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Brüggen
Erinnerungen an die Nazi-Zeit

Brüggen. Die Jahre 1933 bis 1945 standen beim Heimatabend in Bracht im Mittelpunkt.

Mit fast 60 interessierten Brachtern war der Raum in der Ratsstube voll besetzt. Es galt schließlich, etwas aus der eigenen Vergangenheit zu sehen und zu hören, zu dem die meisten im Raum eine Beziehung hatten. Zum Thema der Heimatfreunde "Bracht - 1933 bis 1945" las Willy Hauser abwechselnd mit Karin Gottwald aus den oftmals sehr detaillierten Aufzeichnungen von Hans Wolters vor und zeigte dazu Fotos aus dem Archiv von Walter Feyen. "70 Jahre nach Kriegsende sollten wir uns damit endlich beschäftigen", meinte Hauser. Und so beantwortete er die Frage "Wie war das möglich?" mit vielen Schilderungen Wolters', die mit der "Machtergreifung" am 30. Januar 1933 begannen und mit dem Einmarsch der Amerikaner am 1. März 1945 in Bracht endeten. Immer wieder meldeten sich Zuhörer: Fast jeder kannte irgendeine abgebildete Person - sei es von der Hitlerjugend oder dem Bund Deutscher Mädel, beim Schützenfest oder den vielen Volksfesten, die gerade unter dem Hitler-Regime vor allem zum Tag der Arbeit veranstaltet wurden.

Da war vom ständigen Auswechseln der Bürgermeister und Lehrer die Rede, die die ersten Opfer der Verfolgung durch die neuen Machthaber wurden. Auch Statistiken hat Wolters gesammelt, aus denen die Ergebnisse zum Beispiel der Reichstagswahlen hervorgingen: Jedes Mal hatten von den knapp 2000 wahlberechtigen Brachtern mehr als 1800 für die NSDAP gestimmt.

Doch das interessierte die Zuhörer weniger, das wussten sie ja von den Eltern. Interessanter war es zu hören und auf Bildern zu sehen, wer Meisterprüfungen in welchen Handwerken ablegte und dass beim großen Waldbrand 1935 mehr als 500 Helfer im Einsatz waren. Im Jahr 1936 gab es in Bracht keinen Arbeitslosen - als erste Gemeinde im Kreis. Die Umbenennung einzelner Straßen in Bracht nach Nazi-Größen hat bis heute Folgen: Denn gleichzeitig wurde die Nummerierung der Häuser eingeführt - gerade Nummern auf der einen Seite, ungerade auf der anderen. Diese Regelung gilt noch immer.

Oft kann Feyen seine Archivbilder keinem Jahr zuordnen. So galt Hausers Bitte, so weit möglich hier zu helfen. Auch von den Bombenschäden in Bracht vom 1. August 1942 gibt es einige Bilder. Eine der Bomben wurde erst im Frühjahr 2015 gefunden. Arbeitsdienst und Wehrdienst, auch die Evakuierung waren Themen. Es gab auch Kritik: "Von Frauen hat hier keiner gesprochen, die wurden auch zum Arbeitsdienst eingezogen." Einhellig war jedoch der Beifall für die Gestaltung dieses Heimatabends.

(flo)
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