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Viersen
"Eine Chance für die ganze Stadt"

Viersen: "Eine Chance für die ganze Stadt"
Die stellvertretende Schulleiterin der Sekundarschule Tönisvorst, Annette Stephan, sieht die Existenz ihrer Schule in Gefahr, falls diese nicht in eine Gesamtschule umgewandelt werden sollte. FOTO: Wolfgang Kaiser
Viersen. Annette Stephan, stellvertretende Schulleiterin der Sekundarschule Tönisvorst, legt die Argumente dar, die ihrer Meinung nach für eine Umwandlung zur Gesamtschule sprechen Von Stephanie Wickerath

Linda Hirth, Sekretärin in der Sekundarschule Tönisvorst, hat in diesen Tagen viel zu tun. Das Telefon im Sekretariat steht kaum still. Seit bekannt wurde, dass die Sekundarschule einen Antrag zur Umwandlung in eine Gesamtschule gestellt hat, wollen zahlreiche Eltern aus Tönisvorst, Krefeld, Kempen und Willich wissen, wann es so weit ist und wie die Chancen dafür stehen, dass die Gesamtschule zustande kommt. Der nächste Jahrgang, der bisher nur 62 Anmeldungen zu verzeichnen hatte, ist innerhalb von einer Woche auf 66 Anmeldungen gewachsen, und das, obwohl die Sekundarschule frühestens zum Schuljahr 2017/18 umgewandelt werden könnte.

"Die Gesamtschulen stoßen landesweit auf große Zustimmung bei der Elternschaft", sagt Annette Stephan, kommissarische Schulleiterin der Sekundarschule, "das ist in Tönisvorst nicht anders." Tatsächlich war schon vor vier Jahren, als die Anmeldung für den ersten Jahrgang der neugegründeten Schule lief, von vielen Eltern zu hören, dass sie lieber eine Gesamtschule für ihr Kind in Tönisvorst gehabt hätten. Die Stadt als Schulträger hatte diese Option nicht zur Wahl gestellt, weil sie anhand der Schülerzahlen keine Chance für eine Gesamtschule sah, denn diese hätte mindestens 100 Anmeldungen von Tönisvorster Kindern haben müssen.

Tatsächlich hatte der erste Jahrgang, der zum Schuljahr 2013/14 an den Start ging, 76 Anmeldungen aus Tönisvorst, 28 weitere Kinder kamen aus anderen Städten an die Tönisvorster Sekundarschule. Mittlerweile ist dieser Jahrgang, der im Sommer in die Stufe 8 kommt, auf 130 Schüler angewachsen und stabil fünfzügig. "Bei einer Umwandlung in eine Gesamtschule spielt es aber keine Rolle mehr, wie viele Schüler aus dem Ort an die Schule kommen", erklärt Annette Stephan.

Auch eine - neben dem Michael-Ende-Gymnasium - zweite Oberstufe, die laut Statuten mindestens 42 Schüler haben muss, sei möglich, sagt die kommissarische Schulleiterin: "Das ist keine Gefahr für das Gymnasium, das ist eine Chance für die ganze Stadt. Wir könnten eng zusammenarbeiten und den Oberstufenschülern eine große Auswahl an Kursen bieten, die sie wahlweise am Gymnasium oder an der Gesamtschule besuchen können." Den Schulstandort Tönisvorst mache das attraktiver.

Paul Birnbrich, Leiter des Michael-Ende-Gymnasiums, möchte sich nicht zu der möglichen Umwandlung der Sekundarschule nicht äußern. Bürgermeister Thomas Goßen lässt aber keinen Zweifel daran, dass die Entscheidung für eine Gesamtschule "das System der weiterführenden Schulen in Tönisvorst tangieren und das Michael-Ende-Gymnasium schwächen wird". Im Schulausschuss stellte der Bürgermeister klar: "Es darf keine Schule beschädigt werden."

Das, sagt Annette Stephan, sei auch ihr Wunsch. "Wenn unsere Anmeldezahlen aber dauerhaft so gering bleiben, wie sie aktuell sind, dann sind wir die nächste Schule, die ausläuft", prophezeit Stephan, und das schade dem Gymnasium ebenfalls. Bei den Gesamtschulen habe es 30 Jahre gedauert, bis sie von den Eltern anerkannt worden seien. So viel Zeit habe die Tönisvorster Sekundarschule nicht.

Quelle: RP
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