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Viersen
Einblick in die jüdische Begräbniskultur

Viersen: Einblick in die jüdische Begräbniskultur
Norbert Holzweiler, Friedhofsmeister der Stadt Viersen, führte die Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung über den Friedhof. FOTO: Busch
Viersen. Mehr als 30 Mitglieder der "Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung" informierten sich beim Rundgang über den jüdischen Friedhof in Dülken über einen etwas anderen Umgang mit den Toten. Von Ingrid Flocken

Ein jüdischer Friedhof ist etwas Besonderes: Die dort Begrabenen haben ein "Ewigkeitsrecht". Es gibt keine begrenzte Ruhezeit, die Friedhöfe dürfen auch nicht überbaut und Verstorbene nie aus dem Grab entfernt werden. Die Juden glauben an eine Auferstehung des Körpers, der deshalb unversehrt auch über Jahrhunderte liegen muss.

Norbert Holzweiler, als Gärtnermeister bei der Stadt Viersen für die Friedhöfe zuständig, führte jetzt mehr als 30 Mitglieder des KKV, der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung, über den jüdischen Friedhof in Dülken - einen von fünf in ganz Viersen.

Nachdem der erste Friedhof an der Venloer Straße 1872 keinen Raum mehr bot, erwarb die damalige jüdische Gemeinde in Dülken das Grundstück am Kampweg, das heute im Besitz der Jüdischen Gemeinde Rheinland ist. Von der Straße aus sind die wenigen Grabsteine, die die Zerstörungen der "Reichskristallnacht" 1938 überstanden haben, kaum zu erkennen, nur die am Eingang angebrachte Gedenktafel des VVV Dülken weist auf die Grabstätten hin. Die letzte Beerdigung erfolgte 1942. Der Stadt Viersen obliegt die Pflege, die regelmäßig kontrolliert wird, das Land gewährt einen Zuschuss.

Der Friedhof weist Reihengräber auf, von denen nur noch die äußeren Umrandungen sichtbar sind. Von den wohlhabenden Familien stehen noch einige große Steine, deren Inschriften in Hebräisch und Deutsch allerdings kaum noch zu entziffern sind. Die Katholiken staunten, wie eng die Gräber liegen: Jüdische Friedhöfe sind bis zu 60 Prozent belegt, christliche dagegen meist nur zu 35 bis 40 Prozent. Der Abstand ist genau vorgegeben, damit die Auferstehung gewährleistet ist. Es dürfen deshalb auch keine Beerdigungen übereinander stattfinden.

Blumenschmuck auf Grabstätten gibt es bei den Juden nicht: Wenn sie ein Grab besuchen - was nur am Todestag des Verstorbenen geschieht -, dann legen sie Kieselsteine auf den Grabstein. Dieser darf übrigens auch erst nach Ablauf des Trauerjahres gesetzt werden.

Norbert Holzweiler erzählte, dass jüdische Friedhöfe möglichst an einem Fließwasser angelegt werden: Nach der Beerdigung wäscht sich jeder die Hände und schüttelt sie trocken - schüttelt damit den Schmerz ab.

Beeindruckt von der vielen so fremden Kultur setzten sich die Teilnehmer in der "Talquelle" zusammen und ließen sich Details über die Beerdigungs-Rituale erzählen, die festgelegte Trauerzeit und die Rückkehr zum Alltag in einer Religion, von der nur noch wenige Gläubige in unserer Region leben.

Quelle: RP
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