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Niederkrüchten
Flüchtlinge feiern mit ihren Helfern

Niederkrüchten: Flüchtlinge feiern mit ihren Helfern
Auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens in Elmpt feierten Flüchtlinge und Helfer gestern ein fröhliches Fest mit vielen Spielmöglichkeiten und Musik. FOTO: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen)
Niederkrüchten. Bei einem bunten Frühlingsfest in der Elmpter Flüchtlingsunterkunft erlebten Asylsuchende und viele deutsche Gäste gestern einen herrlichen Tag. Ein kurzweiliges Programm und ein herzliches Miteinander prägten die Feier Von Jochen Smets

Neulich haben Saleh, Mustafa und Farhad Präsente verteilt. Am arabischen Muttertag, dem 21. März, haben die drei jungen Syrer von ihrem Taschengeld Blumen gekauft, sich vor einem Lebensmittelmarkt in Elmpt postiert und jeder deutschen Mutter einen floralen Frühlingsgruß überreicht. Das passende Sätzchen dazu haben die drei im Deutschunterricht in der Elmpter Flüchtlingsunterkunft gelernt: "Heute ist in Syrien Muttertag. Wir schenken Ihnen diese Blume, um Ihnen eine Freude zu machen." Die Reaktionen der Kundinnen reichten von angenehm überrascht bis begeistert.

Die kleine Anekdote erzählten die drei gestern beim ersten Frühlingsfest in der Flüchtlingseinrichtung auf dem ehemaligen Flughafengelände. Es ist ein fröhliches, ungezwungenes Fest, das ganz nebenbei viel über Dankbarkeit und Hilfsbereitschaft erzählt. "Deutschland hat meine Familie aufgenommen. Ich bin froh, dass wir hier in Sicherheit sind. Darum möchte ich etwas zurückgeben", sagt Saleh. Die Blumen-Aktion war in diesem Sinne eine kleine Geste. Irgendwann möchte er ganz normal in Deutschland leben und arbeiten, Teil der Gesellschaft werden. In Syrien hat der 25-Jährige ein Zahnmedizin-Studium abgeschlossen. Dann machte der Krieg alle Zukunftspläne zunichte.

Seit der Eröffnung der Elmpter Flüchtlingsunterkunft am 14. Dezember 2015 ist Saleh dort, wie Mustafa und Farhad. Die drei haben sich auf der Flucht über die Türkei, Griechenland und die Balkan-Route kennengelernt. Farhad denkt vor allem an seine Tochter. Drei Jahre ist Silina alt. "Sie soll hier eine gute Bildung und ein besseres Leben haben. Das ist in Syrien nicht möglich", sagt der 28-jährige Vater.

Für Silina und die vielen anderen Kinder, die in der Einrichtung leben, stand aber gestern vor allem der Spaß im Vordergrund. Beim Kinderschminken, Pedalofahren im Geschicklichkeitsparcours oder auf der Hüpfburg konnten die Kinder Kind sein. Eric Loll und sein Team vom rollenden Jugendtreff "Big Bass" hatten jede Menge Spiele und Action mitgebracht. Die mutigsten wagten sich hoch hinaus auf der gut und gerne zehn Meter hohen Kletterleiter. Die Niederkrüchtener Feuerwehr hatte Wasserspiele aufgebaut, die bei 25 Grad eine willkommene Erfrischung boten.

Für die Erwachsenen bot die Big Band des Betreiber-Unternehmens European Homecare musikalische Unterhaltung aus verschiedenen Kulturkreisen. Später am Abend gab es eine Disco fürs jüngere Publikum. Am Kuchenbuffet herrschte derweil rege Nachfrage nach Süßem aus deutschen Backöfen, gestiftet von der Bäckerei Achten, den Niederkrüchtener Landfrauen und vielen privaten Spendern.

Überhaupt waren sehr viele deutsche Helfer zu sehen. Es herrscht ein herzlicher Umgang zwischen ihnen und den Flüchtlingen. Ein fester Stamm von gut 50 Ehrenamtlichen ist mittlerweile in der Unterkunft aktiv, freut sich Bärbel Vomland, Ehrenamtskoordinatorin von European Homecare. Die Freiwilligen tragen wesentlich dazu bei, den Flüchtlingen den Start zu erleichtern.

Ein großes Hallo gab es, als Bürgermeister Kalle Wassong (parteilos) ein großes Netz Fußbälle für die Flüchtlinge spendierte. Dafür finden sich dankbare Abnehmer: Unter den Flüchtlingen hat sich eine Fußballmannschaft gebildet - ein buntes Team aller Altersstufen und Nationalitäten. Coach ist der Elmpter Bäckermeister Norbert Achten, der mit den Flüchtlingen dreimal pro Woche trainiert. Warum er das macht? "Ich möchte einen kleinen Beitrag zur Willkommenskultur leisten", sagt er. Ein großes sportliches Ziel gibt es auch schon: Das Flüchtlings-Team wird demnächst beim von Schwarz-Weiß Elmpt ausgerichteten Bäcker-Cup antreten, einem Turnier für Hobbymannschaften auf der Sportanlage an der Lehmkul. Das passt ganz gut zum Motto des Frühlingsfestes am gestrigen Freitag: "Spiel ohne Grenzen - gemeinsam Grenzen überwinden". Bürgermeister Wassong fand dazu passende Worte aus der Sicht der deutschen Besucher: "Wir fühlen uns heute als Gäste unter Gästen."

Quelle: RP
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