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Schwalmtal
Endlich schneller surfen in Lüttelforst?

Schwalmtal: Endlich schneller surfen in Lüttelforst?
Das Unternehmen Deutsche Glasfaser startet in Schwalmtal einen zweiten Anlauf. FOTO: Berns
Schwalmtal. Die Deutsche Glasfaser startet in Schwalmtal einen neuen Versuch für ein Glasfasernetz. Die Lüttelforster, die im ersten Anlauf genügend Vorverträge unterschrieben hatten, könnten über Tetelrath angeschlossen werden. Von Birgitta Ronge

Groß war die Enttäuschung im Frühjahr 2014, als sich das Unternehmen Deutsche Glasfaser von Brüggen, Niederkrüchten und Schwalmtal verabschiedete. Denn viele Menschen hatten die Vorverträge unterzeichnet, die das Unternehmen gefordert hatte, doch es waren nicht genug. Für die größeren Ortsteile hatte das Unternehmen eine Mindestnutzerquote von 40 Prozent gefordert, für die kleineren Orte von 60 Prozent. Diese Zahlen wurden fast nirgendwo erreicht.

Das kleine Waldhufendorf Lüttelforst ging beispielhaft aus dem Rennen um die Vorverträge hervor - dort wurde eine Quote von 67 Prozent erreicht. Doch Grund zum Jubel hatten die Dorfbewohner nicht, der ersehnte Anschluss ans schnelle Internet blieb aus. Jetzt scheint das schnelle Internet für Lüttelforst in greifbare Nähe gerückt zu sein. Die Deutsche Glasfaser startet in Schwalmtal einen zweiten Anlauf, wie Marco Westenberg für das Unternehmen im Ausschuss für Planung, Umwelt und Verkehr erläuterte. Technisch habe sich im Vergleich zum ersten Anlauf 2013 einiges geändert. Damals sei es nicht möglich gewesen, nur kleinere Orte anzuschließen. Da nun Glasfaserverbindungen im Kreis Heinsberg gelegt und auch Rickelrath, Merbeck und Tetelrath angeschlossen werden, könnte die Verbindung von dort aus nach Lüttelforst gelegt werden. Und man benötige auch die großen Verteilerschränke nicht mehr, so Westenberg. Man nutze jetzt kleinere Schränke, an die 300 bis 400 Nutzer angeschlossen werden könnten.

Der Anschluss Lüttelforsts über Tetelrath könnte am 15. Januar beginnen, so Westenberg. Zum 1. März könnte der Ausbau in Hehler und Fischeln, Rüsgen und Haversloerhof starten. Folgen könnten Dilkrath, Heidend, Felderseite und die Renneperstraße, dann Leloh, Naphausen, Berg, Eicken, Birgen, Hagen, Kranenbruch und End. Wie man festgestellt habe, werde das Angebot der Deutschen Glasfaser in den Sektionen stärker nachgefragt als in den Ortszentren - was wohl damit zusammenhänge, dass in den Sektionen die Verbindung oftmals deutlich schlechter sei als in den Ortskernen, so Westenberg.

Er kündigte an, dass die Deutsche Glasfaser zunächst in Lüttelforst, Hehler, Fischeln, Rüsgen und im Haversloerhof die Haushalte fragen wolle, ob sie noch mitmachten. Denn die 2013 unterzeichneten Vorverträge sind inzwischen nichtig. Die Haushalte, die Vorverträge abschlossen, werden also Post erhalten. Bernd Gather, allgemeiner Stellvertreter des Bürgermeisters, bat Westenberg, im Zuge des Glasfaserausbaus auch den Anschluss von Gewerbegebieten zu prüfen.

Einstimmig begrüßten die Ausschussmitglieder die erneuten Aktivitäten der Deutschen Glasfaser, in Schwalmtal sogenannte FTTH-Verbindungen zu legen. Die Abkürzung steht für "Fiber to the home" - "Glasfaser bis in jeden Haushalt". Dadurch, dass jeder Haushalt einen eigenen Anschluss erhält, bleibt die Datenübertragungsrate gleichmäßig hoch - unabhängig davon, wie viele Nutzer in einem Gebiet gerade im Internet unterwegs sind, etwas hoch- und runterladen.

Daneben ist auch "Fiber to the curb" (Glasfaser bis zum Anschlusskasten") für Schwalmtal im Gespräch. Für die letzten Meter bis zum Haus wird dabei weiterhin das klassische Kupferkabel der Telefonleitung genutzt, wodurch die Übertragungsrate niedriger ist als bei einer eigenen Glasfaserleitung, die bis in die Wohnung führt. Die Telekom hatte vor einigen Monaten erklärt, große Teile Schwalmtals bis Ende 2016 mit FTTC-Technik ausrüsten zu wollen, dies würde aber nur für die dicht besiedelten Ortskerne von Waldniel und Amern gelten. Wollte man in Schwalmtal weitere Gebiete einbeziehen, müsste die Gemeinde finanziell einspringen. Dafür könnte sie gegebenenfalls eine 90-prozentige Förderung erhalten. Gespräche gibt es auch mit der RWE FiberNet, die daran interessiert sei, Teile der Grenzlandgemeinden, die die Telekom nicht im Eigenausbau übernehmen würde, aufzurüsten, berichtete die Gemeindeverwaltung, die in ihrer Vorlage für die Sitzung vorschlug, die Versorgung der nicht von der Telekom ins Auge gefassten Gemeindeteile nach den aktuellen Förderrichtlinien auszuschreiben, um allen Versorgern die Möglichkeit zu geben, ein Angebot zu machen. Dr. Marco Kuhn (SPD) warnte vor einem schnellen Entschluss: Schwalmtal stehe vor einer "historischen Entscheidung", man stelle jetzt "die Weichen für die nächsten Jahrzehnte". Die Gemeinde solle doch zunächst versuchen, flächendeckend FTTH zu bekommen, bevor man sich für FTTC entscheide. So beschloss der Ausschuss, weitere Informationen, auch über Fördermöglichkeiten, einzuholen, und die Entscheidung zunächst zu vertagen.

Quelle: RP
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