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Viersen
Flüchtlinge leben jetzt im Kaiser's-Haus

Flüchtlinge leben jetzt im Kaiser's-Haus
Die Flüchtlinge beim Einzug in das ehemalige Verwaltungsgebäude von Kaiser's. Alles lief ruhig und ohne Störungen ab. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Viersen. Vor dem Umzug der 150 Menschen aus der Sporthalle Ransberg haben wir uns in dem alten Bürogebäude umgesehen. Von Sebastian Fuhrmann

Am Montagabend ist alles soweit vorbereitet. Nur der Boden im Foyer des ehemaligen Kaiser's Verwaltungsgebäudes am Lichtenberg ist noch nass. Hier und da stehen noch Staubsauger in der Ecke, und links neben der Eingangstür bohren zwei Arbeiter mit schwerem Gerät Löcher in eine Tür. "Die Bereiche, die nicht genutzt werden, werden versiegelt", sagt ein Helfer. Der Lärm ist ohrenbetäubend.

Gestern Morgen dann sind die 150 Flüchtlinge, die der Stadt Ende Juli von der Bezirksregierung zur Erstunterbringung zugewiesen worden waren, in das Kaiser's-Hochhaus eingezogen. Nach ihrer Ankunft hatte die Stadt sie zunächst übergangsweise in der Sporthalle Ransberg untergebracht.

Willkommenskultur: Diese Menschen helfen Flüchtlingen FOTO: RP

Mit Bussen der NEW kommen die Menschen in Gruppen mit ihrem Gepäck an der neuen Unterkunft an. Jeder der Flüchtlinge hat bei dem Umzug ordentlich zu tragen, meist mehrere Blaue Säcke, sogar die vielen Kinder ziehen kleine Köfferchen hinter sich her. "Dank der vielen Spenden aus der Bevölkerung haben die Menschen nun wenigstens einen Grundstock an Kleidung. Als sie vor wenigen Wochen hier ankamen, hatten sie quasi nichts", sagt eine Frau, die beim Umzug mit anpackt. Auch eine Handvoll Sicherheitsleute hilft beim Schleppen der Koffer vorbei an der alten Eingangspforte.

Auf deren Boden in Marmoroptik liegt noch ein Teppich mit der Aufschrift: "Herzlich willkommen", darunter eine lachende Teekanne. Das Drehkreuz, durch das die Arbeiter früher einmal das Gebäude betraten, steht schon lange still. Daran klebt ein Zettel: "Bitte nicht stempeln, außer Betrieb". Bedeutungsschwanger wirken die Symbole auf den Eingangsschranken daneben: rechts ein blauer Pfeil, links das Zeichen für eine Einbahnstraße.

FOTO: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen)

Vorbei am Treppenhaus führt der Weg in die ehemalige Firmenkantine. Dort werden die Flüchtlinge künftig ihre Mahlzeiten einnehmen. Tische und Stühle stehen noch dort. Auch eine Vitrine mit unzähligen Pokalen hat die Firma Kaiser's Tengelmann im Erdgeschoss vor dem Küchenbereich stehen lassen.

In den Zimmern stehen inzwischen Feldbetten. Am Montagabend sind die Räume, in denen Teppich liegt, noch leer. Einige von ihnen haben große, hölzerne Einbauschränke, in denen früher einmal Akten standen, andere sind leer. Über die kleinen Raumnummern-Schilder vor den Zimmern haben Ordnungskräfte Zettel geklebt. Darauf steht mal "8 Betten", mal bloß die Ziffer 3. Auf den Gängen gibt es kleine Küchenzeilen; weitestgehend ohne Elektronik, dafür aber mit Waschbecken.

FOTO: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen)

Damit müssen sich die Menschen vorerst behelfen. Denn die Duschcontainer, die noch am Ransberg stehen, werden erst heute zur neuen Unterkunft gebracht. Am Freitag sollen vor dem Gebäude noch Container mit Waschmaschinen und Trocknern aufgebaut werden.

Mit dem Einzug beginnen in der Sporthalle die Abbauarbeiten. Ab Freitag soll die Halle wieder dem Vereinssport zur Verfügung stehen. Bis dahin müssen die installierten Trennwände wieder abgebaut werden. Die Sportgeräte, die andernorts gelagert sind, müssen zurück in die Halle.

Quelle: RP
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