auch mit, ob irgendetwas ungewöhnlich klingt", erzählt sie. Ihr Mann Stephan hingegen hofft, dass er morgen nicht im Tierpark ist: "Ich muss an Heiligabend nämlich immer nur raus, wenn irgendwo etwas passiert ist, ein Wasserhahn tropft oder eine Heizung nicht funktioniert." Womöglich eilt er aber auch morgen Abend zum großen Stall, um da eine ausgelassene Weihnachtsfeier zu beenden. Denn Kameldame Charlotte hat ein besonderes Talent: Sie kann die Türen zu den einzelnen Boxen öffnen. Tierpfleger Ali und Hans müssten nur vorher zufällig vergessen, wie sonst an Charlottes Box das Extra-Schloss anzubringen.

Quelle: RP
 
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