| 15.16 Uhr

Viersen
Eiserne Reserve schwindet

Viersen. Die Bauhöfe in Brüggen, Niederkrüchten und Schwalmtal kämpfen mit dem Neuschnee und portionieren sparsam ihre letzten Salzvorräte. Alle Gemeinden bitten um Verständnis dafür, dass nur die Hauptstraßen gestreut werden. Von Gabi Laue

Brüggen/Niederkrüchten/Schwalmtal Die Gemeinde Schwalmtal erreichte gestern eine Hiobsbotschaft: Eine für heute zugesagte Salzlieferung hat der Großhändler storniert. "Weder im Handel noch bei den umliegenden Kommunen ist das dringend benötigte Streusalz in den erforderlichen Mengen zu bekommen", erklärte Joachim Stuwe, stellvertretender Fachbereichsleiter Bauwesen. "Das hat zur Folge, dass der Streudienst auf den Gemeindestraßen voraussichtlich ab dem kommenden Wochenende nicht mehr in der bisher praktizierten Form durchgeführt werden kann." Das heißt: Hauptverkehrsstraßen und bekannte Gefahrenstellen werden mit Salz gestreut, für Nebenstraßen, Fußwege und Parkplätze bleiben nur abstumpfende Mittel wie Sand und Split.

Einsatz auf höchstem Niveau

In den Nachbargemeinden das gleiche Problem: "Alle stehen mit dem Rücken zur Wand", sagte Stuwe. Im langjährigen Schnitt habe die Gemeinde Schwalmtal 120 bis 150 Tonnen Salz pro Jahr verbraucht, in diesem Winter seien schon mehr als 150 Tonnen auf die Straße gebracht worden. Die zweite Nachlieferung von 60 Tonnen kommt vielleicht nächste Woche. "Wir geben die Hoffnung nicht auf", versichert Stuwe. "Für etwa fünf Streutage haben wir noch Salz." Dagegen sind Sand und Split in ausreichenden Mengen verfügbar. Mit drei Unimogs mit Räumschild und zwei kleineren Fahrzeugen werde "Einsatz auf allerhöchstem Niveau" gefahren. Doch seien einige Zeitgenossen der irrigen Meinung, "dass jede kleinste Gefahrenstelle unverzüglich beseitigt werden muss". Stuwe nahm seine Mannschaft in Schutz: "Zwölf Leute sind seit zwei Wochen rund um die Uhr im Einsatz und schuften sich krumm."

Brüggen setzt Hoffnung auf eine Schiffsladung aus Duisburg. "Wenn die ankommt, könnten wir Montag beliefert werden", hofft Bauhofleiter Ulrich Beenen. Er hat gestern die Streu-Strecke abgefahren und nachgemessen: 100 Kilometer für die beiden Bezirke Brüggen und Born sowie Bracht, Lüttelbracht und Boerholz, wo zwölf Mann mit zwei Unimogs mit Schneeschild und Streuteller sowie zwei Schleppern mit Räumschild unterwegs sind. Am Tag vor Heiligabend hatte der Bauhof 60 Tonnen Salz im Silo gebunkert und zehn Tonnen lose – alles weg. Die letzte Reserve wird eisern rationiert für Steigungen wie Westring, Hagenkreuz- oder Bergstraße. "Wir haben jetzt noch fünf bis sechs Tonnen", so Beenen.

"Das könnten unsere sein", schätzt der Niederkrüchtener Bauhofchef Detlef Wagner – die Gemeinde hatte Brüggen ausgeholfen. Jetzt verfügt Wagner über 13 Tonnen "Sackware". 100 Tonnen sind aufgebraucht, die gleiche Menge ist bestellt. Die Gemeinde wies gestern auf einen eingeschränkten Winterdienst in den nächsten Tagen hin. "Wir werden gerade so bis Montagmorgen hinkommen", hofft Wagner. Während starker Schneefälle – wie ab heute zu erwarten – kann ohnehin nur geräumt werden.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Viersen: Eiserne Reserve schwindet


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.