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Viersen
Fahnenschwenken vom Feinsten

Viersen. Eine außerordentliche Meisterschaft und eine prunkvolle Parade im Rahser: Die Diözesan-Jungschützen feierten zwei Tage ein großes, gelungenes Fest. Von Paul Offermanns

Die Zehnjährige war unübersehbar nervös, das Lampenfieber hatte ihren Körper fest im Griff - bis Elena Berger das Startsignal bekam. Die Marschmusik ertönte, und die Schülerin der vierten Klasse der Gemeinschafts-Grundschule Waldniel wickelte in 30 Sekunden ihr Pflichtprogramm ab, zeigte, wofür sie seit Monaten trainiert hatte.

Beim Diözsan-Jungschützentag am Wochenende im Viersener Stadtteil Rahser - ausgerichtet von der St.-Notburga-Bruderschaft Rahser - gab's eine ungewöhnliche Meisterschaft: im Fahnenschwenken. 70 Mädchen und Jungen nahmen in der Sporthalle der Anne-Frank-Gesamtschule teil. "Ich hatte bei unserem Schützenfest den älteren Mädchen zugesehen. Wie sie die Fahnen in die Höhe warfen, das fand ich einfach toll", erklärte Elena Berger, wie sie zum Fahnenschwenken kam. Sie ging für die St.-Josef-Schützenbruderschaft Hehler an den Start.

Das Fahnenschwenken bedeutet mehr, als irgendwie einen Lappen Stoff herumzuwirbeln. Das erklärt sich aus dem religiösen Hintergrund: Die Fahnenschwenker stellen mit ihren Figuren die Fesselung und Entfesselung des Heiligen Sebastianus dar, dem Patron der Schützen. Dabei symbolisiert die Fahne das fesselnde Seil. Das wurde der Legende nach zuerst von rechts und links um den Hals des Sebastianus geworfen. Danach wurden beide Hände in den Nacken gebunden. Als sich die Seile zuzogen, wurde der Heilige rückwärts gegen einen Baum gedrückt. Bogenschützen hielten den ohnmächtigen Sebastianus für tot und ließen von ihm ab.

Wie oft Christoph van Dyck die Legende schon gehört hat, weiß er nicht mehr. Der 41-Jährige, Mitglied der St.-Antonius-Schützenbruderschaft Born, ist ein Routinier. Seit 1980 schwenkt er die Fahne. "Ich kam damals als Fünfjähriger über meinen Vater zum Schwenken. Er bastelte mir eine 60 mal 60 Zentimeter große rot-weiße Fahne aus einer alten Flagge, die zur Kirmes aushing." Das Fahnenschwenken macht ihm noch heute großen Spaß. Sein Tuch ist 1,40 mal 1,40 Meter groß. "Diese Fahne ist schwerer. Ich muss beim Schwenken mehr Kraft aufwenden", sagte der Borner Fahnenschwenkmeister. Seine Spezialität ist, die Fahne auf den Fuß zu legen. "Ich drehe mich dann auf einem Bein um die eigene Achse", erzählt er. Dem Wettbewerb sieht er gelassen entgegen, verspürt keinen Druck: "Eigentlich habe ich schon alles gewonnen, was es zu gewinnen gab: von der Bezirks- über Diözesan- bis zur Bundesmeisterschaft."

Das Fahnenschwenken befindet sich im Aufwind. Zum ersten Mal seit Jahren gehen die Meisterschaften wieder über zwei Tage, weil sich so viele angemeldet haben. "Mit dem Leistungsniveau bin ich sehr zufrieden", sagte der Diözesan-Fahnenschwenkmeister Frank Harth. "Unter ihnen sind auch einige Spezialisten, von denen ich etwas Besonderes zu sehen bekomme." Ihn freut es, dass das Fahnenschwenken wieder im Aufwind ist. "Es ist schön, dass in der Pagenklasse I, wo die Jüngsten schwenken, wieder einige Starter dabei sind."

Elena Berger ist eine Altersklasse drüber gestartet, in der Pagenklasse II. "Anfangs hatte ich ein mulmiges Gefühl. Als ich dann da stand, hatte ich plötzlich keine Angst mehr", sagt die Zehnjährige. Nach der Pflicht und einer kleinen Verschnaufpause absolvierte sie ihre Kür in 60 Sekunden. Danach atmete sie erleichtert auf: "Ich hab ein gutes Gefühl, dass meine gezeigten Figuren für eine vordere Platzierung reichen."

Quelle: RP
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