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Viersen
Eine Million Euro für die Königsburg

Viersen: Eine Million Euro für die Königsburg
FOTO: S. Bloemen-Radermacher/Bernd Hohnstock
Viersen. An der Königsburg müssen Außenhülle, Dach und Fenster erneuert werden. Kosten: rund eine Million Euro. Dafür hat der "Verein Königsburg 2.0" Fördermittel bei der NRW-Denkmalpflege beantragt. Sie könnten bis März bewilligt werden. Von Daniela Buschkamp und Bianca Treffer

Das Geländer der Freitreppe, die zum Jugendstilsaal der Königsburg hinauf führt, begeistert die Besucher: "Die Schlangenköpfe, die den Abschluss bilden, sind mir vorher nie aufgefallen", sagen viele Mitglieder des Vereins "Königsburg 2.0", die sich das frisch restaurierte Geländer anschauen. Nur ein Beispiel, was in dem historischen Gebäude bereits erneuert wurde. Und 2016 wird noch viel mehr geschehen.

Die gesamte Außenhülle mit Dachstuhl, Dach und Fenstern muss erneuert werden. Auch in die Wärmedämmung muss investiert werden. Deshalb hat der Verein Fördermittel in Höhe von rund einer Million Euro aus der Denkmalpflege des Landes beantragt. "Im ersten Quartal 2016 entscheidet es sich, ob es eine Bewilligung geben wird", sagt Vereinsvorstandsmitglied Cornelia Breidenbach. "Das Rabbitzgewölbe ist dabei die größte Maßnahme, aber schließlich ist es auch ein Denkmal-Highlight", ergänzt ihr Mann Martin Breidenbach, der als Architekt das Projekt begleitet. Dazu braucht der Verein Unterstützer und Geldgeber, denn die geplante Restaurierung hat einen immensen Umfang. "Wir haben durch das Engagement unserer Mitglieder schon viel geleistet, aber wir brauchen weitere Hilfe", so Thomas Musen. Ein Weg, um das Kino in das Bewusstsein der Menschen zurückzuholen, sind die ab 7. Januar regelmäßigen Filmvorführungen zwei Mal pro Monat. Bewerben können sie die Filmtitel aus lizenzrechtlichen Gründen aber nicht. "Wir wollen die Königsburg als kulturellen Ort beleben", sagt Breidenbach. Die Einnahmen sollen der Restaurierung dienen.

Das Geländer der Freitreppe ist ein gelungenes Beispiel für die begonnene Instandsetzung: "Wir haben es demontiert, dann wurde es gesandstrahlt und ein Schmied reparierte es", erläutert Breidenbach. Jetzt steht es wieder an Ort und Stelle, nur der Anstrich fehlt noch. "Wir wüssten gerne, wie es farblich ausgesehen hatte. Aber das haben wir bis jetzt nicht herausfinden können", sagt das Vereinsmitglied mit Bedauern. Sie ist nicht die einzige, die hofft, dass es vielleicht Süchtelner gibt, die alte Fotos vom Geländer haben oder die sich an den Anstrich erinnern können. Nicht nur für das Geländer wären Quellen wertvoll. Um das gesamte Gebäude so authentisch wie möglich restaurieren zu können, sucht der Verein alte Aufnahmen und Erinnerungen der Bürger.

Im März 2015 hatte Thomas Musen mit Thomas Hoffmanns und fünf Mitstreitern den Verein "Königsburg 2.0" gegründet. Sein Ziel: die Königsburg, die einst die gute Stube von Süchteln war, zu retten und wieder mit Leben zu füllen. Dafür ist bereits einiges getan worden. Nach dem Kauf des denkmalgeschützten Gebäudekomplexes erhielt der 1908 erbaute Jugendstilsaal einen neuen Estrich, die Freitreppe wurde saniert, eine neue Heizung im Vorderhaus installiert und die einsturzgefährdete Mauer an der Irmgardisstraße instandgesetzt. Auch das Fundament für einen behindertengerechten Aufzug wurde gelegt. Wichtig: das Abstützen eines Dachbinders mit neuen Balken. Möglich machten diese Maßnahmen die Beiträge der Mitglieder, private Spenden, eine städtische Zuwendung aus der Denkmalpflege und Mittel der Sparkasse Krefeld. Und auch die Mitglieder selbst packten mit an: Sie klopften alte Steine ab, putzten, stemmten, schraubten, verlegten Kabel und montierten Leuchten.

Außerdem stellten sie das Kulturprogramm auf die Beine. Dazugehörte die Teilnahme am Tag des Denkmals, Lesungen, ein Benefizkonzert und regelmäßige Kinoabende. "Es ist uns wichtig, schon während der Restaurierung mit einem Kulturprogramm zu beginnen", sagt Musen. Man wolle zeigen, dass die Königsburg wie Dornröschen bereits aus dem Schlaf erwacht ist. Wie sehr die Menschen an dem Projekt Anteil nehmen, zeigt nicht nur die gute Annahme der Veranstaltungen: Ein Viersener schenkte dem Verein die alten Philips Film-Projektoren, die einst in der Königsburg fürs Kinovergnügen liefen. Er hatte die Gerätschaften und alte Filmrollen über Jahre in seinem Keller aufbewahrt. Der Verein will die Projektoren an ihrem ursprünglichen Standort wieder aufstellen. Ein weiteres Stück Geschichte, das heimkehrt.

Quelle: RP
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