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Schwalmtal
Ferienfreizeitpass in Schwalmtal wird teurer

Schwalmtal: Ferienfreizeitpass in Schwalmtal wird teurer
In den Schulferien können Kinder und Jugendliche das Solarbad in Schwalmtal so oft besuchen, wie sie möchten, wenn sie einen Ferienfreizeitpass haben. Der Pass gilt von den Sommerferien 2016 bis zu den Pfingstferien 2017. FOTO: Nico Hertgen
Schwalmtal. Mit dem Ferienfreizeitpass können Kinder und Jugendliche in Schwalmtal in den Ferien so oft das Schwimmbad besuchen, wie sie möchten. Nun soll sich die Preisgestaltung ändern. Für Kinder aus Familien, die staatliche Transferleistungen beziehen, bleibt der Preis von 8,50 Euro. Andere Kinder zahlen hingegen 15 Euro. Von Birgitta Ronge

Der Freizeitpass für Kinder und Jugendliche aus bedürftigen Familien war den Mitgliedern der Lokalen Agenda in Schwalmtal eine Herzensangelegenheit. Durch den Pass sollten Kinder und Jugendliche in der Gemeinde Freizeitangebote nutzen können, für die in ihren Familien das Geld fehlte. Der Lokalen Agenda war es auch wichtig, Kinder aus bedürftigen Familien mit dieser Karte nicht zu stigmatisieren. Niemand sollte sehen können, dass sie bedürftig sind, weil sie die Karte dabei haben.

2013 wurde der Freizeitpass in Schwalmtal erstmals angeboten - für alle Kinder, unabhängig davon, wie viel Geld ihre Eltern haben. Zunächst galt er nur für die Sommerferien und kostete fünf Euro. Danach wurde das Angebot auf alle Ferien ausgeweitet, der Preis stieg damit auf 8,50 Euro. Mit dem Freizeitpass konnten Kinder und Jugendliche so oft in den Ferien ins Solarbad, wie sie wollten. Um dorthin zu kommen, konnten sie mit dem Pass auch den Bürgerbus nutzen.

Dieses System soll sich nun ändern. Den Preis von 8,50 Euro pro Pass für Kinder und Jugendliche bis zum 18. Geburtstag will die Gemeinde beibehalten, allerdings nur für diejenigen, deren Familien staatliche Transferleistungen beziehen, zum Beispiel Sozialhilfe oder Wohngeld. Geschwisterkinder sind frei, Kinder unter acht Jahren können kostenfrei eine erwachsene Begleitperson mitnehmen.

Für alle anderen Kinder und Jugendlichen, deren Familien keine staatlichen Leistungen beziehen, steigt der Preis. Sie sollen 15 Euro für den Pass zahlen, erwachsene Begleiter sollen 30 Euro zahlen. Geschwisterkinder sind nicht mehr frei, sondern müssen ebenfalls einen Freizeitpass kaufen. Hinzu kommt für alle Passinhaber eine Pfandgebühr für die neue Chipkarte von zehn Euro. Das Geld gibt es zurück, wenn man den Pass zurückgibt. Für einkommensschwache Familien sicherte das Schwalmtaler Bündnis für Familie Unterstützung zu - das Bündnis würde ab dem zweiten Pass für das Pfand in Vorlage gehen. Auch Familien, die nicht in Schwalmtal wohnen, können den Ferienfreizeitpass bekommen. Kinder und Jugendliche zahlen 25 Euro plus Pfand, Erwachsene 50 Euro plus Pfand.

Der Freizeitpass kommt in Schwalmtal gut an, so die Einschätzung der Gemeindeverwaltung. 2013 wurden insgesamt 349 Pässe ausgestellt, Geschwisterkinder eingerechnet. 72 Karteninhaber bezogen staatliche Leistungen. Im Jahr 2014 konnten die Karten für alle Schulferien genutzt werden, da stellte die Verwaltung 503 Pässe aus. Wie viele von Beziehern staatlicher Leistungen genutzt wurden, weiß die Verwaltung nicht, dazu fehlten Angaben des Jobcenters. 2015 wurden, so ergab der Zwischenstand nach den Sommer- und Herbstferien, bislang insgesamt 413 Pässe ausgestellt, 70 davon für Bezieher staatlicher Leistungen.

In ihren Ausführungen zur Änderung der Preise erläuterte die Gemeindeverwaltung, dass die neue Kasse im Solarbad die bisherige Lösung für den "Freizeitpass für alle" überflüssig mache: Die neue Kassenanlage verfügt jetzt über ein Chipkarten-System. Für Kinder und Jugendliche werden im Bad ohnehin ganzjährig Chipkarten quartalsweise angeboten. Und die Chipkarte, die als Ferienfreizeitpass gilt, lässt sich so programmieren, dass man nur in den Ferien damit ins Bad kommt. Andere Badbesucher können also nicht erkennen, ob das Kind, das eine Chipkarte bei sich hat, einen Ferienfreizeitpass hat oder eine gewöhnliche Schwimmbadkarte; sie sehen also nicht, ob es bedürftig ist oder nicht. Auch stellte man in den Sommerferien fest, dass Kinder kamen, die noch nie in einem Schwimmbad waren, die noch nicht oder nicht sicher schwimmen konnten, und Kinder ohne Begleitung über mehrere Stunden im Bad waren. Zur Sicherheit und zur Beschäftigung der Kinder stellte das Bad eine Aushilfe ein, die Kosten übernahm das Bündnis für Familie. Die zusätzliche Aufsichtskraft soll es in den Sommerferien 2016 wieder geben - die Kosten tragen dann die Schwalmtalwerke, die die Einnahmen aus dem Verkauf der Freizeitkarten erhalten. Einnahmeausfälle beim Bürgerbus übernimmt das Bündnis für Familie.

Bislang, das zeigen die Zahlen, wurde die Karte überwiegend von Kindern und Jugendlichen genutzt, deren Familien keine staatlichen Leistungen erhalten. Bislang zahlten sie 8,50 Euro pro Familie - für Geschwisterkinder und Erwachsene, die Kinder bis acht Jahre begleiteten, war die Nutzung kostenfrei. Wollen zwei Erwachsene mit drei Kindern künftig die Karten nutzen, ohne Leistungsbezieher zu sein, zahlen die Eltern 60 Euro und für die Kinder 45 Euro. Für die 105 Euro, die sie also für die Karten ausgeben, könnten sie 16 Einzeltickets für Erwachsene und 26 Tickets für Kinder kaufen und halten noch 60 Cent übrig - das Ticket für Erwachsene kostet 3,60 Euro, für Kinder 1,80 Euro.

In der Sitzung des Ausschusses für Demografie und Soziales, in der über die Freizeitkarte gesprochen wurde und in der die Änderung auch den Zuspruch des Ausschusses fand, übte Streetworker Joachim Hambücher Kritik: "Wir haben in Schwalmtal immer Familien unterstützt, die mehrere Kinder haben. Das haben wir heute abgeschafft."

Quelle: RP
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