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Brüggen
Feuerspucken lernen in den Ferien

Brüggen: Feuerspucken lernen in den Ferien
Die zwölfjährige Jaqueline lernt, wie man richtig Feuer spuckt. Feuerpädagoge Johannes Lührs achtet auf die Sicherheit. FOTO: Jörg Knappe
Brüggen. In einem "Kulturrucksack"-Workshop haben Kinder und Jugendliche in Brüggen gestern den sicheren Umgang mit der Flamme geübt. Auf der Burgwiese spuckten sie Feuer wie die Artisten im Zirkus Von Birgit Sroka

Nadine freut sich sichtlich: "Ich habe es geschafft", ruft die 21-Jährige. Mit der Flamme eines brennenden Fackelrohrs hat sie sich getraut, sich vorsichtig über den Unterarm zu streichen. Die neunjährige Joana tippt noch mit der Flamme auf ihre Hand. "Das macht am meisten Spaß", sagt das Mädchen grinsend. Auch die zehnjährige Kessi hat erfolgreich die Angst vor dem Feuer überwunden und findet es toll, dass sie sich traut, die Flamme so nah an ihrer Hand zu halten. Die zehnjährige Jaqueline traut sich sogar, mit der Hand durch die Flamme zu gehen.

Ein Workshop des Brüggener Jugendzentrums "Second Home" macht es für die Kinder und Jugendlichen möglich: Im Rahmen des Projekts "Kulturrucksack NRW" wollen sie sich einen ganzen Tag mit Feuerakrobatik beschäftigen. Das große Ziel: einmal richtig Feuerspucken. Auf der Wiese an der Burg Brüggen wird geübt. Der 15-jährige Kevin hat schon im vergangenen Jahr am Workshop des Jugendzentrums teilgenommen. Nun wartet er gespannt darauf, nach der Mittagspause Feuerspucken zu dürfen.

Johannes Lührs ist Mitglied des Vereins Feuerpädagogik. Er bringt den Kindern nicht einfach nur Kunststücke bei. "Mir geht es darum, dass der Umgang mit dem Feuer sicher sitzt und die Kinder lernen, sich verantwortlich zu verhalten", sagt Lührs. Er erklärt weiter: "Sicherheit geht absolut vor. Wir haben damit begonnen zu lernen, wie man ein Feuer anzündet."

Weitere Fragestellungen: Wie nähere ich mich einem Feuer gefahrlos? Wie gehe ich mit der Feuerdecke um? Und was ziehe ich an, wenn ich mit Feuer zu tun habe? Die sieben Jugendlichen, die an dem Workshop teilnehmen, tragen eng anliegende Baumwollkleidung. Die Haare sind durch Tücher geschützt - so können sie nicht durch Wind in die Flammen geraten. Die jungen Teilnehmer lernen stufenweise den Umgang mit dem Feuer: Bei Stufe eins streichen sie mit der Hand durch die offene Flamme. Bei Stufe zwei bilden sie mit den Fingern einen Ring und schieben ihn über das Rohr der Fackel. Bei Stufe drei pusten sie kurz in die Flamme der Fackel und berühren dann kurz mit dem Finger das brennende Dochtband, das zuvor mit medizinischem Benzin getränkt wurde. Bei Stufe vier tippen sie mit der Flamme auf die offene Hand. Manche schaffen es sogar, dabei die Flamme zu löschen. Bei Stufe fünf streichen sie mit der Flamme über ihren Arm.

In der Mittagspause gibt es Wikingerfladen, die über offenem Feuer gebacken werden. Jeder kann sich aussuchen, wie die Fladen gefüllt werden: mit Kräutern, Quark, Speck oder Zwiebeln. Dann wird es ernst, jetzt sollen die Kinder und Jugendlichen lernen, wie man Feuer spuckt. Dafür nutzen sie Bärlappsporen. "Wir üben den Ablauf zunächst mit Mehl", erklärt der Feuerpädagoge. "Wenn wir danach die Bärlappsporen in die Flamme spucken, ist der Effekt ähnlich einer Staubexplosion." Als Hilfe verwenden die Teilnehmer ein kleines Röhrchen. Flüssige Brandmittel kommen nicht zum Einsatz: "Es sind schon Kollegen gestorben, die durch das Verschlucken von Petroleum eine Lungenentzündung bekamen", berichtet Lührs.

Finja, Kessi, Joana, Jaqueline, Hannah, Nadine und Kevin haben Respekt vor den Flammen. Genau befolgen sie die Anweisungen des Feuerpädagogen. Gaby Wintraken, Leiterin des Jugendzentrums, und Birgit Menzel, die die Projekte des "Kulturrucksacks" unterstützt, sind stolz auf die Kinder und Jugendlichen. Die sieben jungen Teilnehmer gehen mit dem Gefühl nach Hause, etwas Tolles geschafft zu haben. Und vielleicht sind sie ja im kommenden Jahr wieder dabei.

Quelle: RP
 
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