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Viersen
Einspruch gegen geplanten Edeka

Viersen: Einspruch gegen geplanten Edeka
Passanten auf der Hauptstraße in der Viersener Innenstadt. FOTO: Busch
Viersen. Der Werbering "Viersen aktiv" und die ISG Nordstadt kritisieren die Größe des geplanten Edeka-Markts an der Brüsseler Allee. Ein neues Gutachten bestätigt: Der Markt würde der Viersener City schaden Von Martin Röse

Die Fraktionsvorsitzenden der Viersener Ratsparteien werden in den nächsten Tagen dicke Post bekommen: ein 42 Seiten starkes Gutachten, das die Größe des geplanten Edeka-Marktes an der Brüsseler Allee scharf kritisiert. Absender: der Werbering "Viersen aktiv" und die ISG Nordstadt. Gemeinsam haben beide Gemeinschaften gegen den geplanten, knapp 1900 Quadratmeter großen Edeka jetzt bei der Stadt Viersen Einspruch eingelegt.

"Aktuell verändert sich die Nahversorgung im Viersener Stadtzentrum dramatisch", sagt Winfried Tackenberg, Vorsitzender der ISG Nordstadt. "So wurde schon vor wenigen Monaten der kleinste Kaiser's-Markt an der Hauptstraße geschlossen." Auch die beiden anderen Kaiser's-Märkte im Löhcenter und an der Ernst-Moritz-Arndt-Straße sind von der Schließung bedroht.

Würde der Edeka an der Brüsseler Allee gebaut, sei es wahrscheinlich, dass eine Nahversorgung in der Innenstadt durch Vollsortimenter künftig komplett wegfalle, so Tackenberg. Bester Beweis: Rewe überlegte seit längerem, in der Rathausmarkt-Galerie eine Filiale zu eröffnen. Vor wenigen Tagen erteilte die Kette dem neuen Inhaber nun eine finale Absage.

"Obwohl der neue Edeka-Markt noch gar nicht gebaut ist, hat das Wissen um ihn und seine geplante Größe zur sich abzeichnenden Verschlechterung maßgeblich beigetragen", sagt Tackenberg. Laut dem von ISG und Werbering in Auftrag gegebenen Gutachten, das unserer Redaktion vorliegt, würde der Edeka-Markt lediglich rund 30 Prozent seines Umsatzes aus der Nahversorgung im direkten Umfeld erzielen. Die übrigen knapp 70 Prozent würde der Edeka-Markt aus weiter entfernten Regionen abschöpfen, darunter auch dem Viersener Innenstadtbereich. "Damit aber wäre die Grundlage für eine Ausnahmegenehmigung nicht erfüllt", betont Tackenberg. Freilich: Investor und Stadt hatten ebenfalls Gutachten in Auftrag gegeben, die das Gegenteil belegen sollten. Die Umsatz-Umverteilung aus der Innenstadt betrage gerade einmal acht Prozent, heißt es in dem entsprechenden Bericht des Büros Bulwiengesa - Gerichte sehen im Fall einer Klage im Regelfall einen Wert bis zehn Prozent als akzeptabel an. Das von Werbering und ISG beauftragte Gutachterbüro kommt in seiner Expertise auf eine Umsatz-Umverteilung von elf bis zwölf Prozent - und attestiert den Kollegen von Bulwiengesa "methodische und inhaltliche Mängel", die sich direkt auf die Höhe der abgeleiteten Verkaufsfläche durchschlügen. Laut Einzelhandelskonzept der Stadt Viersen wäre an der Brüsseler Allee ein Markt von rund 1400 Quadratmetern angemessen. Zu diesem Ergebnis kommt auch das neue Gutachten. "Fast schon ein Schildbürgerstreich wäre, dass die Nahversorgung für den Stadtpark Robend, wo überwiegend mobile Familien wohnen, gestärkt würde", sagt Tackenberg. "In der Innenstadt aber, wo überwiegend ältere Menschen, viele mit Gehbehinderungen, leben, würde Nahversorgung zukünftig ein Fremdwort sein."

Quelle: RP
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