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Viersen
Entführt in eine poetische Welt

Entführt in eine poetische Welt
Entführt in eine poetische Welt FOTO: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen
Viersen. In der Festhalle bot Meret Becker statt Jazz erfrischend Unkonventionelles. Von Dieter Mai

Mit ihrem Konzert auf der Hauptbühne am Freitag polarisierte die Schauspielerin und Sängerin Meret Becker. Während die Darbietung den ein oder anderen Jazz-Puristen ratlos zurückließ, waren viele andere fasziniert von der Ausstrahlung der Künstlerin und der poetischen Kraft ihres Auftritts.

Wussten Sie schon, dass das englische Wort "visitors" nicht nur die Besucher, sondern auch die Zugvögel meint? Was Feen und Cowboys gemein haben oder dass die Finnen das Lasso erfanden? Das alles und noch einiges mehr erfuhren die Besucher am späten Freitagabend auf der Hauptbühne der ausverkauften Festhalle. Dort bot Becker erfrischend Unkonventionelles. Statt Jazz gab es - musikalisch betrachtet - American Folk, Country und Bluegrass. Das gefiel nicht jedem, so dass ein Teil der Plätze sich vorzeitig leerte.

Das war das Viersener Jazz Festival 2015 FOTO: Andreas Döring

Diejenigen, die blieben und sich darauf einließen, genossen einen Abend voller melancholisch-verschrobener Geschichten wie die vom Cowboy, der vorbeikam, um das Fürchten zu lehren, oder die kurze Hollywood-Karriere der Anna Magnani. Die Kombination aus Beckers Berliner Schnauze und den teils formal strengen Americana-Arrangements faszinierte nicht zuletzt dank souverän agierender Begleitmusiker. Die Background-Stimmen Olivia Uhlig und David Gaffney wussten dabei ebenso zu überzeugen wie Tayfun Schulzke an Drums und Percussion und Gitarrist Buddy Sacher. Dass Meret Becker seit vielen Jahren in ganz unterschiedlichen musikalischen Projekten involviert ist, merkte man ihrem überzeugend variablen Gesang deutlich an. Von süßer Sirene bis zu schnoddrigg-lasziver Chanson-Diva zog sie zahlreiche Register.

Und so ließen sich die verbliebenen späten Gäste beim Viersener Festival bereitwillig entführen in die poetische Welt der melancholischen Bänkelsängerin mit der singenden Säge, die mal traurig, mal schnippisch allerlei Geheimnisse über die Liebe und das Leben verriet - jedenfalls das Leben in einem Texmex-Berlin, in dem Tom Waits zum Soundtrack von "From Dusk Till Dawn" mit den Zuhörern in den Sonnenuntergang reitet. Bezaubernd, verzaubernd.

Quelle: RP
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