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Niederkrüchten
Eine neue Orgel für St. Bartholomäus

Niederkrüchten. Stück für Stück wird in der katholischen Kirche zurzeit eine Orgel errichtet. Gemeindemitglieder spendeten mehr als 300.000 Euro Von Heide Oehmen

Wie eine große Lagerhalle erscheint zurzeit der Eingangsbereich der Kirche St. Bartholomäus. Überall liegen oder stehen Holzpfeifen, diejenigen aus Metall lehnen an den Wänden - einzeln eingepackt, um sie vor Schäden zu bewahren. Um eine Säule in der Mitte der Kirche haben Mitarbeiter der Firma Derix aus Niederkrüchten-Dam eine hölzerne Empore errichtet, die von kräftigen runden Holzpfeilern getragen wird. Auf dieser Empore ist das fast bis zum Gewölbe reichende Orgelgehäuse aus Eichenholz positioniert - daran arbeiten Orgelbaumeister Martin Scholz, ein Tischlermeister und ein Auszubildender seiner Mönchengladbacher Firma.

Die Finanzierung der Bartholomäus-Orgel ist eine einzige Erfolgsgeschichte. In nur drei Jahren war bereits Dreiviertel des Endpreises angespart - auch durch eine Einzelspende in Höhe von 100.000 Euro. Aber auch insgesamt seien Bereitschaft und Anteilnahme der Gemeinde und der Gremien beachtlich, berichtet Mertens. Sogar Pfarrer Schweikart besuchte in den vergangenen Monaten mehrmals die Mönchengladbacher Orgelwerkstatt, um den Fortgang der Arbeiten zu begleiten.

Die Strukturen dieses sehens- und mit Sicherheit auch hörenswerten Instrumentes haben sich in mehrjährigen Vorgesprächen herausgebildet. "Mit Herrn Mertens, dem zuständigen Kirchenmusiker, und mit dem Viersener Architekten Professor Heinz Döhmen, mit dem ich häufig zusammenarbeite, wurden unterschiedliche Standorte in der Kirche durchdacht", sagt Orgelbaumeister Martin Scholz. "Wir haben uns dann für diesen Platz, fast mittig im Kirchenraum, entschieden, weil das sowohl optisch als auch akustisch wohl am besten sein wird. Auch die Bedenken der Kunstkommission des Bistums konnten wir mit einiger Mühe zerstreuen" zeigt sich Scholz erleichtert.

Das Kirchengewölbe spiegelt sich in den hölzernen Bögen der sogenannten Schleierbretter wider, die demnächst die Pfeifenreihen umschließen werden. Auch die Seiten des Orgelgehäuses sind durchlässig, sodass der Klang nach drei Seiten abstrahlen kann. Auf zwei Manuale und Pedal verteilt, wird die Orgel zunächst zweiundzwanzig klingende Register haben, wobei "horizontale Trompeten", die ganz weich intoniert sein werden, eine Besonderheit darstellen. Zwei weitere Register, die nicht mehr in den Finanzrahmen gepasst hätten, können nachgerüstet werden, sobald das Geld dafür vorhanden ist.

Martin Scholz legt Wert auf einen weichen, bewusst grundtönigen Klang mit sorgsam gewählten, klar zeichnenden Soloregistern. Diese Orgel ist wie zu Zeiten Johann Sebastian Bachs rein mechanisch - es gibt weder elektrische noch elektronische Spielhilfen.

Zwischen den Schleierbrettern ist oben eine recht umfangreiche Aussparung zu sehen - dort wird ein Gong mit 90 Zentimetern Durchmesser seinen Platz finden. Er ist vom Spieltisch aus mit einem Fußtrittes zu bedienen. Volker Mertens freut sich schon darauf, diesen bei Improvisationen zu verwenden oder vielleicht einmal mit einem Gongschlag ein Konzert zu eröffnen. Martin Scholz kann es kaum erwarten, dass seine Mitarbeiter den Orgelaufbau vollenden - dann wird er acht Wochen lang, nur unterstützt von einem einzigen Assistenten, das neue Werk intonieren, also klanglich optimal auf den Raum abstimmen. "Wenn die ersten Pfeifen sprechen, das ist immer der größte und spannendste Moment für einen Orgelbauer" erklärt er mit spürbarer Vorfreude.

Quelle: RP
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