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Viersen
Erzieherinnen übergeben Bürgermeister 1500 Unterschriften

Viersen. Günter Thönnessen hatte offenbar Zeitung gelesen. Deshalb wusste er auch ohne offizielle Anmeldung, dass gestern Nachmittag Besuch von Verdi-Vertretern und streikenden Erzieherinnen ins Haus stand. Der Bürgermeister nahm die rund 1500 Unterschriften von der Viersener Verdi-Vertrauensfrau Lena Nippeßen und dem Gewerkschaftssekretär für den Kreis Viersen, Nils Graf, entgegen. Von Sabine Janssen

Die Erzieherinnen hatten bei den Viersener Bürgern Unterschriften gesammelt, um ihrer Forderungen nach rund zehn Prozent höheren Löhnen und auch nach mehr gesellschaftlicher Anerkennung Nachdruck zu verleihen. "Wir sind jetzt in der vierten Streik-Woche. Wir wissen auch, dass es für viele Eltern schwierig ist, aber der Rückhalt ist immer noch groß", sagte Graf.

Thönnessen äußerte in der Gesprächsrunde mit den zehn Erzieherinnen viel Verständnis für ihre Forderungen. "Es wird fruchtbar viel Geld für furchtbar viel Quatsch ausgegeben", sagte der Bürgermeister mit dem Verweis auf Rüstungsausgaben. Erziehung und Bildung gebe es nicht zum Nulltarif. Thönnessen wand aber auch ein, dass die Kommune das Geld nicht habe und auch auf die Verhandlungen keinen Einfluss besitze.

Bei den Verständnisbekundungen ließen es Nils Graf und Lena Nippeßen nicht bewenden. "Was gedenken Sie als Bürgermeister denn nun konkret zu tun?", fragte die Verdi-Vertrauensfrau. Thönnessens Antwort, er wolle bis Donnerstag erst einmal das Verhandlungsergebnis abwarten, ließ die Erziehering nicht gelten: "Und was machen Sie mit unserer Unterschriftenliste?" hakte sie nach.

Das Argument, dass er als Bürgermeister den Verhandlungsführern des Kommunalen Arbeitgeberverbands nicht in den Rücken fallen könne, ließ sie nicht gelten. Ein paar Wortwechsel weiter stellte sie fest: "Ich habe noch keine konkrete Antwort von Ihnen." Darauf konterte Thönnessen selbstironisch: "Das ist auch mein Job." Schlussendlich rang Nippeßen dem Bürgermeister das Versprechen ab, dass er die Unterschriftenliste weiterleiten werde mit einem persönlichen Anschreiben an den Kommunalen Arbeitgeberverband, dass ihm am baldigen Ende des Streiks gelegen sei.

Die streikenden Erzieherinnen verließen das Bürgermeister-Büro mit gemischten Gefühlen. "Das war das übliche Gerede", sagte ein Verdi-Mitglied unzufrieden. "Er hat sich nicht mit einem Termin herausgeredet, und er hat sich eine Stunde für uns Zeit genommen", sagte Graf anerkennend. Auch Nippeßen zeigte sich zufrieden. Keines der Viersener Verdi-Mitglieder ist allerdings davon überzeugt, dass die gestern Abend begonnene Verhandlungsrunde zu einer Einigung führen wird. "Wir haben keine Angst, weiter zu streiken", sagte die Verdi-Vertrauensfrau.

Quelle: RP
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