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Viersen
European Jazz Trio begeistert im Quintett

Viersen. Mit Markus Türk und Manfred Heinen hatte das Trio Vertreter der Nachfolgegeneration eingeladen. Von Ottmar Nagel

Dem Ruf des Viersener Jazz Circle zu einem Konzert mit dem European Jazz Trio waren zahlreiche Freunde der improvisierten Musik gefolgt. Ali Haurand, Jiri Stvin und Gerd Dudek hatten zwei Vertreter der Nachfolgegeneration eingeladen: Markus Türk und Manfred Heinen machten aus dem Trio ein Quintett und sorgten mit dafür, dass es unterhaltsamer Konzertabend wurde. Die Musiker spielten nicht - wie sonst üblich - ein Stück auf das andere folgend. Sie verbanden mehrmals verschiedene Stücke miteinander, spielten immer wieder in unterschiedlichen Besetzungen vom Tutti bis zum Duett. Auch dieser Konzertansatz sorgte dafür, dass ein lebendiges und abwechslungsreiches Programm auf der Bühne des Weberhauses erklang.

Haurands bekanntes Bassthema von Pulque holte den solierenden Stivin auf der Querflöte ins Bandgeschehen-Thema im Bläsersatz, und dann kamen die Improvisationen, in welchen die Musiker ihre besonderen Qualitäten vorstellten. Und dass hier exzellente nicht umsonst erwartet wurden, diesem Anspruch wurden alle Musiker gerecht. Das Ansinnen, dabei auch stets miteinander zu musizieren und sich nicht auf solistische Höhenflüge zu verlassen, wurde nie aus den Augen verloren - ein besonderes Verdienst von Manfred Heinen am Flügel, der immer wieder seine Mitspieler erfolgreich zum musikalischen Dialog motivierte, indem er deren Melodien und Rhythmen in seiner "Begleitung" widerspiegelte. Kein Wunder, dass es immer wieder begeisterten Zwischenapplaus gab. Es wurde ein Jazzklassiker wie "Autumn Leaves" zum Leben erweckt, Charlie Marianos berühmtes "Plum Island" liebevoll in Szene gesetzt, "No More Chains" klang ebenfalls an und Coltranes "Some Other Blues" zelebriert. Stivin steuerte mehrere Kompositionen bei, die sich durchaus melodisch an der Folklore orientierten - ein toller Kontrapunkt zu den Improvisationen, die sich bis hin zu sehr freien Passagen entwickelten. Seine Melodien hatten schon Ohrwurmcharakter, und seinem Ruf als "Eulenspiegel" wurde er nicht nur einmal mehr als gerecht. Dass er ein Missgeschick wie das Herunterfallen der Noten in eine humorvolle Situation verwandelte war nur ein Beispiel dafür.

Dass es mit dem Flügel Probleme gab (eine Taste versagte den Dienst) konnte die gute Laune auf der Bühne nicht wirklich gefährden: Die Spielfreude stand im Mittelpunkt, das gemeinsame Musizieren, die Konzentration auch bei den solistischen Ausflügen der Mitspieler. So war es nur folgerichtig, dass es viel Schlussapplaus und eine Zugabe geben musste.

Quelle: RP
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